Roland Gratzer: »Ich glaube, FM4 war nie ein Teenie-Sender.«

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Beim Radio zählt vor allem die Stimme. Doch auch Menschenkenntnis, Spontaneität und journalistische Fähigkeiten sind grundlegende Kriterien für eine Karriere als Moderator. Aber das wahre Steckenpferd von Roli Gratzer ist sein Humor. Er und unsere Chefredakteurin kommen aus derselben kleinen Stadt in der Steiermark und trafen sich für ein Interview.

Wusstest du immer schon, dass du mal beim Radio landen wirst?
An dieser Stelle sagt man wahrscheinlich ja, aber das stimmt nicht ganz.
Mein Cousin und ich haben als Kinder schon immer gerne Sketches von den Hektikern nachgespielt und mit einem Kassettenrecorder aufgenommen. Das waren sozusagen meine ersten Radioerfahrungen (schmunzelt).

Wolltest du immer zum Radio oder könntest du dir auch eine Karriere als Fernsehmoderator vorstellen? Wie wäre es zum Beispiel mit dem Songcontest?
(lacht) Nein, der Songcontest wäre mir zu langweilig.

Du würdest bestimmt mehr Schwung in die Sendung bringen!
Wahrscheinlich … Den Songcontest zu moderieren ist wirklich schwierig, vor allem, weil er so lange dauert und eigentlich nix passiert.
Aber um auf deine Frage zurückzukommen: Mir war immer schon klar, dass mir der Unterhaltungsbereich gefällt – auch wenn das Wort »Unterhaltung« oft so negativ besetzt ist: Radio, Film, Theater, …

Kabarett?
Das find ich immer ein bisschen schwierig mit dem Kabarett. Ich geh selten ins Kabarett und wenn doch, lache ich fast nie. Vielleicht bin ich einfach kein gutes Kabarettpublikum. Ich bin wahrscheinlich zu jung.

Was bringt dich dann zum Lachen?
Gute Videos … das Internet generell! Momentan habe ich ein Faible für Verschwörungs-Facebookseiten. Es ist großartig, wirklich! Man sollte sich nicht zu oft darauf herumtreiben, weil man dann ein wenig den Glauben an die Menschheit verliert. Heute habe ich gelesen, dass Edward Snowden gesagt haben soll, dass es unter der Erde eine eigene Zivilisation gibt und die CIA das vor uns geheim hält. Die Befürworter dieser Theorie sagen, dass das Fakt ist und die Medien bewusst nicht darüber berichten. Ansonsten schaue ich mir gerne jeden Scheiß im Internet an.

Es gehört bestimmt zu deinem Beruf, sich auf sozialen Netzwerken herumzutreiben, immer am Laufenden zu sein.
Ja, das benutze ich auch immer als Ausrede dafür, dass ich den ganzen Tag im Internet rumhänge.

Als dein Berufswunsch dann feststand, wolltest du dann auch gleich zu FM4 oder bist du einfach von Weiz (Stmk) nach Wien gezogen und hast geschaut, was sich ergibt?
Genau, ich hab mich nach dem Studium in Graz nach Wien aufgemacht, war dann als Printjournalist tätig und irgendwann dachte ich mir, ich probier das jetzt einfach einmal. Ich habe mich bei FM4 beworben, bin zum Assessment Center geladen worden und dann wollten sie mich haben!

Wie kann man sich ein Bewerbungsgespräch fürs Radio vorstellen?
Damals waren ca. 30 Leute geladen. Man muss dann verschiedene Aufgaben machen, z.B. musste ich aus einem Text eine Radiomeldung schreiben und dann vorlesen. Da war auch extra eine Frau anwesend, die auf die Stimme gehört hat. Am Ende zählt der Gesamteindruck.

Werden dort auch Englischkenntnisse geprüft?
Gerade bei FM4 ist es natürlich wichtig, dass man Englisch kann – wobei ich zugeben muss, dass meine nicht unbedingt ausufernd sind (lacht).

Wann musst du aufstehen, wenn du die Morning Show moderierst?
Um halb 5.

Oh Gott. Bist du ein Frühaufsteher?
Nein.

Wie schaffst du das dann?
Es ist so penetrant früh, dass es eigentlich auch schon wieder wurscht ist. Man schläft so kurz, dass es genau genommen gar nicht als Schlafen gilt. Nur weil man früher ins Bett geht, heißt das ja nicht, dass man auch früher einschläft. Ich glaube, ich habe einen inneren Panikwecker – man hat schließlich Angst die Radiosendung zu verschlafen.

Ist dir das schon einmal passiert?
Seit sechs Jahren mache ich die Morning Show und in dieser Zeit habe ich zweimal verschlafen. Da ich aber bis vor kurzem so nah bei der Arbeit gewohnt habe, ist es sich trotzdem ausgegangen, dass ich zehn Minuten vor Sendungsbeginn im Studio war.

Frühstückst du um diese unmenschliche Uhrzeit?
Kaffee und Tschick.

Das Frühstück für Champions.
Genau (grinst).

Hörst du privat FM4?
Ja, ich höre tatsächlich FM4. Nachrichten auf Ö1. Und unterwegs Podcasts.

Über Verschwörungstheorien?
Da habe ich leider noch nichts Gescheites gefunden.

Kennst du Recentr.com? Vielleicht haben die auch Podcasts!
Aaah, Recentr ohne e – damit man sie nicht findet. Nein, muss ich mir aber gleich mal anschauen … (Kurze Pause) Oh, die Seite ist aber hübsch. Überraschender Weise …

Manche möchten wissen, wie man einen Song buchstabiert, andere beschweren sich über Dinge, die sie in den Nachrichten gehört haben, obwohl es gar nicht bei uns war. Solche Leute muss man dann immer weiterleiten.

Was war das Verrückteste, das dir bei FM4 bis jetzt passiert ist?
In einer Morning Show war einmal eine norwegische Indieband zu Gast. Ich holte sie unten am Empfang ab und als wir nach oben fuhren, blieb der Lift stecken. Zu sechst in einem sehr kleinen Lift – das war ärgstens. Nach zwanzig Minuten konnten wir dann rausklettern …
Außerdem rufen generell immer viele Menschen an bei uns. Manche möchten wissen, wie man einen Song buchstabiert, andere beschweren sich über Dinge, die sie in den Nachrichten gehört haben, obwohl es gar nicht bei uns war. Solche Leute muss man dann immer weiterleiten.

An wen?
An irgendwelche Menschen. Irgendeine Nummer (lacht).

Für welche Band würdest du deine Schicht schwänzen?
In der Morning Show können wir den Dienstplan ändern und untereinander die Schichten tauschen. In einer Sendung wie Top FM4, die nur aus Hannes Duscher und mir besteht, geht das nicht. Aber eine Band, die ich mir gerne und immer wieder anschauen würde, ist koenigleopold. Ich finde, das ist die beste Liveband der Welt. Die sind so gut auf allen Ebenen – fantastisch.

Stimmt es, dass FM4 eine Band nicht mehr spielt, sobald sie auf Ö3 gelandet ist?
Nein, das ist ein Gerücht.

Wäre ja auch blöd, jetzt da Bilderbuch und Wanda so begehrt sind …
So ist es. Wir haben Wanda gefragt, was ihre Abschiedsworte an FM4 sind: »Danke!«
Es überschneidet sich ja nicht so viel, und wenn, dann ist es auch wurscht.

Wie schaut der Arbeitsalltag eines Radiomoderators abseits vom Moderieren aus?
In der Früh muss der deutschsprachige Moderator Anrufe entgegennehmen, E-Mails beantworten, die eingespielten Beiträge planen und überwachen. Ganz wichtig ist, dass man nicht vergisst, dass die Welt sich während der Sendung weiterdreht. Man sollte also immer mitbekommen, was da draußen gerade passiert.

Wie spontan ist man im Radio?
Die meisten Dialoge werden vorab geschrieben, manche nur in Stichworten und andere wiederum führt man völlig frei. Wer in der Früh moderiert, bereitet am Vorabend die Sendung vor.

FM4 feierte zu Jahresbeginn seinen zwanzigsten Geburtstag. Was hat sich beim Radiomachen in den letzten 20 Jahren geändert?
Die Auswahl ist größer geworden. Es gibt mehr Musik, mehr Inhalte und Informationen. Die Aufgabe der Producer ist gleich geblieben, man muss aus diesen Dingen das Beste herausfiltern. Außerdem ist alles schneller geworden in den letzten 20 Jahren. Kürzlich habe ich mir eine Sendung ohne Namen angeschaut und ich kann mich erinnern, dass ich damals von diesem Tempo und dem gleichzeitigen Input auf unterschiedlichen Ebenen überfordert war. Heute ist das eigentlich ein normales Tempo. Man kann wahrscheinlich nicht mehr aufnehmen als damals, aber wir haben vor allem durch Internet und Fernsehen gelernt, alles schneller nach Wichtigkeit zu filtern.

Sind die Hörer mit FM4 gealtert? Ist FM4 immer noch der Teenie-Sender von damals?
Ich glaube, wir waren nie ein Teenie-Sender …

Für mich hat sich das als Teenager schon so angefühlt.
Naja, wir hatten ja am Land nicht viel (grinst).
Wir sind ein Sender, der vor allem gut gebildete und interessierte junge Menschen anspricht. Das Alter unserer Hörer ist wahrscheinlich nach oben hin offener als früher, aber grundsätzlich sprechen wir nach wie vor ein junges Publikum an.

Wie alt ist euer jüngster Mitarbeiter?
Ich bin mir nicht sicher, aber ich schätze 25.

Sind die Moderatoren zu alt für ihr Publikum?
Das würde ich nicht sagen. Aber natürlich gibt es Moderatoren, die von Anfang an dabei waren und die heben den Altersdurchschnitt ein bisschen.

Wie alt warst du, als du zu FM4 gekommen bist?
25.

Jünger geht’s eh kaum, wenn man vorher studiert hat. Welche Möglichkeiten hat man, um jünger beim Radio zu landen?
Nicht studieren (lacht)! Irgendwann während meines Journalismus-Studiums habe ich den schönen Satz gehört: »Journalismus kann man nicht studieren, zum Journalismus muss man scheitern.«

Bist du schon einmal gescheitert?
Natürlich – schon oft. Aber wenn man seinen Fehler erkennt und daraus die richtigen Schlüsse zieht, hat Scheitern auch etwas Gutes. Aber im Moment des Scheiterns geht’s einem schon wahnsinnig am Arsch.
Das vollkommene Scheitern hat irgendwie auch etwas Schönes. Auch im Radio oder in der Kunst. Wenn einmal alles schief läuft, alle im Chaos versinken und das Publikum nicht glauben kann, dass es keine Absicht ist.

Hast du ein Beispiel für uns?
Mit meiner Theatergruppe Monochrom hatte ich einmal so ein Erlebnis. Wir hatten beim Wiener Sender Okto einmal monatlich eine Late Night Show und bei einer Aufnahme klappte gar nichts. Die Deko fiel herunter, die Videoeinspieler und die Technik funktionierten nicht, dem Moderator Johannes Grenzfurthner war die Hose zu eng und er kam nicht mehr heraus. Ein Chaos sondergleichen. Die Leute vor Ort waren alle total begeistert, meinten, es hat so echt ausgesehen und wir selbst waren fix und fertig mit den Nerven. Und niemand hat es uns geglaubt.
Auch bei Top FM4 läuft manches schief. Wir überlegen uns immer wieder Spiele mit Hörern und die sind manchmal so komplex, dass wir uns selbst schwer damit tun. Diese Hirngespinste dann aber auch noch den Anrufern zu erklären ist ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.

Apropos: Wie reagiert man in einer lustigen Sendung charmant auf deprimierte Anrufer?
Man muss jeden ernst nehmen, denn die Gefühle unserer Hörer sind wichtiger als eine spaßige Show. Kürzlich hatten wir in Unter Palmkätzchen einen Anrufer, der seit zwei Jahren versucht, seine Exfreundin zurückzugewinnen. Nicht nur wir werden uns in dieser Situation gedacht haben: »Du Armer! Deine Situation ist so beschissen … Es tut mir leid, aber get over it!« Aber er wollte unsere Hilfe für sein Liebes-Comeback, also haben wir ihm einen Song geschrieben und ihm geraten, ihr das Lied vorzusingen. Wenn es ihr nicht gefällt, ist sie es sowieso nicht wert. So konnten wir ihn zumindest ein wenig aufmuntern.

Gibt es nicht oft Situationen, bei denen du später gerne wissen würdest, was aus den Anrufern geworden ist?
Sehr oft eigentlich. In einer anderen Unter Palmkätzchen-Sendung durfte man sich für alles Mögliche entschuldigen. Eine Frau rief an, und entschuldigte sich dafür, dass sie ihrem Mitschüler öfter die Jause gestohlen hat. Das waren richtig tolle doppelt belegte, schön geschnittene Wurstbrote! Wir haben gesagt, dass, falls der besagte Mitschüler gerade zuhört, er sich melden und sich zum Essen einladen lassen soll. Nach der Sendung rief die Frau uns an und erzählte uns, dass er sie tatsächlich angerufen hätte und sie Pizza essen gehen werden. Ein kleiner, aber sehr schöner Erfolg!

Oft kann ein gut platzierter Scherz die Stimmung kurz aufhellen, manchmal kann das aber auch ganz schön in die Hose gehen.

Du bist also nicht nur Moderator, sondern auch Telefonseelsorger …
Ja, schon irgendwie. Leider kann ich das nicht so gut, vielleicht sollte ich einmal eine Ausbildung machen. (lacht) Oft kann ein gut platzierter Scherz die Stimmung kurz aufhellen, manchmal kann das aber auch ganz schön in die Hose gehen.
Ich bewundere oft die Menschen dafür, dass sie so öffentlich über ihre Probleme und Gefühle reden können. Ich glaube, ich könnte das nicht. Aber ich freue mich über jeden Anrufer!

Themenwechsel: Welche Musikkarrieren gäbe es ohne FM4 nicht?
Ich glaube, es würde alle geben – auch ohne FM4. Die Frage ist, wie lange es ohne uns gedauert hätte. Bilderbuch und Wanda sind gute Beispiele, die wurden von FM4 wirklich stark gefördert, sie machen aber auch geile Musik! Wir sind Helden liefen zum Beispiel auch auf FM4, bevor sie sonst irgendwo gespielt wurden. Aber im Grunde sind wir vor allem für österreichische Bands ein Sprungbrett, da wir ihnen eine Plattform bieten, die sie sonst nicht hätten. Viele schaffen es aus dem Soundpark in die regulären Sendungen und starten dann richtig durch.
Wanda und Bilderbuch sollte man eigentlich eh nicht in einem Satz nennen! Wanda sind quasi explodiert letztes Jahr, während Bilderbuch lange an ihrem – wohlverdienten – Erfolg gearbeitet haben.

Bist du nervös, wenn du mit Musikern Interviews führst?
Wenn ich sie mag schon, sonst eher nicht. Wenn ich selbst Fan bin, lässt es sich nicht vermeiden, dass das Gegenüber merkt, dass ich ihn oder sie mag. Leichter ist es ein Interview zu führen, wenn man nicht Fan ist. Denn als Fan setzt man oft Dinge voraus, die man vielleicht nur selbst weiß.
Vor ca. zwei Jahren hatte ich ein Interview mit einem Game of Thrones-Schauspieler, Tom Wlaschiha (Anm. d. Red.: Jaqen H’ghar). Ich bin ein riesiger GoT-Fan, deshalb freute ich mich auch wahnsinnig auf das Gespräch. <Spoiler> Er erzählte mir unter anderem, dass er hoffe, in irgendeiner Staffel wieder zurückzukehren. Da ich die Bücher gelesen hatte und er offensichtlich nicht, wusste ich, dass daraus nichts werden würde. Mittlerweile gibt es aber Gerüchte, dass seine Figur in der Serie trotzdem wieder vorkommen wird – für mich unverständlich, aber ich freue mich für Tom. </Spoiler>

Vor zwei Jahren war der Hype um GoT noch gar nicht so groß …
Ja, ich war ein Early Adopter. Ich sah damals die erste Staffel und kaufte mir alle Bücher. Das mache ich öfter so, weil ich ungeduldig bin. Aber die Serie ist viel besser als die Bücher. Jetzt ist es raus! (lacht) Die Romane sind gut, aber kompliziert! Es gibt zu viele Charaktere – das letzte Buch konnte ich nicht ohne GoT-App lesen, ich musste am iPad alle Namen nachlesen, weil ich mich nicht mehr auskannte. Für die Serie wurden manche Figuren weggelassen oder zusammengelegt, dadurch ist alles verständlicher. Auch viele Handlungsstränge werden in der Serie besser erzählt als im Buch.

Musikstreaming-Dienste wie Spotify ermöglichen es uns, viel unabhängiger Musik zu hören als früher. Seht ihr als Radiosender diese Anbieter als Konkurrenz oder als weitere Plattform, um euch zu präsentieren?
Auf keinen Fall darf man ein neues Medium ignorieren, egal welches es ist. Meist reicht es anfangs, die Entwicklung zu beobachten, wichtig ist es aber, im entscheidenden Moment einzusteigen.
Spotify ist auch für uns sehr praktisch, weil wir unseren Hörern Charts oder Artists of the Week zur Verfügung stellen können. Trotzdem finde ich, dass das Radio einen entscheidenden Vorteil hat: Man kann sich als Hörer zurücklehnen! Es werden einem neue Dinge empfohlen, auf die man von alleine wahrscheinlich nie gekommen wäre.

Welche Kanäle verwendet ihr noch?
Ähnlich wie Spotify funktioniert Deezer. Außerdem sind wir auf Facebook, Google+, Twitter, YouTube, Instagram und ich glaube, aktuell arbeiten wir an einem WhatsApp-Service. Aber E-Mail und Telefon sind nach wie vor die wichtigsten Medien für uns. Auch über Facebook kommen mittlerweile viele Anfragen herein. Post so gut wie gar nicht mehr …

Habe ich die Garantie, dass ihr meinen Wunsch erfüllt, wenn ich ihn euch mit der Post schicke?
Die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen Postkartenwunsch erfüllen ist extrem hoch, ja! Das ist eine große Leistung und die muss belohnt werden. (lacht) Bei Wünschen ist grundsätzlich die Chance um einiges höher, dass wir sie erfüllen, wenn sie in eine tolle Geschichte verpackt sind. Wenn jemand nur »Wanda – Bologna« schreibt, naja … Aber wenn dabei steht, dass jemand eine Tante in Bologna hat, werde ich zumindest schon mal hellhörig.

Das WhatsApp-Handy hat schon wieder gebimmelt! Rennt bitte schnell wer hin?

Kurz zurück zu WhatsApp. Wie funktioniert das eigentlich? Liegt da irgendwo in der Musikredaktion ein Handy auf dem WhatsApp installiert ist (grinst)?
Genau in dem Moment, in dem ich das erwähnt habe, stellte ich mir dieselbe Frage. Ich bin schon wieder völlig ahnungslos. (lacht) Wahrscheinlich läuft das über einen Browser oder über E-Mail. Wobei ich fände das super: »Das WhatsApp-Handy hat schon wieder gebimmelt! Rennt bitte schnell wer hin?«

Funktioniert Radio ohne Facebook noch?
Natürlich! Aber es ist wahnsinnig wichtig, dass man mit den Leuten dort kommuniziert, wo sie sich aufhalten und das ist heutzutage nun mal Facebook. Früher war das MySpace und später wird es vielleicht einmal Diaspora (Anm. d. Red.: dezentral gehostetes soziales Netzwerk) sein, wer weiß.

Wie schaut die Arbeit beim Radio 2035 aus?
Wahrscheinlich noch differenzierter als jetzt. Und damit meine ich, dass es noch mehr Spezialangebote geben wird. Ich höre zum Beispiel sehr gerne Leute im Radio reden. Andere schalten da sofort um. Auf solche Vorlieben könnte Rücksicht genommen werden. Was es bestimmt immer geben wird, ist, dass Leute beim Radio anrufen. 2035 wird man die Anrufer dann aber viel besser verstehen – selbst, wenn sie gerade mit der Freisprechanlage im Auto fahren. Es wird noch mehr nach Musikfarben unterteilte Sender geben und man wird es sich selbst zusammenstellen können. So wie es auch die Zeitung in 20 Jahren noch geben wird. Gewisse Dinge haben sich in unserem Alltag etabliert und bleiben auch noch lange bestehen.

Habt ihr bei FM4 eine Vorgabe bekommen, ob und wie ihr gendern müsst?
Es gibt keine offizielle Vorgabe, die Meisten machen das eh von sich aus. Ich mach das auch.

Privat auch?
(Denkt nach und grinst) Ja, eigentlich schon! Ich spreche zum Beispiel von Studierenden statt von Studenten. Ich finde es voll ok zu gendern und ich verstehe nicht, warum sich die Leute da so drüber aufregen. Vor allem im Schriftbild finde ich das Binnen-I orthografisch wirklich hübsch! Ist doch schön, wenn mitten im Wort ein Großbuchstabe ist.

Du hattest kürzlich bei den Amadeus Music Awards einen kleinen öffentlichen Zusammenstoß mit Andreas »Mountain Man« Gabalier. Möchtest du ihm auf diesem Wege etwas ausrichten?
Weiße, heterosexuelle Männer aus Mitteleuropa wurden in den letzten 2.000 Jahren nicht wirklich benachteiligt auf dieser Welt. Auch nicht im Showbusiness.

Für welchen Diktator würdest du gerne ein Lied schreiben?
Haha, gute Frage (lacht)! Ähm, ich glaube für Viktor Orbán, da hätte ich die Chance, dass er es nicht hört, weil FM4 vermutlich nicht so weit sendet.

Letzte Frage: Wir haben die Initiative »Rettet das Gsi« gegründet, um den Vorarlberger Dialekt vor dem Aussterben zu bewahren. Hast du eine Idee, was das Wort »Füdla« bedeutet?
Ui. Ich hab einmal ein Mail von einem Hörer auf vorarlbergerisch bekommen und in der Sendung vorgelesen. Da ich ein halbes Jahr in der Schweiz gelebt habe, hab ich es unbewusst im Schweizer Dialekt vorgetragen. Daraufhin haben sich einige bei mir beschwert …
Füdla ist der Bauchnabel!

Nicht ganz. Zur Hilfestellung haben wir auch einen ganzen Satz für dich vorbereitet: »Du kasch mi mol am Füdla blosa!«
Es wird ja jetzt nicht der Penis sein, oder?

Nein, andere Seite!
Da Orsch (lacht)!

Fotos: Handout Roland Gratzer

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