Rothaarig: Fluch und Segen

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Das sogenannte »Ginger-Gen« lässt so manches Herz höher schlagen und bietet unglaublich viel Raum für verschiedenste Mythen, Klischees und Vorurteile. Viele davon sind wissenschaftlich nicht bestätigt, aber oft auch nicht dementiert. Wir haben die Mutation des MC1R-Gens einmal etwas genauer unter die Lupe genommen.

Kein Wunder, dass dieses Thema einige Fragen aufwirft, haben doch nur etwa ein bis zwei Prozent der Weltbevölkerung von Natur aus rote Haare. Und entgegen aller Gerüchte sind die Redheads nicht am häufigsten in Irland zu finden: Mit 14 Prozent leben in Schottland die meisten Rothaarigen, dicht gefolgt von Irland und Wales mit jeweils etwa 10 Prozent. Österreich kann da mit 2 Prozent nur schwer mithalten.

Mutant X

Grund dafür ist eine Mutation des MC1R-Gens, welches für unterschiedliche Pigmente in den Haaren verantwortlich ist. Genetisch gesehen sind Rothaarige also quasi »Mutanten«. Bei Rothaarigen werden von den Haarfollikeln große Mengen des Farbstoffs Phäomelanin produziert und in die Hornstruktur eingelagert. Überwiegt also Phäomelanin, so ist die Haarpracht rot oder rotblond.
Bislang haben Wissenschaftler fünf Varianten des MC1R-Gens entdeckt, die Rothaarigkeit begünstigen. Vererben beide Elternteile eine solche Variante, ist die Wahrscheinlichkeit für einen kleinen Rotschopf sehr hoch. Anstatt des dunklen Melanins befindet sich Phäomelanin auch in der Haut, was zudem zu einem empfindlicheren hellen Teint führt, der oft auch Sommersprossen aufweist.

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Schluss mit den Rotschöpfen?

Einer Studie zur Folge könnten Menschen, die von Natur aus rote Haare haben, bis zum Jahr 2100 ausgestorben sein. Der Grund dieser Annahme: Das Gen wird rezessiv vererbt und kann also kaum zur Entfaltung kommen, wenn es nur als einfache Kopie weitergegeben werden kann. Es müssen zwei Kopien vorhanden sein, damit das Kind rothaarig wird.
Bei Erbgutuntersuchungen von Neandertalern sollen Wissenschaftler das rothaarig-mutierte Gen kürzlich aber ebenfalls entdeckt haben – zwar in einer kleinen Abwandlung, aber doch mit dem gleichen Effekt. Und wenn es schon rothaarige Neandertaler gegeben hat, dann lässt dies durchaus die Hoffnung zu, dass sich die Kupfer-Gene auch in Zukunft ab und an durchsetzen.

Faszination rot

Von den 60 Prozent der Frauen, die ihre Haare färben, wählen 20 Prozent Blond, 27 Prozent Braun, aber welche Farbe gewinnt? Genau richtig. Unglaubliche 30 Prozent der Frauen färben sich ihre Haarpracht rot. Irgendetwas muss also an der seltenen Haarfarbe begeistern, denn auch viele Promis verabschieden sich für das aufregende Rot von ihrer natürlichen Haarfarbe. Wusstet ihr, dass z. B. Emma Stone, Christina Hendricks oder Rachel McAdams gar nicht wirklich rothaarig sind? Diese drei Schönheiten und auch viele andere stören sich nicht an Spitznamen wie Pippi, Gulasch, Karottenkopf oder Duracell (die mit dem Kupferkopf).

You can sleep with a blonde, you can sleep with a brunette, but you’ll never get any sleep with a redhead!

Rot ist topmodern und rote Naturschönheiten sind voll im Trend. Es gibt sogar einen Rothaarigentag, der seit 2005 jedes Jahr am ersten September-Wochenende in den Niederlanden stattfindet. Tausende Rotschopfe aus der ganzen Welt kommen zusammen und zeigen gemeinsam, wie stolz sie auf ihre kupferne Haarpracht sind.

Auf das andere Geschlecht hat rotes Haar eine besondere Anziehungskraft: 68 Prozent aller Männer halten rothaarige Frauen für feuriger im Bett – 90 Prozent davon hatten aber noch nie etwas mit einer Red Head.

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Simply Red

Die rote Haarfarbe ist etwas Besonderes und die Redheads dieser Welt sind zurecht stolz darauf. Die Band Simply Red beispielsweise hat ihren Namen auf Grund der Haarfarbe ihres Sängers Mick Hucknall, dessen Spitzname seit seiner Kindheit »Red« war. Auf die Frage, wie denn der Name seiner Band lauten sollte, antwortete dieser »Simply Red« und der Bandname war geboren.
Seit der Erfindung des Farbfernsehens spielen rothaarige Figuren auch in vielen Filmen und Serien eine große Rolle. Die amerikanische Schauspielerin Rita Hayworth, auch »The Love Goddess« genannt, feierte in den 1940er Jahren nicht nur, aber vor allem wegen ihrer roten Haarpracht unglaubliche Erfolge. Ebenfalls die 1940er waren die Geburtsjahre einer weiteren weltbekannten rothaarigen Figur: Pippi Langstrumpf. Sie prägt das Bild der rothaarigen, rebellischen, verwegenen und starken Frau langfristig. Sie gilt sogar als literarisches Vorbild für die Frauenbewegung und den Feminismus. Ein weiterer rothaariger Leinwandheld, der seit den 60er Jahren unsere Wohnzimmer aufsucht, ist der kleine Pumuckl. Die Leidenschaften des frechen Kobolds sind das Aushecken von Streichen und das Dichten, was viele kleine Kinderaugen zum Leuchten bringt. Rothaarige Schauspielerinnen sind nach wie vor für viele Verfilmungen sehr beliebt: In den 90er Jahren machte Franka Potente in Lola rennt die roten Haare zum Markenzeichen des ganzen Films. In vielen Friseursalons wurde daraufhin sogar die Farbe »Lola red« angeboten. In der Verfilmung von Patrick Süskinds Roman Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders wurde für das Mirabellenmädchen die deutsche rothaarige Schauspielerin Karoline Herfurth ausgewählt, die in dem Film eine besondere Faszination auf den Hauptcharakter Jean-Baptiste Grenouille ausübt.
Auch Walt Disney hat sich bereits des öfteren rote Haare für seine weiblichen Figuren ausgesucht. Ob knallrot, wie bei Arielle oder der Herz-Königin von Alice im Wunderland, oder kupferfarben wie bei Merida oder Kim Possible. Nicht selten sind diese Figuren geheimnisvoll, undurchschaubar und verführerisch, aber trotzdem selbstbewusste und sehr starke Charaktere.

red·head(‚rεd,hεd)
1. A person with red hair.
2. A North American duck (Aythya americana), the male of which has black and grey plumage and a reddish head.

Rothaarige Männer schneiden da leider nicht ganz so gut ab. Sie werden in Film und Fernsehen eher als die kleinen Dummerchen dargestellt. Die rothaarigen Außenseiter mit Zahnspange und Brille, die nie ein Mädchen abbekommen. Sexsymbole oder Frauenmagnete sind sie leider selten.
Ron Weasly beispielsweise, der beste Freund des Zauberers Harry Potter, erfüllt zwar nicht ganz diese Anforderungen, ist aber trotzdem etwas tollpatschig und nicht gerade der Schwarm aller Mädchen. Für mich persönlich absolut unverständlich.

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Die rote Männerwelt

Für viele Frauen sind rothaarige Männer ein absolutes No-Go. Borstige Haare, helle Haut, Sommersprossen am ganzen Körper, sensibel und irgendwie etwas seltsam. Sogar die Augenbrauen und Wimpern sind orange – oh mein Gott, nein danke!
Geschmäcker sind aber ja bekanntlich verschieden und auch bei diesem Thema gibt es andere Ansichten. Und ja, ich gebe es zu, bei roten Haaren werde ich schwach. Ich liebe Männer mit roter Kopfbehaarung. Wenn es dann auch noch einen passenden orangen Bart dazu gibt, ist es um mich geschehen. Prinz Harry, Ed Sheeran oder Grey’s Anatomy-Star Kevin McKidd sind nur drei bekannte Beispiele, die ich stundenlang anschmachten könnte. Aber auch bei uns im Ländle habe ich den ein oder anderen attraktiven Rotschopf bereits entdeckt. Was mich daran so fasziniert? Ich kann es nicht genau sagen, aber wenn ich in einer Menge rote Haare sehe, werde ich nervös. Rothaarige Menschen sind doch eine kleine Rarität und nicht an jeder Ecke zu finden. Und zugegeben, etwas Geheimnisvolles und Schelmisches haben diese Herren auch an sich.

Unser abschließender Tipp an alle Redheads: Von einer kriminellen Karriere raten wir euch ab, denn das für die Haarfarbe verantwortliche MC1R-Gen ist für Forensiker besonders leicht zu identifizieren. Die Ermittler erstellen so ein Täterprofil, das bei Rothaarigen eine Sicherheit von 80 Prozent aufweist. Also, sauber bleiben, liebe Rotschöpfe!

Unser besonderer Dank gilt: Den Tierbesitzern, Familie Meusburger & Familie Gaisberger sowie Stephanie Wladika, Belinda Fink, Antix Stadl, Susanne Wehinger & Jules für Outfits und Accessoires.

Haare & Makeup: Lee Juli Rusch (leejulie.com), Model: Anna, Foto: Mohammed Zapata Marramis, Assistenz: Aliya Tatu, Bildbearbeitung: Ali Mahatma Baba.

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