Der eine große Kassenschlager

one-hit-wonder

Das Ziel eines jeden Künstlers ist es, von seinem Schaffen leben und ihm seine ganze Aufmerksamkeit widmen zu können. Für Musiker bedeutet dies, sie brauchen erfolgreiche Songs, um Geld zu verdienen. Viele träumen von dem einen großen Hit, der sie für immer in der Musikgeschichte verankert. Und manchmal reicht dieser eine sogar aus, um ein Leben lang dafür berühmt zu bleiben. Doch müssen wir unbedingt für alle Zeit  wissen, dass Gildo uns lieb hat, wir Aymans Stern und Sonnenschein sind, Herr Schilling völlig losgelöst im Weltall schwebt, Schni Schna Schnappi tatsächlich ein kleines Krokodil ist, Lucilectric als Mädchen sowieso gewinnt, Ixi keinen Knutschfleck will oder Tony Holiday die ganze Nacht Samba tanzen möchte?

One-Hit-Wonder ist ein Ausdruck aus der Musikindustrie und bezeichnet Interpreten, die in ihrer gesamten Karriere nur ein einziges ihrer Lieder in einer Hitparade platzieren konnten. Meist werden dafür die nationalen Musikranglisten herangezogen, weil Chartplatzierungen diverser Künstler in verschiedenen Ländern erhebliche Unterschiede aufweisen können.

In den USA werden dafür die Billboard Hot 100 Charts herangezogen. Wer allerdings in den USA nur einen einmaligen Höhenflug verzeichnen konnte, kann in Europa trotzdem ein höchst erfolgreicher Musiker sein. Nena beispielsweise ist in den USA nur für ihre 99 Luftballons bekannt. In Deutschland hingegen gehört sie zu den erfolgreichsten Musikerinnen aller Zeiten. Auch ist jede britische Boyband, die nicht One Direction heißt, in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten ein Strohfeuer: Take That, Westlife, The Wanted und wie sie alle heißen, konnten in Amerika nicht an ihre europäischen Erfolge anknüpfen. Das kann an Harry Styles’ Vermarktungsstrategie durch seine Bettbekanntschaften liegen, aber auch daran, dass die Amis auf echte Kerle und weniger auf englische Bleichgesichter stehen. (Mir schmerzt mein britisches Herz.)

Nur ein Hit – trotzdem erfolgreich

Wenn Künstler den Ruf eines One-Hit-Wonders haben, heißt das aber nicht, dass sie deswegen nicht erfolgreich sind oder nicht von ihrer Musik leben können. Die Crash Test Dummies beispielsweise, die mit »Mmm Mmm Mmm Mmm« einen Welthit geschafft haben, sind ein sehr beliebtes Beispiel für ein One-Hit-Wonder. Dass sie in ihrer kanadischen Heimat mit sieben weiteren Songs in den Top 20 vertreten waren, wissen viele nicht. Auch wenn sie internatio-nal nicht mehr alle überzeugen konnten, ein echtes One-Hit-Wonder sieht anders aus.

Ein weiteres Beispiel ist die Band Florence + the Machine. Die Band um Sängerin Florence Welch konnte nur »Dog Days are over« in den amerikanischen Billboard Charts platzieren (#21), tourt trotzdem höchst erfolgreich um die ganze Welt und begeistert zahlreiche Musikliebhaber.

Bruce Willis ist ebenfalls ein One-Hit-Wonder, zu dem der Ausdruck nicht wirklich passt. Als Schauspieler einer der erfolgreichsten überhaupt, konnte er an seinen #5-Hit, ein Cover von »Respect Yourself« aus 1987, nicht anknüpfen – fraglich, ob er das überhaupt wollte. Schließlich hat John McClane Besseres zu tun als nette Liedchen zu trällern. »Yippee-ki-yay, motherfucker!«

No-Hit-Wonder & Two-Hit-Wonder

Diese zwei neu kreierten Begriffe bezeichnen zwei weitere interessante Phänomene der Musikindustrie. No-Hit-Wonders sind Künstler, denen es nie gelungen ist, eine hohe Chartplatzierung zu belegen, die kommerziell aber trotzdem erfolgreich sind. Bekannte Beispiele dafür sind Bob Marley, die Dropkick Murphy’s, The Ramones oder auch Jeff Buckley.

Two-Hit-Wonders hingegen hatten Glück genug, einen weiteren Titel nachzulegen, der nicht weniger erfolgreich war, als der erste. KT Tunstall (Black Horse and the Cherry Tree; Suddenly I see), Europe (Final Countdown; Carrie) und auch Extreme (More than Words; Hole Hearted) hatten alle einen weiteren bekannten Song, der aber doch schnell wieder in Vergessenheit geraten ist. Ob dieser zweite Hit dem Namen der Interpreten und ihrem ersten Knaller zu verdanken ist oder tatsächlich so gut war, muss wohl jeder für sich beurteilen.

Fluch und Segen

Musikalische Eintagsfliegen, wie sie in der deutschen Sprache liebevoll genannt werden, sind für die meisten Künstler Fluch und Segen zugleich. Ein einziger großer Hit verschafft ihnen unglaubliche Aufmerksamkeit und lässt zudem ordentlich die Kasse klingeln. Was dieser Erfolg aber auch mit sich bringt, ist der enorme Druck der Öffentlichkeit, die auf einen ebenso guten Nachfolgehit wartet. An dieser Aufgabe scheitern nicht wenige Musiker, was den Rummel um ihre Person dann schnell wieder abklingen lässt.

Während manche dieser Herausforderung nicht gewachsen sind, klammern sich andere ein ganzes Leben lang an diesem einen Hit fest. Sie spielen ein Konzert nach dem anderen, bei denen das Publikum immer nur auf den einen Song wartet. Natürlich muss dieser als letzter kommen, ansonsten würde der Großteil das Konzert frühzeitig verlassen, um dem allseits bekannten Nach-dem-Konzert-Stau aus dem Weg zu gehen. Und genau diese drei Minuten des Ruhms, die euphorischen Konzertbesucher und die Menge, die den gesamten Text laut mitsingt, lassen die Künstler immer wieder auf die Bühne gehen und dieses eine Lied voller Inbrunst zum besten geben.

One-Hit-Wonder-Tag

Die Liste der One-Hit-Wonder ist unendlich lang und würde viele, viele Playlists mit unterschiedlichsten Musikrichtungen füllen. In den USA gilt seit 1990 der 25. September als nationaler »One-Hit-Wonder-Tag«, an dem viele Radiosender den ganzen Tag nur OHW-Songs spielen.

Ohne die ganz strengen Regeln zu befolgen, haben wir für euch eine Liste mit One-Hit-Wondern zusammengestellt und beginnend mit 1968 für jedes Jahr mindestens einen Hit gesucht. Die Liste könnt ihr euch auf Spotify anhören – nur ein gewisses Krokodil haben wir weggelassen, um euch vor dem unliebsamen Ohrwurm zu bewahren.

Diese Songs und viele weitere sind darin enthalten:

1968 Steppenwolf – Born to be wild

1972 Johnny Nash – I can see clearly
now

1974 Carl Douglas – Kung Fu Fighting

1979 Boomtown Rats – I don’t like
Mondays

1982 Peter Schilling – Major Tom

1988 Bobby McFerrin – Don’t worry,
be happy

1990 Vanilla Ice – Ice Ice Baby

1993 Joshua Kadison – Jessie

1995 Fools Garden – Lemon Tree

1996 Los del Río – Macarena

1997 Blur – Song 2

1999 Eiffel 65 – Blue

2000 Ayman – Stern

2004 O-Zone – Dragostea din tei

2012 Psy – Gangnam Style

2013 Ylvis – What does the Fox say?

One-Hit-Wonder

Hier gehts zur gesamten Liste auf Spotify.

Foto: Screenshot Youtube Psy – Gangnam Style

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