Marilyn Manson vs. Jesus

Die Freude war riesig als wir vor einigen Monaten die Bestätigung für Marilyn Manson in der poolbar bekommen haben. Als wir dann erfuhren, dass das Konzert in die Messehalle Dornbirn verlegt wurde, war die Freude zwar immer noch groß, ab es war doch ein kleiner Wermutstropfen. In den Messehallen sind Konzerte auch noch „übersichtlich“, aber an die Poolbar-Atmosphäre kommt es natürlich nicht ran.

Zu viert geht’s ab zum Messegelände um die reservierten Karten holen. Naja, allzu schnell gehts dann nicht, zuerst blicken wir auf eine lange Schlange schwarz Gekleideter, die das selbe Ziel haben wie wir. Für eine reservierte Karte über eine dreiviertel Stunde anzustehen ist nicht gerade prickelnd, doch die Wartezeit wird uns mit Flyern versüßt. Flyer mit denen ich, auf einem Marilyn Manson-Konzert, nicht gerechnet hätte.

Im Namen des Herrn

„Kreuzigt ihn“ steht auf den Flyern – schwarzes Cover mit illustrierten Blutspritzern. Ganz der Zielgruppe entsprechend. Im Innenteil liest man jedoch Bibelzitate. Deshalb ist schnell wird klar, wer der Absender ist. Respekt – gut gemacht, man wirft zumindest einen Blick hinein. Dass man mit so einer Aktion bei einem Manson-Konzert nicht gerade auf viel Gegenliebe stößt, sollte eigentlich klar sein, dennoch erzählt uns eine der Aktivistinnen, dass „wenn nur eine einzige Seele zum Glauben findet, hat sich die Aktion gelohnt.“
Ob sich dieser Eine dann gefunden und bekehren hat lassen, ist uns nicht bekannt. Klar war nur, dass das gesamte Areal mit Flyern zugedeckt war – Umweltverschmutzung im höheren Auftrag, quasi.

Um der „Jesus-Aktivistin“ eine kleine Freude zu machen, behaupte ich nun doch nicht auf das Konzert zu gehen. Etwas befremdliches hat die Situation aber doch – kennt man solche Typen eigentlich nur aus Amerikanischen Dokus.

Early Birds

Genug gebetet, wir gehen in die Halle. Für uns Frühbucher wurde ein spezieller Bereich vor der Bühne eingerichtet, so dass wir sicher eine spitzen Sicht auf Herrn Manson haben werden. Zur Zeit spielen die Vorarlberger „Surfaholics„, die versuchen, das Publikum anzuheizen. Gelingt ihnen ganz gut, sie spielen soliden Hard-Rock mit eingängigen Melodien. Die „Surfaholics“ bedanken sich für die Aufmerksamkeit und wünschen viel Spaß mit dem Hauptakt.

Was lange währt…

Die Bühne wird umgebaut – Soundcheck, dann ein riesiger schwarzer Vorhang. Es kann also nicht mehr lange dauern. Ein großer Irrtum. Es kann. Nach einer halben Stunde des Wartens schmerzen die Füße und der Rücken, denn es ist mittlerweile ziemlich beengt. Es ertönen immer mehr wütende Pfiffe bzw. ganze Pfeiffkonzerte. Bei jedem Bühnenarbeiter der gebückt auf die Bühne schleicht, um noch irgendein Kabel zurechtzurücken, gibt es ein kurzes Aufjubeln der Menge, das in Piffe übergeht, sobald der Irrtum bemerkt wird.

Mit einer geschlagenen Stunde Verspätung fällt der schwarze Vorhang und der feine Herr beginnt sein Konzert. Der Ärger ist bald verflogen, denn es geht gleich richtig los. Nach dem ersten Song begrüßt Manson die Menge mit „Hello Austria!“, im Laufe des Konzerts wird immer deutlicher, dass er nicht weiß, in welcher Stadt er überhaupt spielt. Manson fragt sogar mal nach, kann sich aber „Dornbirn“ nicht merken und bleibt deshalb lieber bei „Austria“.
So geht es für 75 Minuten dahin, wenn man von einigen gesanglichen Schwächen absieht, war es ein sensationelles Konzert. Auch die Flyer verteilenden Kirchenjünger dürften erfreut gewesen sein, der „Herr der Finsternis“ rotzte nur ein einziges Mal in eine Bibel, ansonsten gab es von christlicher Seite wohl nichts zu beanstanden.

 

Fotos: Ziegfried

  • Kathilizismus sagt:

    Bin genau eurer Meinung. Die Katholiken waren zwar ziemlich schräg, trotzdem war es ein sehr gelungener Abend. Von den paar falschen Tönen abgesehen, habe ich mich sehr unterhalten gefühlt…auch wenn nur für kurze Zeit.. War der Meinung, dass es nicht mal 75 Minuten waren. Aber auch wenn…für 60 Minuten Wartezeit definitiv zu kurz!

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