Weg mit dem Einheitsgrau

ARD-Trailer für Farbfernsehen

Vor 50 Jahren, am 3. Jänner 1953, feierte das Farbfernsehen seine Premiere. Nur wenige Monate später startet die erste regelmässige Farbausstrahlung in den USA.

In Farbe

In Deutschland wurde der Start des Farbfernsehens auf der Deutschen Funk-Ausstellung am 25. August 1967 offiziell zelebriert. Der damalige Vizekanzler Willy Brandt „aktivierte“ dabei symbolisch das Farbfernsehen, indem er einen roten Buzzer drückte. Leider tat er dies etwas zu zögerlich, sodass Gerd Grunwald, Techniker im Hintergrund, das Farbfernseh-Signal schon startete obwohl der Buzzer noch nicht gedrückt war. Das Fernsehbild wechselte also zu früh auf Farbe. Dass auch schon früher im Fernsehnen gelogen wurde, wird mit der Behauptung „der Buzzer sei eben sehr empfindlich“ deutlich.

Farbfernsehen ist Anfangs – wenig verwunderlich – ein Privileg der Besserverdienenden. Ein Monitor kostet in etwas soviel wie ein preiswerter Neuwagen. Die Auszeichnung „in Farbe“ wird zu einem Qualitätsmerkmals stilisiert. Die ARD hat einen eigenen Trailer als Ankündigung für Farbsendungen.

 

Der französischen Spielfilm „Cartouche der Bandit“ (1962) mit den Hauptdarstellern Jean-Paul Belmondo und Claudia Cardinale ist der erste in Deutschland gezeigt Farbspielfilm. Der ORF startete 1965 die ersten Versuche – offiziell wird am 7. Februar 1967 auf Farbe umgestellt. Die erste eigene Farbfernsehsendung war das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker vom 1. Januar 1969.

Der Unterschied zwischen Schwarz-Weiß und Farbe

Aus heutiger Sicht macht, abgesehen von der Farbe, die Herangehensweise bei den Dreharbeiten einen großen Unterschied zwischen Schwarz-Weiß und Farbfilmen aus. Schwarz-Weiß-Filme müssen viel kontrastreicher ausgeleuchtet werden als normale Filmsets. Dadurch kann eine ganz andere (zB düstere) Stimmung erzeugt werden.
Hingegen dazu wird mit einfacheren Tricks (Schokoladensauce als Filmblutersatz) und zum Teil auch günstigeren Requisiten gearbeitet. So wurden zum Beispiel 1951 in „The Thing“ ganze Schneekulissen aus einem Cornflakes-Mehl-Gemisch hergestellt.

Schwarz-Weiß als Stilmittel

Alfred Hitchcocks Klassiker „Psycho“ (1960) wurde bewusst in Schwarz-Weiß gedreht. Man stelle sich den Film in Farbe vor – er hätte nicht die selbe Wirkung. Auch „Schindlers Liste“ (1993) wurde in Schwarz-Weiß gedreht. Der Film wurde mit sieben Oscars ausgezeichnet. Schwarz-Weiß wird auch hin und wieder bei Rückblenden verwendet, wie zum Beispiel in der Kapellenszene aus „Kill Bill – Volume 2“ (2004). In Robert Rodriguez‘ „Sin City“ (2005) wird das Schwarz-Weiß-Element durch bestimmte Farbfacetten unterbrochen. Jüngstes Beispiel für den Erfolg von Schwarz-Weiß-Filmen ist der französische Movie „The Artist“ (2011). Die Hommage an das Stummfilmkino wurde mit fünf Oscars ausgezeichnet.

Für viele Filmemacher hat sich der Effekt ausbezahlt, deshalb möchten wir auch in Zukunft „Schwarz-Weiß“ als Stilmittel nicht missen.

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