30 Tage, 30 Nächte ohne …

Susanne Wehinger

Ein Beitrag von:
Susanne Wehinger, Designerin, www.van-art.at
Foto: Edi Vatansever

… Weizen, Milchprodukte und Nüsse

Früher wurde man schon schief angesehen, wenn man sich als Bio-Konsument outete, heute ist alles Bio: Milch, Burger, Gesichtscrémes … Heute kaufen wir Produkte, die besonders gut für Körper, Geist, Seele und das Gewissen sind und entfernen uns immer bewusster von den Werbelügen hin zu einer tatsächlich gesunden Methode, um mehr Vitalität zu erhalten. Doch es geht noch strenger!

Zuerst einmal die Frage: Wie bin ich auf diese Idee gekommen? Das ist recht einfach: durch Mundpropaganda. Meine Schwester und meine Mutter haben dasselbe Projekt bereits hinter sich und sind sehr zufrieden, woraufhin ich mich ebenfalls dazu entschlossen habe, zu verzichten.

Nachdem ich mich bei einer Heilpraktikerin in Deutschland austesten ließ, erhielt ich das Ergebnis: kein Milcheiweiß von Kuh, Schaf und Ziege, kein Weizen, kein Roggen, weder Apfel noch Pfirsich sind erlaubt, außerdem darf ich keine Erd- und Haselnüsse essen – 30 Tage lang. Puh. Nach 15 Minuten Jammern kam ich wieder zu Sinnen und dachte mich an Menschen, die nicht einmal das Privileg haben, sich ihre Nahrung auszusuchen! Also auf, Susanne – auf in ein neues Leben! Äh … Monat.

Versprochen wurden mir folgende Ergebnisse: keine rinnende Nase mehr (und die habe ich immerhin schon mein ganzes Leben – Sommer wie Winter), keine regelmäßige Einnahme von Asthmasprays und – für manche vielleicht am wichtigsten – Gewichtsabnahme (kann ja auch nicht schaden). Das Beste daran: Ich muss nicht mein ganzes Leben darauf verzichten – nein! – nur 30 Tage. Ich bin gespannt.

apfelNun hieß es zu aller Erst „Reste-essen“: Alle Lebensmittel, die Spuren von den mir verbotenen Lebensmitteln enthalten, wurden verkocht, verschenkt oder eingefroren. Das heißt – so gut wie alles. Ich durfte mich noch 7 Tage darauf einstellen – physisch wie psychisch. Zuerst folgte ein Einkauf im wunderbaren Naturkost-Laden von nebenan. Wer hätte das gedacht? Es gibt so viele tolle Naturkostläden in der Nähe, aber genutzt wurden sie von mir noch nie. Es sind immense Unterschiede! Die Mitarbeiter sind freundlicher, hilfreicher und fröhlicher. Die Regale sind nicht übersäht mit einer Auswahl, die das menschliche Auge gar nicht mehr wahrnehmen kann. Alles ist schön sortiert – es gibt was es gibt und das ist mehr als nur genug!

Ich verbrachte mehr Zeit im Naturkost-Laden als je zuvor in einem anderen, denn ich musste überall das „Kleingedruckte“ lesen. Ich konnte kaum glauben wie viele Spuren von Nüssen, Weizen, Milch etc. in den Lebensmitteln zu finden sind. Ich bin ja der Meinung, dass nicht mal Columbo so viele Spuren gelesen hat wie ich in den letzten Tagen. Ich frage mich, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Nuss unbeabsichtigt in ein Produkt gelangt nur weil zuvor auf demselben Produktionsband eine Nuss-Schokoladensorte produziert wurde? Oder handelt es sich hierbei einfach um eine gesetzliche Absicherung der Hersteller? Für Allergiker ist die pauschale Kennzeichnung eine unnötige Einschränkung beim Einkauf. Gott sei Dank handelt es sich bei mir nicht um eine Allergie, sondern um eine Unverträglichkeit, was ein großer Unterschied macht.

Morgen startet mein erster Tag. Mal sehen, was ich euch in den nächsten 4 Wochen zu berichten habe.

Kommentar verfassen