If you wanna see it, ask your Mama. Grindhouse – Teil 1

Grindhouse ist ein Kino, das keine Mainstream-Hollywoodfilme zeigt, sondern Billigproduktionen (B-Movies oder gar Exploitationfilme).

Exploitation-Filme haben nicht das Budget, um große Stars zu engagieren, die die Zuschauer in die Kinos locken. Deswegen müssen diese Film mit anderen Themen punkten, um für den Zuschauer interessant zu sein. Diese waren hauptsächlich Gewalt und Sex. Man sah in diesen Kinos Filme, die sich Hollywood nicht zu produzieren traute.

Grindhouse ermöglichte es auch ethnischen Minderheiten ihre Filme zu zeigen. Es wurden demnach viele Blaxploitation-Filme (Black Community) gedreht. Rassismus war zu dieser Zeit allgegenwärtig und auch in Hollywood wurden dunkelhäutige Menschen nicht gerade bevorzugt behandelt. Meist wurden sie nur in Nebenrollen, oder als Schurken besetzt. Blaxploitation-Filme wurden von Dunkelhäutigen gedreht, in denen sie auch die Hauptrollen spielten.
Bekanntestes Beispiel – Shaft. Im Trailer wird mit dem Slogan geworben: »Shaft – hotter than Bond, cooler than Bullit. Rated „R“. If you wanna see it, ask your Mama.«
Dasselbe gilt für mexikanische, also Mexploitation-Filme. Beliebt waren außerdem Drugsploitation und Motorradgangfilme.

Doppelverstellung & fehlende Szenen

Diese Kinos waren ein Phänomen im Amerika der 30er – 80er Jahre. Erst als auch im Mainstream-Hollywood das Thema »Gewalt« die Zuseher in die Kinos lockte, verschwanden diese Filme und damit auch die Grindhouse-Kinos. Eine weitere Besonderheit der  Grindhouse-Filme war, dass diese oft als Doppelvorstellungen zu sehen waren. Man konnte also für ein Kinoticket, gleich zwei Filme hintereinander sehen.

Heute werden bei einem Kinofilm tausende Filmkopien produziert und an die verschiedenenen Kinos übergeben. Von Grindhouse-Streifen gab es im Normalfall fünf Kopien, was zur Folge hatte, dass ein Film nicht zeitgleich in mehreren Staaten lief. Das Zelluloid wurde zum Beispiel zuerst in Los Angeles in den Projektor gespannt und danach in Richtung San Francisco weitergegeben. Dadurch wurden die Filmrollen beschädigt oder verschmutzt, wodurch die typischen Kratzer auf den Filmen entstanden. Manchmal fehlten ganze Szenen komplett. Dies waren vor allem Sexszenen, weil die Filmvorführer sie aus dem Film herausschnitten und die Filmschnipsel mit nach Hause nahmen.

Um den Film besser verkaufen zu können, wurden Filmplakate entworfen, denen der Film nicht im Ansatz gerecht werden konnte. Frei nach dem Motto »Der Film wird zwar keine Zuschauer in die Kinos locken, das Plakat aber schon.« Oft wurde zuerst ein reißerisches Plakat entworfen und auf dieser Basis dann der eigentliche Film aufgebaut. Dasselbe gilt für die Filmtitel.

Was Grindhouse besonders macht ist es, dass man nicht weiß, was einen erwartet. Der Kreativität und den absurden Ideen sind keine Grenzen gesetzt – Absonderlichkeiten wie Zombie-Nazis sind keine
Ausnahme!

Tarantino & Rodriguez

2007 erlebte Grindhouse ein Revival. Quentin Tarantino lud seinen guten Freund Robert Rodriguez in sein Privatkino ein, um ein Grindhousefilme Double-Feature zu zeigen, wie üblich mit Trailern und allem drum und dran. Rodriguez schlug vor, ebenfalls ein Grindhouse-Double-Feature zur drehen. Er selbst würde bei dem ersten und Tarantino bei dem zweiten Film die Regie führen. Passend dazu sollten fiktive Trailer gedreht werden. Bei diesen Trailern sollten dann jeweils andere Regisseure das Kommando übernehmen.

Rodriguez drehte den Zombie-Film Planet Terror und Tarantino den Slasher-Movie Death Proof. In Amerika liefen wie geplant beide Streifen hintereinander. Da viele Besucher nicht wussten, dass es sich bei Grindhouse um ein Double-Feature handelte, verließ der Großteil das Kino, ohne Death Proof überhaupt gesehen zu haben.
Das Grindhouse-Projekt blieb von den Einspielergebnissen weit hinter den Erwartungen zurück. Deswegen entschlossen sich die Produzenten die Filme in Europa einzeln zu zeigen. Dazu wurden geschnittene Szenen wieder eingefügt, sodass beide Filme ca. 20 Minuten länger waren, als ursprünglich geplant. Auch die fiktiven Trailer wurden entfernt, mit der Ausnahme von Machete, der vor Planet Terror lief.

Erst später wurde auf DVD und Blu-Ray die ursprüngliche Grindhouse-Version als Double-Feature veröffentlicht. Und auch hier war man konsequent, es ist nicht möglich zwischen den beiden Filmen auszuwählen. Möchte man nur »Death Proof« ansehen, muss über das Kapitelmenü dorthin navigiert werden. Der Film beginnt mit einem alten Altersbeschränkungshinweis, der direkt aus Tarantino’s Filmesammlung stammt.

Planet Terror

Auch bei Planet Terror wird mit Klischees gespielt. Der Titel allein soll schon darstellen, dass zuviel versprochen wird. Planet Terror ist nicht irgendein Planet, sondern ganz einfach die Erde.
Wie bereits beschrieben, konnten sich die damaligen Grindhouse-Produktionen keine großen Stars leisten, weshalb sie eine reißerische Idee brauchten, um den Film zu verkaufen. In diesem Fall wird die  Hauptprotagonistin mit einem Maschinengewehr als Beinprothese ausgerüstet, um das Genre entsprechend zu ehren. Natürlich sind in Robert Rodriguez Grindhouse-Homage einige Stars an Bord, wie etwa Bruce Willis, Rose McGowan oder Quentin Tarantino in einem Kurzauftritt.

In Planet Terror findet man auch einen Hinweis auf den darauf folgenden Film Death Proof. So wird im Radio vom Tod der Moderatorin Jungle Julia berichtet. Nach dem Ende von Planet Terror folgen wieder einige fiktive Trailer.

Death Proof

Bei den Grindhouse Doublefeatures war es üblich, dass beide Filme aus denselben Genres kamen, in diesem Fall des Horrorfilms. Allerdings handelte es sich meistens um unterschiedliche Subgenres. Planet Terror ist ein Monster-Horrorfilm, Death Proof hingegen ein Slasher-film, bei dem der Mörder anstatt eines Messers, ein Auto verwendet.

Kurt Russel übernimmt in Death Proof die Rolle des Killer. Seine Figur ist Stuntman und erwähnt in einer Szene, dass heute fast alle Autocrashs nur noch mit CGI (computeranimierte Effekte) gedreht werden. Diese leht Tarantino wehement ab. Laut eigener Aussage habe er, seit Terminator II, keine guten Verfolgungsjagden mehr gesehen. Deshalb sind alle Unfälle und Verfolgungsjagden in Death Proof echt. Die Schauspieler fuhren tatsächlich mit 110 bis 160 km/h durch die Straßen, was wahrscheinlich auch der Grund war, warum eine der Hauptrollen mit der Stuntfrau Zoe Bell besetzt wurde.

Machete

Machete ist der erste fiktive Trailer der im Doublefeature gezeigt wird. Danny Trejo ist Star dieses Mexploitationfilms. Rodriguez meinte, dass wenn Danny Trejo nach Desperado ein mexikanischer Actionheld geworden wäre, er vermutlich in so einem Film mitgespielt hätte. Tatsächlich hat Rodriguez einen Teil des Drehbuchs für Machete kurz nach den Dreharbeiten zu Desperado geschrieben, die Idee dann allerdings zur Seite gelegt.

Die Handlung ist simpel – Machete wird in eine Falle gelockt und nimmt Rache. Der Name der Figur stammt aus dem Film Spy Kids, ebenfalls von Robert Rodriguez, den Danny Trejo verkörpert. Außerdem ist Machete eine Anspielung auf den Film Desperado, indem Trejo einen Attentäter spielt, der seine Ziele mit Wurfmessern zur Strecke bringt. Der Trailer kam beim Publikum so gut an, dass dieser tatsächlich verfilmt wurde. Zu den Darstellern gehören Danny Trejo, Robert DeNiro, Lindsay Lohan, Don Johnson, Jessica Alba, Michelle Rodriguez und Steven Seagal.

Im Film sind viele Fehler eingebaut, um das Gefühl einer Low-Budget-Produktion zu vermitteln. So werden auch ganz bewusst mit einem Revolver, dessen Magazin sechs Patronen fasst, sieben Schüsse abgefeuert. In der Szene in der Tom Savini seinen Finger verliert, biegt er ihn einfach so ab, dass es aussieht, als ob er fehlen würde. In einem bestimmten Winkel kann man dies allerdings erkennen.

Die Forsetzung Machete Kills ist bereits abgedreht und der dritte Teil Machete Kills Again …in Space! wurde angekündigt.

Black Dynamite

Michel Jai White schrieb das Drehbuch und ist Hauptdarsteller. White hatte die Idee zu dem Film schon vor ein paar Jahren, hat sich dann im Black Dynamite-Outfit fotografieren lassen, den Trailer dazu gedreht und ist damit zu verschiedenen Filmstudios gegangen und konnte schließlich das Projekt finanzieren. Ein Drehbuch gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Würde man es nicht besser wissen, könnte man wirklich meinen, dass der Film in den 70ern gedreht wurde. Das Bild ist grobkörnig und auf alt gemacht. Die Musik und auch die Kameraführung wirken authentisch. Es handelt sich um einen Blaxploitation-Film mit Kung-Fu-Elementen. Die Handlung könnte direkt aus einem Steven Seagal-Film stammen, die immer mit folgender Phrase beginnen: »Der Ex-CIA-Agent …«. Mehr muss zur Handlung nicht gesagt werden. Auch hier wurden wieder bewusst Filmfehler eingebaut – jedoch mehr als Gag, wie z.B. ein Mikrofon das von oben ins Bild ragt und Black Dynamite nach oben schauen lässt oder ein Schauspieler wird äußerst auffällig durch seinen Stuntman ersetzt.

Das waren die kürzlich entstandenen Grindhouse-Projekte die sich nicht über mangelndes Budget beklagen dürften. In Teil 2 widmen wir uns einigen Klassikern des Genre.

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