„Ich versuche tatsächlich, alle gleich schlecht zu behandeln.“

Dr. Armin Wolf ist genauso, wie ich ihn mir vorgestellt hatte: locker, gut drauf und witzig. Sein Vortrag über die „Neue Medienwelt: Wie Social Media Kommunikation, Konsum und Kunden verändert“ in der Otten Gravour Hohenems, veranstaltet von der Jungen Wirtschaft Vorarlberg, hätte gerne noch ein Stündchen länger sein können.

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Das veränderte Medienkonsumverhalten

Zu Beginn erklärt er, dass er sich sehr geehrt fühlt, als gebürtiger Tiroler nach Vorarlberg geladen worden zu sein, wo es doch so viele kompetente ORF-Journalisten aus Vorarlberg gibt. Dann zeigt er ein Foto, auf dem er und ein Freund zu sehen sind, als sie vor 27 Jahren gemeinsam ein wochenendlanges Seminar zum Thema „Wie macht man eine Schülerzeitung richtig“ gehalten haben.

Der ZIB 2-Moderator stellt in seiner gut gemachten Bildschirm-Präsenation viele Studien vor, so erfahren wir zum Beispiel, dass jeder einzelne von uns durchschnittlich 583 Minuten pro Tag (!) mit Medienkonsum verbringt. Das muss nicht unbedingt aktiv sein, Radio als Hintergrundgeräusch im Auto zählt auch dazu. 2005 war die Zahl noch etwas höher (600 Minuten), seitdem hält sich der tägliche Medienkonsum pro Österreicher konstant. „Mehr als 10 h pro Tag wäre wohl eine Überlastung.“

Dass der ORF im Jahr 1985 noch 2.570.000 Zuseher pro ZIB-Sendung (Marktanteil von 99,9%) hatte und heute nur noch 1.014.000 Zuseher (50% Marktanteil) ist seiner Meinung nach leicht erklärt: Früher musste man noch extra aufstehen um einen anderen Sender einzuschalten, der andere Sender war FS2. Mehr Sender gab es noch nicht. Zumindest war das im Rest von Österreich so – Vorarlberg empfing damals auch schon dt. und Schweizer Sender.

The Three Screen Generation

Für die Generation, der ich auch angehöre, gibt es viele Bezeichnungen: Three Screen Generation (Computer, TV, Handy), Generation C (=Connected) und Digital Natives (dt.: digitale Eingeborene). Der letzte Begriff von Marc Prensky leuchtet besonders ein: Alle, die ab 1980 geboren sind, sind mit digitalen Technologien wie Computern, dem Internet, Mobiltelefonen und MP3-Player groß geworden. Als Gegensatz existiert der Begriff des Digital Immigrant (dt.: digitaler Einwanderer“) für jemanden, der diese Dinge erst im Erwachsenenalter kennengelernt hat.

Die am größte wachsende Nutzergruppe von Facebook ist über 60. Auch dafür hat Herr Wolf eine logische Erklärung: Die unter 30jährigen sind schon alle auf Facebook! Und nach der Saalumfrage (ca. 400 Personen) steht fest, dass er Recht hat, bis auf ein paar Ausnahmen haben alle Unter-30-Vortragsbesucher einen Facebook-Account. 2013 gibt es ungefähr 3.000.000 Facebook-Nutzer in Österreich – 2010 waren es „nur“ 1.500.000 österreichische User.

Und was interessiert unsere Generation im Internet? Es muss unterhaltsam oder nützlich sein oder zumindest von einem Freund empfohlen worden sein. Das wirkt sich auch auf unser Konsumverhalten aus: Wir kaufen zu 92 % ein Produkt aufgrund von Empfehlungen. So sind die Kundenbewertungen zum Beispiel eines der wichtigsten Instrumente auf Amazon.

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Die goldenen Social Media-Regeln

1. Zuerst denken, dann tippen.
2. Tu nichts Dummes.

Mit diesen beiden Regeln lebt Armin Wolf bisher sehr gut in der sozialen Medienwelt. Sein vorrangiges Social Media-Tool ist Twitter – dort hat er auch österreichweit mit 76.750 Follower mit Abstand die meisten, doch auch auf Facebook ist er mit über 108.000 Likes sehr gefragt. Ich selbst bin seit ca. einem Jahr Fan seiner Facebook-Seite und genieße seine offenen, kritischen aber auch lustigen Posts.

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Sein Referat lockert Armin Wolf immer wieder durch kleine Anekdoten aus sozialen Netzwerken auf. So erzählt er von einer missglückten Facebook-Aktion: Pril rief seine Facebook-Fans dazu auf, ein Etikett für eine Pril-Flasche zu gestalten – die mit den meisten Likes würde anschließend tatsächlich gedruckt werden. Leider hatte die Marketing-Abteilung von Pril nicht mit Einsendungen von Trollen gerechnet. So bekam ein Etikett mit der Aufschrift „Pril schmeckt lecker nach Hähnchen“ die meisten Likes. Anstatt irgendwie geschickt einen Gag daraus zu machen und somit Sinn für Humor zu beweisen, geriet Pril in einen Shitstorm, weil sie ihr Versprechen nicht hielten. Weiters erwähnte er noch eine niederösterreichische Namenswahl für eine Brücke (Sieger: Chuck Norris-Brücke) und einen schwäbischen Tunnel (Siegervorschlag: Bud Spencer-Tunnel).

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Nach seinem spannenden Vortrag gibt es noch eine Podiumsdiskussion. Die Fragen der Moderatoren wirken leider etwas einstudiert, denn zum Teil muss Armin Wolf fragen beantworten, die nach seinem Vortrag nicht mehr offen sein dürften. Als er von einem Zuhörer aus dem Publikum gefragt wird, ob er in seinem Tweets bewusst öfter auf die FPÖ und speziell auf Herrn Strache eingeht, meint er, dass er schon versucht, „zu allen gleich unfreundlich zu sein“. Aber es gäbe eigentlich keine andere Partei, die sich so oft Aussagen leistet, die er twittern möchte. Und zitiert aus einer aktuellen Presseaussendung: „Einmal mehr bestätige sich der Volksmund: ‚Trau keinem Schwarzen.'“ Gemeint war der ÖVP-Klubobmann Kopf, der laut Strache in Bezug auf das Sepkulationsverbot gelogen hat.

Zur Person

Armin Wolf (* 19. August 1966 in Innsbruck) ist ein österreichischer Journalist und Fernsehmoderator. Der gebürtige Tiroler absolvierte in Innsbruck eine kaufmännische Ausbildung an einer Handelsakademie. Nach der Matura im Jahr 1985 fing er im Tiroler Landesstudio des ORF als freier Mitarbeiter in der Hörfunk-Redaktion an. 1988 wechselte er zu Ö1, 1995 begann er seine Fernsehkarriere als ZiB 2-Redakteur, von 1998 bis 2001 war er Redaktionsleiter der ZiB 3, die er mitentwickelt hat. Sein nebenberufliches Politikwissenschaft-Sudium (er kombinierte Soziologie, Pädagogik, Medienkunde und Zeitgeschichte als Nebenfächer) beendete Armin Wolf im Jahr 2000 an der Uni Wien mit einer Magisterarbeit über die mediale Inszenierung von Politik. 2005 promovierte er an der Universität Innsbruck mit einer Dissertation über prominente Quereinsteiger in der Politik, die unter dem Titel Image-Politik veröffentlicht wurde. 2010 beendete er während einer neunmonatigen Bildungskarenz ein Executive-MBA-Studium an der Berlin School of Creative Leadership mit einer Arbeit über junge Publika und politische Information.

Im Vortrag gibt er zu, rein gar nichts, aber auch wirklich überhaupt nichts mit Sport am Hut zu haben. Deshalb nutzt er auch – aber nicht nur zu sportlichen Themen – Twitter häufig als Inspirationsquelle. Dort bittet er seine Followern um Hilfe und gestaltet manche Interviews nur mit Fragen der Twitter-Community. Der Moderator der vor allem für seine Live-Interviews bekannt ist, liest vor jeder Nachrichten-Moderation noch die aktuellsten Tweets und beendet so gut wie jede ZIB 2-Sendung mit einer Pointe.

Armin Wolf beim Planking

Wolf wurde schon zahlreich für seine Arbeit geehrt. Die Auszeichnung „Kommunikator des Jahres“ geht 2012 an ORF-Journalisten Armin Wolf. „Der ZiB 2-Moderator und stellvertretender Chefredakteur im ORF schafft eine Brücke zwischen traditionellem Journalismus und den Neuen Medien/Social Media. Durch seine kritischen Interviews sowie sein öffentliches Eintreten für die Unabhängigkeit der Medien inspiriert er eine neue Generation von JournalistInnen“, heißt es in der Begrüdung der Jury. Für seine Präsenz auf der Social-Media-Plattform Twitter bekam Wolf 2012 eine Auszeichnung als „Onliner des Jahres“.

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