„Wir möchten kein anonymes Gemüse für anonyme Menschen produzieren!“

Schweinderl vom Vetterhof

Der Vetterhof – Vorreiter in der Biolandwirtschaft

Die Familie Vetter bewirtschaftet schon seit über 300 Jahren Lustenauer Boden. Als die damals 12 jährige Renate (die älteste Schwester von Hubert) jedes Mal brennende Ausschläge bekam, wenn sie ihre heiß geliebten – gespritzten – Erdbeeren aus dem eigenen Garten aß, schlugen Alfons und Mathilde Vetter, die Eltern von Hubert Vetter, in den 70ern einen alternativen Weg der Landwirtschaft ein. So wurde der Vetterhof in Westösterreich Vorreiter im Biolandbau. Seit dem Jahre 1987 ist der Bauernhof ein anerkannter Biobetrieb und wirtschaftet nach den Richtlinien des Verbandes „Bio Austria“.

Intensive Landwirtschaft bringt große Risiken für Umwelt und Mensch mit sich, Beispiele sind der hohe Rückgang der Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen, die Belastung der Lebensmittel mit Schadstoffen, erhöhte Nitratgehalte im Trinkwasser und zunehmende Bodenerosion. Diesen Entwicklungen steht die biologische Landwirtschaft mit ihrer naturnahen Produktionsweise als Alternative gegenüber. Dabei werden die Natur geschont und besonders hochwertige Lebensmittel erhalten.

Doch Nachhaltigkeit endet nicht am Hof! Deshalb hat sich die Familie Vetter entschieden, die Gemüsekiste ab Mai 2013 selbst zu vertreiben – um durch den direkten Kundenkontakt einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Wir haben mit dem Juniorchef, Simon Vetter, über die Motivation seiner Familie, modernes Marketing und die Gemüsekiste gesprochen.

Kleewiese Vetterhof

Hallo Simon. Wie geht es dir?
Gut! Danke der Nachfrage. Jetzt, da endlich der Frühling durchstartet, können wir auch auf unseren Feldern loslegen und unserer Lieblingsbeschäftigung nachgehen: die Produktion hochwertigster Lebensmittel.

Euer Hof hat seit November 2012 eine Website im Blog-Stil. Und seit gut einem Jahr seid ihr auf Facebook vertreten: Gratulation, ihr macht das hervorragend! Wer von euch kümmert sich um die Befüllung?
Vielen Dank für die Blumen! Ich mache das mit Unterstützung meiner fünf kreativen Geschwister. Es macht uns Spaß und Freude, die Menschen über unser Hofleben auf dem Laufenden zu halten und manchmal vielleicht auch – ohne erhobenen Zeigefinger – aktuelle Probleme in der Landwirtschaft aufzuzeigen. Es freut uns natürlich sehr, wenn uns das zusätzlich in unterhaltender Weise gelingt.

Ja, so war zum Beispiel der Brief von Meister Lampe, den ihr zu Ostern gepostet habt, köstlich. Woher nehmt ihr die Ideen für solch kreatives Marketing?
Hier müssen wir Dich leider enttäuschen. Dieser Brief ist nicht „auf unserem Mist gewachsen“ und wir wollen uns auch nicht „mit fremden Federn schmücken“ – dafür zeichnet allein der Osterhase verantwortlich, dem wir an dieser Stelle herzlich für seine netten Zeilen danken möchten.

Ab April kann man die Gemüsekiste direkt bei euch bestellen. Warum habt ihr eure Zusammenarbeit mit der Ländle Gemüsekiste beendet?
Es war uns nicht mehr möglich, den direkten Kundenkontakt so zu pflegen, wie wir das für richtig und wichtig halten. Wir möchten kein anonymes Gemüse für anonyme Menschen produzieren, deshalb nehmen wir den Vertrieb wieder selber in die Hand. Wir möchten wissen, für wen wir um 05:30 Uhr am Feld draußen stehen und frisches Gemüse ernten. An kalten verregneten Tagen braucht man diese Form der Motivation.

Wie könnt ihr garantieren, dass das gelieferte Gemüse ausschließlich von eurem Hof kommt, wenn zum Beispiel Meister Lampe euren Lauch anknabbert oder die Nachfrage größer ist als erwartet?
Alles Gemüse, das man in der Gemüsekiste findet, kommt grundsätzlich von unserem Hof. Manchmal kommt es vor, dass eine Kultur nicht so wächst, wie wir uns das erhofft haben. Dann beziehen wir diese von anderen Biobetrieben aus der Region. Weil wir aber schon etwas von unserem Handwerk verstehen und das Wetter meist auf unserer Seite haben, kommt das sehr, sehr selten vor.

Wodurch unterscheidet sich euer Angebot vom Gemüse aus der Supermarkt-Bioabteilung?
Durch Regionalität, Frische, Vielfalt, Saisonalität und Transparenz. Unsere Tomaten zB werden direkt bei uns am Hof angebaut und zwar dann, wenn sie Saison haben. Weil wir Tomaten so gerne haben, gibt’s bei uns nicht die üblichen 2-3, sondern 35 verschiedene Sorten. Davon kann sich jeder Kunde gerne selber ein Bild machen. Interessierten KundInnen zeigen wir gerne unsere Felder und Ställe.

Gemueseanbau am Vetterhof

Eine Freundin von mir hasst Rote Beete – könnt ihr bei der Befüllung der Gemüsekiste auf persönliche Vorlieben Rücksicht nehmen?
Der Inhalt der Gemüsekiste wird nicht nur von uns bestimmt, sondern ist stark von der Vegetation und der Witterung vorgegeben. Bei uns kommt nur das, was gerade Saison hat, in die Kiste. Wenn jemand etwas einmal überhaupt nicht mag, kann er es doch einfach Nachbarn, Freunden oder Arbeitskollegen schenken. Wenn wir beim Kistenpacken keine „Extrawürste“ berücksichtigen müssen, können wir auch einen guten Preis ermöglichen.

Liefert ihr auf Anfrage auch andere Produkte mit? Eier oder Fleisch zum Beispiel.
Wir bieten auch Fleisch von unseren Rindern, Hühnern und Schweinen an. Das gibt es allerdings nur bei uns im Hofladen. Viele Kunden wollen sehen, wie die Tiere bei uns gehalten werden und uns ist es ein Anliegen, unseren Kunden auch die lebenden Tiere zu zeigen. Nur so entwickelt sich ein Bewusstsein für den Wert der Produkte.

Vetterhof-Kuh

Kann man mit der Gemüsekiste pausieren, wenn man auf Urlaub ist oder im Sommer Gemüse aus dem eigenen Garten konsumiert?
Natürlich, man kann die Kiste ganz bequem formlos und auch kurzfristig vorübergehend abbestellen. Noch einfacher ist es allerdings, man schenkt sie einfach dem netten jungen Herrn, der während des Urlaubs auf die Blumen Acht gibt oder der Frau Nachbarin, die die Katze füttert. Die freuen sich ganz bestimmt darüber und wir können auch besser planen, wie viel Gemüse wir anbauen müssen.

Ihr arbeitet aktuell an einem Kochbuch. Kann man euch Rezepte zuschicken?
An einem Kochbuch im eigentlichen Sinne arbeiten wir derzeit noch nicht, allerdings an einer Online-Rezeptesammlung. Außerdem werden wir den Kisten jeweils zwei passende Rezepte in Papierform beilegen, aus denen unsere KundInnen dann natürlich gerne ein Kochbuch basteln können. Es wäre supertoll, wenn ihr uns dabei mit eurer Kreativität und Kochkunst unterstützen wollt!

Man spürt bei euch ganz deutlich, dass ihr es mit dem biologischem Anbau sehr ernst nehmt und nicht nur einem Trend nachjagt. Woher kommt diese tiefe Überzeugung?
Ich bin damit aufgewachsen und kann es mir anders eigentlich gar nicht vorstellen. Meine Eltern haben unseren Betrieb schon vor fast 30 Jahren auf Bio umgestellt. Damals galten Biobauern noch als richtige Freaks und wurden zum Teil auch angefeindet und belächelt. Das hat sich glücklicherweise geändert.

Regenwurm am Vetterhof

Legt man euch von öffentlicher Seite her Steine in den Weg oder fühlt ihr euch von Bund, Land und EU gut unterstützt?
Die aktuelle Agrarpolitik ist meiner Meinung nach ein geistiges Relikt aus den 80er Jahren. Das sieht man zB an den Prinzipien, nach denen im landwirtschaftlichen Bereich öffentliche Gelder verteilt werden. In der öffentlichen Diskussion wird das Bild vom zweifelsohne hart arbeitenden Bergbauern gezeichnet – in der Realität jedoch landet ein Großteil der Fördermittel bei Herstellern von Energy-Drinks.

Herzlichen Dank für das Interview! Viel Erfolg für die Zukunft!
Vielen Dank auch von unserer Seite für euer Interesse an unserem Betrieb. Das wachsende Interesse der Bevölkerung an unserer Art Landwirtschaft zu betreiben, stärkt uns den Rücken und lässt uns positiv in die Zukunft blicken.

 

Weiterführende Links
Vetterhof-Website: www.vetterhof.at
Vetterhof auf Facebook: www.facebook.com/vetterhof

Kommentar verfassen