Nichts für Kinder …

Die Modernisierung von Kinderbüchern

„Bücher, die Kindern vorgelesen werden, müssen zeitgemäß sein.“, „Kinder sollten solche Wörter nicht zu hören bekommen.“, „Diese Wörter sollten aus dem modernen Sprachgebrauch verschwinden.“

Diese und andere Aussagen hört und liest man in letzter Zeit des Öfteren. Bestimmte, veraltete Wörter sollen aus Kinderbüchern gestrichen werden und durch zeitgemäße Terminologie ersetzt werden. Doch wie zeitgemäß ist das wirklich und wie wirkt sich das vor allem auch auf die Geschichte der Bücher aus?

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Auslöser dieser Debatte war der Kinderbuchklassiker Die kleine Hexe von Otfried Preußler. U.a. findet man in diesem Werk das Wort „Negerlein“, welches Kindern nicht vorgelesen werden sollte. Auch bei Astrid Lindgrens Pipi Langstrumpf verwandelt sich deren Vater von einem „Negerkönig“ zu einem „Südseekönig“. Ein weiteres viel diskutiertes Wort ist „wichsen“, was früher „Schuhe putzen“, „Kinder schlagen“ oder „werfen“ bedeutete. Heute wird dieser Ausdruck hauptsächlich mit Sexualität in Verbindung gebracht und ist somit nichts für kleine Kinderohren.

Ist es heute aber noch zeitgemäß Kinder zu schlagen, auch wenn man es nicht mit „wichsen“ bezeichnet? Muss die Geschichte so weit umgeschrieben werden, dass die Kinder nicht mehr geschlagen werden, sondern dass man gemeinsam bespricht, was sie nun falsch gemacht haben, mehrere Lösungsvorschläge erarbeitet und schlussendlich gemeinsam entscheidet, wie es weiter gehen soll?

Natürlich wird eine Geschichte durch den Austausch eines einzelnen Wortes nicht komplett verändert. Aber lernen Kinder so die vielfach angestrebte „Political Correctness“? Sollte man Kindern nicht erklären, warum man früher „Neger“ verwendete und heute nicht mehr? Wissen Kinder gleich, dass sie dieses Wort eher vermeiden sollten, wenn sie es woanders hören?

Zehn kleine Negerlein, Quelle: lyrikheute.com

Meiner Meinung nach ist es in Ordnung, wenn man einzelne, kritische Begriffe austauscht oder streicht. Es sollte dann allerdings bedacht werden, Kindern zu einem anderen Zeitpunkt darüber aufzuklären, wie die Entwicklung eines solchen Ausdruckes war. Es gibt ja schließlich einen Grund, warum man die Bezeichnung „Neger“ nicht mehr verwenden soll.

Ungeheuer wichtig finde ich allerdings, dass man diese Überarbeitung nicht übertreibt und ganze Bücher umschreibt, nur weil sie nicht modern genug sind. Kinder wurden früher in der Schule geschlagen und schwarze Menschen wurden als Sklaven gehalten. Es ist durchaus sinnvoll und auch sehr wichtig, dass Kindern dies altersgerecht und richtig erklärt wird. Die Welt hat sich weiterentwickelt, diese Bücher stammen allerdings aus einer anderen Zeit und gehören zur Geschichte. Dies sollte den Kindern unbedingt vermittelt werden.

Hänsel und Gretel

Erziehungsberechtigte können und müssen selbst entscheiden, welche Geschichten sie ihrem Kind zumuten wollen und welche nicht. Eine kannibalistische Hexe wie in Hänsel und Gretel kann eventuell genauso viel oder wenig Schaden anrichten, wie ein „Negerkönig“ im Kongo. Man muss es der nächsten Generation nur richtig erklären.

Fotoquellen: Kleine Hexe – thienemann-verlag, Zehn kleine Negerlein – lyrikheute.com, alle anderen – unbekannt

  • Cornelia Bachträgl sagt:

    Sogar wir haben das Wort „wixen“ als Kinder noch anders verwendet als heute: „Do hots iam vull umigwixt!“ :)

    Meiner Meinung nach sollten Kinderbücher so bleiben, wie sie ursprünglich geschrieben wurden. Man kann Eltern nicht jegliche Erziehungsarbeit abnehmen – so muss man sich innerhalb der Familie zwar mit unangenehmen Themen, aber auch mit unserer (Vor-)Geschichte auseinander setzen.

    Wenn Bücher tatsächlich umgeschrieben werden, dann muss das sensibel gemacht und es darf zumindest nicht der Inhalt verändert werden. Wenn also aus „Nigger Jim“ der „Sklave Jim“ gemacht wird, ist das nur dann richtig, wenn es eine Rolle spielt, dass Jim ein Sklave war. Wird das Wort „Nigger“ aber so eingesetzt als ob man vom „Bauer Hans“ spricht, spielt Jims Hautfarbe meines Erachtens nach gar keine Rolle und sollte ersatzlos gestrichen werden.

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