Lukas Österle: „Es wäre schade, wenn aus Gsi-Bergern War-Berger werden!“

Rettet das Gsi

Einer aktuellen Umfrage zur Folge ist der Vorarlberger Dialekt ernsthaft in Gefahr. Das Bewusstsein dafür steigt zwar bei der jüngeren Generation wieder, trotzdem werden viele Wörter heutzutage einfach nicht mehr verwendet.

Eines der wichtigsten Wörter unserer Dialektes, das Gsi, wird im alltäglichen Sprachgebrauch tatsächlich immer seltener gesprochen. Man „war“ am Vortag eher weg, als dass man „furt gsi“ ist. Diesem Trend möchte das Ländle Magazin entgegen steuern und deshalb alle dazu aufrufen, der Facebook-Seite „Rettet das Gsi“ beizutreten.

Wir haben mit dem Dialekt-Experten MMag. Lukas Österle aus Wolfurt gesprochen. Der 27-Jährige hat gerade seine Diplomarbeit zu diesem Thema abgeschlossen und kann uns genau sagen, wie es um unseren Dialekt wirklich steht.

Mag. Lukas Österle

Im Interview: Mag. Lukas Österle,
Mag. phil. – Magister der Philosophie,
Studium der Germanistik,
Studium der Medienpädagogik

Hallo Lukas, vielen Dank, dass du dir für uns Zeit nimmst.
Sehr gerne. Um den Vorarlberger Dialekt zu retten, ist mir keine Minute zu schade!

Wie bist du auf die Idee gekommen, das Thema „Generationenvergleich in der dialektalen Lexik der Marktgemeinde Wolfurt“ als Inhalt deiner Diplomarbeit zu verwenden?
Der Vorarlberger Dialekt hat mich schon immer interessiert! Mir ist dann mehr und mehr aufgefallen, dass ich und andere Studenten und Schüler immer mehr eine Mischform zwischen Dialekt und Hochdeutsch sprechen. Diesem Phänomen wollte ich genauer nachgehen und so entschloss ich mich für dieses Thema.

Was hältst du allgemein vom Vorarlberger Dialekt? Ist es ein Nachteil, dass uns viele nicht verstehen, oder macht es uns zu etwas Besonderem, das wir uns behalten sollten?
Meiner Meinung nach macht es uns zu etwas Besonderem, vor allem innerhalb von Österreich. Die Sprache in der Schweiz und im deutschen Raum bis ins französische Elsaß ist ja teilweise sehr ähnlich. Allgemein ist der Vorarlberger Dialekt für uns aber identitätsstiftend und darf keinesfalls verloren gehen!

Unsere Sprache ist durch die vielen verschiedenen Dialekte und Einflüsse recht komplex. Wie bist du an das Thema herangegangen?
Da so eine Arbeit für ganz Vorarlberg den Rahmen einer Diplomarbeit sprengen würde, musste ich mich auf den Dialekt in Wolfurt beschränken. Dann habe ich mit Hilfe der „Heimat Wolfurt“ und durch Mundpropaganda 50 typische Lexeme (Anm. d. Red.: in diesem Fall „Begriffe“) herausgesucht und diese dann in Interviews mit Hilfe von Bildern abgefragt. Die allgemeine Einstellung der Wolfurter zum Dialekt habe ich mit zwölf Fragen in einem Fragebogen herausgefiltert.

Wie haben deine Interviewpartner auf deine Fragen reagiert? Ist den Wolfurtern bewusst, dass unser Dialekt etwas Besonderes ist?
Besonders die älteren Interviewpartner waren begeistert von der Thematik. Aber auch die mittlere Generation war gerne dabei und ist sich durchaus der Besonderheit des Dialektes bewusst, obwohl sie die Ausdrücke oft nicht mehr aktiv verwenden. Bei den jüngsten Teilnehmern musste ich teilweise etwas Überredenskunst aufbringen, aber am Ende waren auch sie gerne und mit Eifer bei der Sache dabei.

In deiner Arbeit schreibst du, dass viele Dialektwörter aussterben und von der jungen Generation nicht mehr verwendet werden. Warum ist das so? Könnte dies in weiterer Folge zu einem „Tod“ des Vorarlberger Dialektes führen?
Viele Lexeme sterben aus, weil das Ding an sich verschwindet – vor allem im Bereich der Landwirtschaft. Ein weiterer Grund für das Verschwinden ist auch, dass die mittlere Generation die Lexeme zwar kennt, diese jedoch nicht mehr aktiv verwendet, was es für die Jugendlichen unmöglich macht, diese Dialekt-Ausdrücke noch zu kennen.

Warum ist das Bewusstsein für den Dialekt bei unserer jüngsten Generation wieder gestiegen? Ist die Angst des „Aussterbens“ tatsächlich präsent?
Ich glaube nicht, dass es etwas mit Angst zu tun hat. Meiner Meinung nach sind sich die jungen Leute heute einfach wieder mehr bewusst, was wir an unserem Dialekt haben. Natürlich spielen auch die Social Networks und Smartphones eine tragende Rolle, da dabei meistens aufgrund der Kürze im Dialekt kommuniziert wird!

In deiner Arbeit schreibst du auch über den Sprachgebrauch an Schulen. Ist es deiner Meinung nach sinnvoll, dass man in der Schule Hochdeutsch lernt und spricht, oder sollte der Dialekt mehr gefördert werden?
Aus meiner Sicht wäre ein gesundes Mittelmaß perfekt. In der heutigen Berufswelt ist es sehr wichtig, dass die Hochsprache beherrscht wird. Man könnte aber zum Beispiel in Nebenfächern im Dialekt unterrichten und in den Hauptfächern auf Hochdeutsch. Dies würde dazu führen, dass Kinder und Jugendliche beides lernen.

Aufgrund deiner ersten Diplomarbeit mit dem Titel „Medienkompetenzvermittlung durch Online-Angebote für Kinder im Spannungsfeld von Theorie und Praxis“ bist du ja quasi ein Experte im Umgang mit unseren Jüngsten. Wie sollte Kindern der Dialekt nahe gebracht werden?
In erster Linie muss das Bewusstsein der Eltern für den Dialekt gesteigert werden. Denn nur so wird es den Kindern und Jugendlichen möglich sein, den Dialekt auch in Zukunft zu lernen und aktiv anzuwenden.

Der Trend des mehrsprachigen Aufziehens macht auch vor Familien in Vorarlberg nicht Halt. Wie wichtig ist es, dass Kindern auch der Dialekt beigebracht wird?
Ich bin der Meinung, dass sich Eltern nicht zu sehr darauf versteifen sollten, dem Kind mehrere Sprachen beizubringen. Wenn es sich aber einfach lösen lässt, ist es sicher kein Nachteil. Ich finde, dass jeder Vorarlberger den Dialekt beherrschen sollte, bevor er überhaupt mit der Hochsprache oder einer Fremdsprache in Verbindung kommt. Unser Dialekt gehört zu unserer Identität und das soll auch in Zukunft so bleiben. Darauf sollte, trotz möglicher zweisprachiger Erziehung, nicht vergessen werden.

Wie wir schon erwähnt haben, werden viele ältere Vorarlberger Begriffe nicht mehr so oft verwendet. Wie steht es mit unserem geliebten „Gsi“? Ist dieses tatsächlich in Gefahr oder übertreiben wir da?
Ich denke, dass das „Gsi“ schon in Gefahr ist. Obwohl es in den letzten Jahren gerade durch verschiedene Dialekt-Bands und –Veranstaltungen mit dem Bewusstsein für den Dialekt und somit auch für das „Gsi“ wieder aufwärts geht. Seit meiner Arbeit achte ich auch selbst wieder darauf, das „Gsi“ vermehrt zu verwenden und andere darauf hinzuweisen.

Auf unserer Facebook-Seite möchten wir so viele Vorarlberger wie möglich mobilisieren, an unserer Rettungsaktion teilzunehmen. Wirst du die Seite liken und warum sollten das auch andere tun?
Auf jeden Fall werde ich euch unterstützen, da ich es eine super Aktion von euch finde. Das „Gsi“ und der Dialekt gehören zu Vorarlberg und zu unserer Identität. Jedem Vorarlberger sollte viel am Dialekt liegen und somit sollte auch jeder eure Seite liken. Es wäre schade, wenn aus Gsi-Bergern War-Berger werden.

Vielen Dank für das Interview. 

 

Rettet auch du das Gsi!

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