Die Rettungsgasse: eine Sackgasse?

Der Stau vor dem Pfändertunnel gehört zu Bregenz wie die Mozartkugel zu Salzburg. Deshalb ist die Aufforderung, bei Stau eine Rettungsgasse zu bilden, durchaus sinnvoll.

Aber Hand aufs Herz: Wie ging es Ihnen, als Sie das erste Mal das Schild gesehen haben, dass ab 1.1.2012 die Rettungsgasse Pflicht wird? Ich hatte keine Ahnung, was das sein soll. Und verstand die Webadresse unter dem Schild als direkte Aufforderung während des Autofahrens das Handy in die Hand zu nehmen.

Unsere deutschen Nachbarn haben wohl den größten Vorteil von der Rettungsgasse. Mit dankbaren Mienen fahren sie an uns brav beiseite stehenden Bürgern vorbei und wundern sich über so viel Verständnis für ihre Eile. Natürlich sind es nicht ausschließlich Ausländer, die die Rettungsgasse als Nächstenliebe verstehen. Es gibt auch noch die Gattung der Businessmänner (und der Vollständigkeit zuliebe auch -frauen) und Proleten, die glauben, dass die Rettungsgasse ihr ganz persönlicher Autobahnstreifen sei.

Zwei Drittel finden Rettungsgasse sinnvoll

In einer aktuellen Umfrage gaben mehr als die Hälfte der Österreicher an, zumindest einmal in einer Situation gewesen zu sein, in der die Rettungsgasse gebildet werden musste. Und dabei haben 80 Prozent eine Behinderung durch andere Autofahrer erlebt. Befragt wurden zwischen 11. und 15. April tausend Autofahrer zwischen 18 und 65 Jahren.

Quelle: vol.at

Videoüberwachung statt Aufklärung

Unsere Verkehrsministerin zieht aus der oben genannten Umfrage folgendes Fazit: „Die Bevölkerung steht hinter der Rettungsgasse, die Einsatzkräfte stehen geschlossen hinter der Rettungsgasse – und ich auch!“ Deshalb schlug sie eine neue Videoüberwachung vor, die Rettungsgassensünder zur Kasse bittet. Nun wurde dieser Vorschlag von der Straßenverkehrsordnung (StVO) konkretisiert: Laut einer begleitenden Verordnung sollen 49 Autobahnabschnitte mittels Asfinag-Kameras überwacht werden. Verkehrsministerin Bures unterstreicht heute in der Pressekonferenz, dass es zu keiner flächendeckenden Überwachung der Autofahrer kommen werde. Ob diese Überwachung auch dem Datenschutzgesetz entspricht, wird noch geprüft.

Wäre es nicht sinnvoller, zuallererst eindeutige Schilder aufzustellen? Oh ja, ich vergaß: Schilder kosten Geld! Überwachungskameras zwar auch, aber das holt man sich durch Bußgelder ganz schnell wieder zurück.

Man muss doch in der Lage sein, die Autofahrer aufzuklären, wie die Rettungsgasse funktioniert. Am Wichtigsten: In mehreren Sprachen oder zumindest auf englisch! Passende Grafiken dafür gibt es schon in den Infofoldern! Würden Schilder mit diesen oder ähnlichen Zeichnungen an bekannten Stau-Hotspots angebracht werden, gäbe es weniger Missverständnisse und brave Bürger würden nicht mehr gegen ihr Gewissen kämpfen müssen („Wenns eh keiner macht, warum sollte dann ich mich dran halten? Ich bin ja nicht blöd!“).

LM_Rettungsgasse-Details

Natürlich wird es auch mit eindeutiger Kennzeichnung immer noch ein paar überwichtige Menschen geben, die die Rettungsgasse für sich beanspruchen. Aber die darf man dann auch gerne bestrafen.

Bildquellen: Asfinag und vol.at

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