OpenAir St. Gallen: Too Matsch

Eindrücke vom OpenAir St. Gallen 2013

Das OpenAir St. Gallen ist eines der ältesten und größten Open Air-Musikfestivals der Schweiz. Es findet seit seiner Gründung im Jahr 1977 ununterbrochen statt.

Wegen seiner einzigartigen Lage im Naturschutzgebiet Sittertobel der Stadt St. Gallen gilt das Open Air als eines der schönsten Europas. Außerdem loben Besucher immer wieder die hervorragende Atmosphäre, Stimmung und Sauberkeit. Als fast einziges Open Air der Welt hat St. Gallen keine Abtrennung von Camping- und Bühnengelände und ist umgeben von Wäldern und einem Fluss. Um dem Publikum möglichst viel Freiheitsgefühl zu bieten, verzichtet der Veranstalter auf ein Grillverbot.

Mitglieder verschiedener weltbekannten Bands (z.B. Red Hot Chilli Peppers, Bryan Adams, R.E.M.), die bereits in St. Gallen aufgetreten sind, bezeichneten das Open Air und dessen Stimmung als „unbeschreiblich“ und „genial“.

Eindrücke vom OpenAir St. Gallen 2013

Das OpenAir St. Gallen 2013

Das diesjährige Festival war schon im Februar ausverkauft, obwohl noch nicht allzu viele Bands bekannt waren. Das zeigt, dass das OpenAir St. Gallen nicht nur wegen der auftretenden Musiker heiß begehrt ist. Viele haben sich über das Programm gefreut, einige waren aber etwas enttäuscht über die Headliner. So mussten sich die St. Galler-Festivalbesucher 2013 mit wenigen großen und international erfolgreichen Bands wie Biffy Clyro oder Kings of Leon zufrieden geben, während die Lineups der letzten Jahre nur so vor weltweit bekannten Musikgrößen strotzten: The National, Gossip, Die Toten Hosen, Incubus, Paul Kalkbrenner, Mumford & Sons, Florence & The Machine, Linkin Park, The Strokes, Queens of the Stone Age u.v.m.

Um den vielen Besuchern – 2012 waren es 110.000 Eintritte – eine bessere Netzabdeckung bieten zu können, wenn sie ihren Facebook-Status updaten, Bilder ins Internet stellen oder SMS verschicken wollen, wird der Empfang mit 4G/LTE im Sittertobel verstärkt.

Das Wetter am OpenAir St. Gallen konnte leider auch nicht an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen: 2012 war es so heiß, dass von den Veranstaltern extra Erfrischungsduschen installiert wurden – 2013 war es von Natur aus frisch und nass. In den Tagen vor dem Festival hatte es schon so stark geregnet, dass der Boden am Gelände bereits durchnässt und weich war. Der Dauerregen am Festivalsamstag verursachte vor der Sitterbühne so tiefe Pfützen, dass man stellenweise knietief im Wasser stand. Als Gegenmaßnahme musste in der Nacht auf Sonntag Wasser abgepumpt werden.

Der Matsch war es auch, der den Weg zwischen den beiden Bühnen erschwerte – so war es uns logistisch leider nur möglich, die Hälfte der gewünschten Bands zu sehen. Die Auftritte waren durchwegs souverän. Der Sonntag war – nicht nur wegen des guten Wetters – der beste Festivaltag. Die letzten drei Acts auf der Sitterbühne waren genial: The Lumineers und Parov Stelar brachten das ganze Publikum zum Tanzen und Die Ärzte sorgten mit lustigen Sprüchen und schrägen Covers ihrer eigenen Songs für grandiose Stimmung.

Eindrücke vom OpenAir St. Gallen 2013

Das neue Bezahlsystem

2013 konnte man zum ersten Mal auf dem gesamten Gelände nur noch via Chip bezahlen. Dieser war am Eintrittsband befestigt und konnte einfach an fixen oder mobilen Cashpoints via Kredit- oder Bankomatkarte aufgeladen werden. Um sich gegen Diebstahl oder Verlust zu versichern, gab es auch die Möglichkeit, sein Bändel freiwillig personalisieren zu lassen. Wir hatten auf Facebook extra nachgefragt, ob das mit einem österreichischen Führerschein auch funktioniert und uns wurde dies zugesichert. Als wir das Angebot annehmen wollten, teilte man uns mit, dass es nicht ginge, weil der Strichcode zum Durchziehen fehle.

Eindrücke vom OpenAir St. Gallen 2013

Die Helden von St. Gallen

Besonders positiv hervorzuheben ist die Sauberkeit des Festivals. Die sogenannten „Trash Heroes“ sind extra zum Aufräumen engagiert. So glich der lange Weg zum Eingang während des Eröffnungstages einer riesigen Müllhalde: Pavillons, Grills, Zeltplanen, Bierflaschen, Dosen, … In der Nacht auf Freitag wurde bereits alles – so gut es bei dem schlechten Wetter überhaupt möglich war – aufgeräumt. Auch auf dem Gelände sah man morgens nur noch vereinzelt Abfall herumliegen, denn das meiste sammeln die fleißigen Helfer schon in aller Herrgottsfrüh auf.

Eindrücke vom OpenAir St. Gallen 2013

Das Dilemma mit den Zeltplätzen

Während des Anstehens hörte man immer wieder Festivalgäste darüber sprechen, dass sie zumindest auf einen Zeltplatz auf einer geraden Wiese hoffen. Auch wir hatten in den letzten beiden Jahren eine Extraportion Glück noch eine kleine Lücke zwischen den bereits belegten Flächen zu finden. Dieses Jahr wollten wir nichts riskieren und fuhren früher los. Auf ca. sieben Stunden Schlange stehen, wechselhaften und kühlem Wetter folgte leider Ernüchterung: Es gab keinen halbwegs guten Platz mehr – auch auf den schrägen Wiesen waren nur noch vereinzelte Zeltplätze frei. Widerwillig schlugen wir unser Lager daher mitten auf einem Weg auf – in der Hoffnung, am nächsten Tag nicht von der Security verscheucht zu werden.

Auch auf Facebook werden immer mehr Stimmen laut, dass zu viele Festivalbesucher zugelassen werden. Gerüchte besagen sogar, dass die Veranstalter nur deshalb so viele Helfer zulassen, weil sie dadurch mehr Platz für offizielle Besucher hätten. Angeblich besetzen auch die Helfer – die früher als OpenAir-Besucher ins Gelände dürfen – für ihre Freunde so viele Zeltplätze, dass nach dem Öffnen der Tore kaum noch freies Gelände übrig sei.

Eindrücke vom OpenAir St. Gallen 2013

Die Zukunft von St. Gallen

Die Veranstalter des OpenAir St. Gallen sollten unbedingt auf die Beschwerden reagieren und etwas an der zugelassenen Besucherzahl ändern. Oder sie stellen strengere Zeltplatzregeln auf, denn viele OpenAir-Fans bauen sich und ihren Freunden ganze Zelt- und Pavillonstädte. Jeder Besucher, der ein Mehrtagesticket kauft, sollte einen garantierten Zeltplatz haben – extreme Schräglagen ausgeschlossen.

Das Bargeldlose Bezahlen auf dem Gelände macht sich auf jeden Fall bezahlt, man sollte sich aber auch als Österreicher unbedingt registrieren können. Und warum man sich jedes Mal aus- und wieder einchecken muss, ist nicht wirklich nachvollziehbar.

Die Bilder vom Festival

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