Philipp Lingg: »Vorarlberg bedeutet für mich Hoamat.«

Philipp Lingg

„Vo Mellau bis ge Schoppernau“ ist nicht nur ein großer Hit, das Lied trägt auch viel zur Völkerverständigung bei. Es gibt kaum jemanden, der nicht „… d’Füaß himmor weh tau“ mitsingt.

Wir haben mit Philipp Lingg, dem 29jährigen Vollblutmusiker und Frontman von HMBC, über Sprachbarrieren, Songtexte und Heimat gesprochen.

Hallo Philipp, vielen Dank, dass du dir für uns Zeit nimmst. Gratulation zum Bakk! Wie geht es dir?
Es geht mir gut, danke der Nachfrage. Ja, der Bakk han i itz im Sakk. Zum Glück.

Du wohnst schon lange in Wien um zu studieren. Wirst du dort bleiben?
Das kann man so auf die Schnelle nicht beantworten. Ich weiß nur, dass ich für meinen zweiten Abschluss die nächsten eineinhalb Jahre noch in Wien sein werde.

Welche Bedeutung hat Vorarlberg für dich?
Vorarlberg bedeutet für mich Hoamat – der Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Da trifft man Familie und Freunde. Menschen, die man gerne wieder sieht, wenn man dort verweilt. Vorarlberg ist ein wichtiger Bezugspunkt in meinem Leben.

Viele Vorarlberger Studenten legen in Wien ihren Dialekt ab, weil sie sonst keiner versteht. Welche Erfahrungen hast du mit österreichischen Sprachbarrieren gemacht?
Dialekt ablegen geht gar nicht!!! Es gibt in Wien so viele Vorarlberger Inseln wo man seinen Dialekt ausleben/aufbessern kann. Klar muss man sich dem Rest von Österreichern, die nicht vorarlbergerisch sprechen, anpassen, aber das Gute daran ist, dass wir eigentlich alle anderen Dialekte Österreichs gut verstehen können. Also kann man nur sprachlich dazulernen.

Hast du das Gefühl, dass sich die Sprachkultur im Ländle verändert? Verlieren wir unseren Dialekt früher oder später – oder entwickelt er sich nur weiter?
Die Sprachkultur – Kultur, im Allgemeinen – verändert sich andauernd. Das ist doch das Spannende daran. Ich persönlich glaube nicht, dass wir unseren Dialekt verlieren – dafür sind wir viel zu stolz darauf, ihn auszuleben. Mit ihm bekommen wir erst die eigentliche Identität. Es gibt so viele verschiedene Dialekte in Vorarlberg auf so engem Raum, ich glaube, da wäre der Dialekt schon lange verschwunden, wenn nicht unsere Vorfahren so hart für ihn gekämpft hätten.

Auf der Facebookseite Rettet das Gsi werden regelmäßig „vergessene“ Wörter aus dem Vorarlberger Dialekt gepostet. Fallen dir Begriffe ein, die du zwar kennst, aber nicht aktiv verwendest, weil sie veraltet sind?
Selbherr – selbstbewusst, Kamisol – eine Weste, karresioro – um die Hand anhalten

Und welche sind deine Lieblingsdialektwörter?
Estimiro, ned lug lau, körig und grüsele.

HMBC

Eure Band, der holstuonarmusigbigbandclub, hat ja sogar ein Album mit dem Titel „Grüsele live“ … Darauf findet sich auch der Hit „Vo Mello bis ge Schoppornou“. Jeder singt bei diesem Lied mit – egal ob man den Text versteht oder nicht. Habt ihr damit gerechnet, dass man mit einem Song auf gsibergerisch fernab von Vorarlberg Erfolg haben kann?
Nein, ich persönlich hab nicht damit gerechnet – wie denn auch? As ischt grüsele schöa, dass as passiert ischt.

Welche Wörter aus dem Ländle lernt ihr den Menschen, denen ihr auf Tour begegnet?
Gadoladolällar, Gegagogabölla und grüsele

Eure Band hat heuer beim 1. Schoppernauer Open Air ihr 10jähriges Bestehen gefeiert. Wie hat damals eigentlich alles angefangen?
Mit einem Auftritt, einer Wurst, einem Bier und natürlich viel Musik.

Ihr singt im Dialekt, ein wenig auf hochdeutsch und auch auf englisch – welche Sprache ist euch am liebsten?
Das kann man so pauschal nicht sagen. Zur Zeit finde ich es spannend, die verschiedenen Sprachen mit unserem Dialekt zu vermischen. Ich sehe das Ganze eher als eine Fusion der Konsonanten, Vokalen und Diphthongen. Verschiedene Sprachen zu verbinden, ist im Moment das, was mich beim Text schreiben am meisten interessiert.

Würdet ihr eure Mundart-Texte auch übersetzt aufnehmen, um vielleicht international noch erfolgreicher zu werden? Oder seht ihr gerade in euren sprachlichen Wurzeln den Reiz?
Zur Zeit gerade nicht.

Besonders beeindruckend an euren Konzerten finde ich die volkstümliche Interpretation von Popsongs und die Modernisierung von Volksliedern. Was macht euch mehr Spaß?
Es hat beides seinen Reiz. Mit Coverversionen zu arbeiten ist ein lustiges Unterfangen, und trägt zur Findung von neuen Arrangementelementen bei.

Wie wäre es mit einem Abschlusssatz im Dialekt?
Hinds fria mitanand und gloubond ned alls, was man arzellt.

Fotos: © Adolf Bereuter, Roswitha Natter

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