Patrick Wolf auf der Flucht aus der Dunkelheit

poolbar: Patrick Wolf
poolbar: Patrick Wolf

Giantree

Schon bevor das Debütalbum „We All Yell“ der Wiener Band erschien, spielten diverse Radiosender ihre Songs „Time Loops“ und „Communicate“. Diesem Erfolg haben es Giantree auch zu verdanken, dass selbst ein kleines Publikum ihre Texte sicher mitsingen kann. Beim Konzert bewiesen die Jungs und Mädels Kreativität, indem sie ihre Zuseher mit Überraschungsei-Rasseln versorgten und zum Beispiel auf Flaschen und Bierkisten trommelten. Die beiden Ballons, die die Bühne links und rechts schmückten, platzten zwar nicht wie geplant beim letzten regulären Song, dafür bei der Zugabe.

Patrick Wolf

Der britische Sänger, Komponist und Multiinstrumentalist Patrick Wolf wurde 1983 als Patrick Denis Apps in London geboren. Bereits als Kind erlernte er Klavier, Violine, Viola und Flöte, später kamen weitere Instrumente wie Keltische Harfe, Ukulele, Theremin und Akkordeon dazu. Im zarten Alter von elf Jahren begann er bereits selbst Songs zu schreiben. Mit 15 litt er so unter dem Gespött seiner Schulkollegen, dass er in ein privates Internat wechselte. Er verließ das Internat bereits ein Jahr später und zog in ein leerstehendes Haus im Londoner Vorort Richmond, wo er weiter komponierte und in verschiedenen Bands mitwirkte.

Ein akustischer Hochgenuss

Auf der Bühne stehen „nur“ ein Flügel, eine Bratsche, eine keltische Harfe und eine Akustikgitarre. Dann betritt ein großer Mann mit auffallender, dunkler Kleidung den Saal. Überhaupt ist Patrick Wolf für seinen extravaganten Kleidungsstil bekannt und wird nicht zuletzt deshalb gerne mit Björk verglichen.

Das erste Stück spielt Patrick Wolf noch alleine am Klavier – mit dem zweiten Song kommen zwei weitere Personen mit Instrumenten auf die Bühne: Victoria Sutherland (Violine) und Accordion Will (Akkordeon). Manchmal stoppt Wolf nach ein paar Takten seine Songs – so bittet er zum Beispiel bei „The City“ das Publikum um Hilfe: „Ok, I need your handclaps. Sorry!“ Als er sich mit irgendetwas unabsichtlich an der Hand einen kleinen Schnitt zufügte, leitete er den Song „Bloodbeat“ mit den Worten „I bleed for you, Austria!“ ein.

Auch für Patrick Wolf scheint das Altern eine kleine Rolle zu spielen (siehe Bericht über Scott Matthew in der poolbar), denn nach ein paar Songs stellte er seinen Klavierhocker ein Stückchen weiter nach hinten, um sich nicht selbst auf der Leinwand sehen zu müssen: „I can’t go with that screen. I like to know how old I’m inside but not how much older I’m outside!“

Das Leben schreibt die besten Songs – leider

Während seines Auftritts erzählt Patrick Wolf immer wieder von seiner Jugend. Die schwere Schulzeit prägt ihn sichtlich bis heute. In vielen seiner Songs verarbeitete er das Gefühl von Einsamkeit und Ungeliebtheit. So waren Tauben eine Zeit lang seine einzigen Freunde und über diese Beziehung schrieb er im „Pigeon Song“. Das Gefühl von seinen Schulkameraden gehasst zu werden, beschreibt Wolf in Songs wie „Paris„. Dieses Lied sei einer seiner Lieblingssongs auf seiner ersten Platte. „I was called ugly! I don’t wanted to be a victim anymore!“ Seine Worte berühren das Publikum und bei genauem Hinsehen bemerkt man, dass so mancher Konzertbesucher heimlich ein paar Tränen wegwischt.

Der Ausnahmekünstler wurde von seinen Fans reich beschenkt: Er bekam ein paar hübsch eingepackte Präsente und Blumen. Ein Mädchen war laut eigenen Angaben sogar extra aus Singapur angereist!

Womöglich eines seiner letzten Konzerte

Patrick Wolf feierte mit seiner Acoustic Tour sein 10-jähriges Bühnenjubiläum und deutet am Ende des Konzerts an, dass es auch die letzte Tour gewesen sein könnte. Wenn man den gut gelaunten und äußerst gesprächigen Patrick Wolf so auf der Bühne sieht, kann man gar nicht glauben, dass ihn jemand nicht mögen könnte. Und so vermischt sich nach dem Konzert die Begeisterung ein bisschen mit Trauer und man fragt sich, welche Lieder dieser Wolf in seiner Jugend wohl mit einem großen Rudel an seiner Seite geschrieben hätte.

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