Scott Matthew loves without a reason

Scott Matthew

Ursprünglich sollte das Konzert von Scott Matthew oben in der Halle stattfinden, damit die Wohnzimmer-DJs das Konzert nicht überblendeten. Da das Wetter aber so schön war, wurden die DJs spontan vom Pool auf die Terrasse verfrachtet und Scott Matthew konnte sein Konzert vor einer intimeren Runde spielen.

Prinz Grizzley

Der  sympathische Singer/Songwriter Christoph Comper ist in keine Schublade zu stecken: Er spielt bluesigen Country-Synthie-Pop-Rock. Seine vielseitige One Man-Show war der Support-Act von Scott Matthew im Pool. Der Mann mit der charismatischen Stimme überrascht den einen oder anderen (und vorab nicht informierten) Zuhörer im Publikum durch seinen vorarlbergerischen Dialekt. Am Ende des Konzertes jammte er noch ein wenig mit sich selbst und wirkt mit seinem Loop-Gerät fast schon wie ein kleiner Junge, der in sein neues Spielzeug vertieft ist. Wir hoffen, noch mehr von Prinz Grizzley sehen und hören zu dürfen! Nachtrag: Schon geschehen! Heute beim Golden Reef-Konzert am Burn Out-Festival …

Scott Matthew

In Queensland in Australien aufgewachsen, machte der bärtige Sänger dort auch seine ersten Banderfahrungen. Er brach sein Musikstudium aber bald ab, weil er seine Zeit nicht länger in Radiostationen vergeuden wollte, zog nach Sydney und gründete dort die Punk-Pop-Band „Nicotine“. Gleichzeitig arbeitete er Kostümfundus der Australian Opera Company und entdeckte – inspiriert durch die Opernsänger – die Ausdruckskraft seiner Stimme. Wenig später folgte er einem Freund nach Amerika und lebt seitdem in New York.

Kürzlich brachte der Australier ein Album voller Coversongs heraus. „Die Herausforderung liegt darin“, erklärt er, „die eigene vorgefasste Meinung darüber zu vergessen, was diese Songs eigentlich bedeuten.“

Lichtscheu, redselig und tiefsinnig

Scott Matthew eröffnete das Konzert mit einer Interpretation von „To love somebody“ der Bee Gees. Das aber erst, nachdem er den Techniker bat, dass Licht zu dämpfen, da er im Scheinwerferlicht immer so alt aussehe: „Less light please. Maybe … dark?“ Während des gesamten Konzertes spielte er ausschließlich Stücke anderer Musiker wie Elvis Costello, Neil Young oder Joy Division. Zwischen den Songs plaudert der gerne mit Antony Hegarty verglichene Sänger munter drauf los. So erzählt er von einem Konzert in einer Wiener Buchhandlung, bei dem das Publikum spontan zu Whitney Houstons Song „Dance with somebody“ mitsang. Die poolbar-Gäste ließen sich nicht lange bitten und stimmten beim Refrain mit ein. Danach war Scott so glücklich, dass sogar das Licht etwas stärker aufgedreht werden durfte. Weiters erklärte er, dass es ihm viel leichter fällt, fremde anstatt seiner eigenen Songs zu spielen: „Playing covers makes me more self-confident.“

Der lichtscheue Wahl-New Yorker berichtete von einem Auftritt in Berlin, bei dem viel Zeit zwischen dem Soundcheck und dem Konzert lag. Diese nutzten er und sein Gitarrist, um ein paar neue Coversongs auszuprobieren, einer davon: Nick Caves „Into my Arms“. In der poolbar performten die Beiden das Lied zum ersten Mal in der Öffentlichkeit.

Wer schon einmal auf einem Konzert von Scott Matthew war, weiß, dass er früher bei Zugaben gerne ebendiese Coversongs spielte – diesmal war es umgekehrt: Die dritte Zugabe war gleichzeitig sein erster eigener Song. Die Zahl der Zugaben überragte beinahe die Zahl der regulären Songs, da Matthew zwei Mal zurück auf die Bühne kam – und sogar das Licht durfte immer greller werden!

Ist man anfangs noch etwas verstört von seinen Handbewegungen, begreift man bald, Scott Matthew lässt sich in absolut seiner Musik fallen! Er lächelt, weint und lechzt auf der Bühne nach Liebe. Bei dem Stück „Love will tear us apart“ von Joy Division fiel plötzlich die Gitarre seines Freundes aus und Scott weigerte sich zuerst, das Lied nach Behebung des Problems weiterzuspielen: „Oh no! I’ve been so into it!“ Doch dann scheint es ihm selbst auch ein Anliegen gewesen zu sein, das Lied weiterzusingen.

Eines der letzten Lieder war „Do you really want to hurt me?“ von Culture Club. Der androgyn anmutende Sänger bekam das Handy seines Freundes: „I’m not texting somebody, I don’t know all the lines, so he gave me the lyrics!“ Der Song wirkt wie eine Zusammenfassung des gesamten Konzertes. „This is my favorite line“, sagte er schnell noch, bevor er „This boy loves without a Reason“ singt.

Selten ist es bei einem Konzert so leise, dass man aneinander klackende Eiswürfel an der Bar als Lärm empfindet. Scott Matthew hat sein Publikum komplett in seinen Bann gezogen.

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