Boden für alle

Ein Beitrag von: Verein Bodenfreiheit

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Verein Bodenfreiheit
www.bodenfreiheit.at

Bauland in Grünland umwidmen? Ein Grundstück kaufen und es auf ewig unbebaut lassen und öffentlich zugänglich machen? „Geldvernichtung“ meinen die einen – „Lebensqualität für alle“ die Menschen vom Verein Bodenfreiheit.

„Vom magischen Drachenrücken-Hügel meiner Kindheit durfte ich runterrollen und gegen den Wind springen. Was für ein Spaß! Das wünsche ich Kindern heute auch.“ Das schreibt Martina Eisendle aus Hörbranz auf der Homepage des Vereins Bodenfreiheit.

Jeden Tag werden in Vorarlberg rund 1500m2 Grünland in Bauland umgewidmet – obwohl auf dem bereits existierenden noch einmal so viele Menschen untergebracht werden könnten, wie heute in Vorarlberg leben. Dieses Bauland wird aber nicht verkauft und wenn, dann kommen immer häufiger jene zum Zug, die für ihr bisher in Aktien angelegtes Geld einen sicheren Hafen suchen – und ihn im nicht vermehrbaren Gut Grund und Boden finden: „Auf Sicherheit bedachte Vorarlberger“ meinen die einen, „Bodenspekulanten“ die anderen.

Die Folge: Immer neues Grünland wird umgewidmet, die Dörfer wachsen unkontrolliert in die Breite – wie Krakenarme greifen Straßen mit daran angedockten Häuschen in das Grünland hinein. Das ist teuer und zwar für die Allgemeinheit: jedes Häuschen braucht Wasser, Abwasser, Strom, Zufahrt – und natürlich mindestens ein Auto, weil wie soll man sonst zum Supermarkt in der Pampas kommen? „Hüslipest“ sagen etwa die Schweizer dazu.

A propos Schweiz: bei einem Symposium, das Bodenfreiheit mit dem ORF Vorarlberg auf die Beine gestellt hat, sorgte Ueli Strauss, St.Galler Kantonsplaner für große Ohren beim Publikum: „Die Schweizer Bevölkerung hat, das sag ich hier deutlich, jetzt die Schnauze voll: von der Politik, von der ungezügelten Raumentwicklung“, sprach’s im Brustton der Überzeugung. Die Eidgenossen haben im März für ein scharfes Raumplanungsrecht gestimmt. Es darf nur noch ein Bauland – „Depot“ für den Bedarf von 15 Jahren geben, alles darüber muss rückgewidmet werden. Wird Bauland neu gewidmet, muss mindestens 20% des Mehrwerts abgegeben werden, wird dann nicht innert fünf Jahren gebaut, geht der Grund an die Gemeinde. Raunen im Publikum: „Die Baulandhortung bekommen wir sonst nie in den Griff, das sag ich Ihnen.“ Geradeheraus, diese Schweizer.

Die Schnauze voll haben wohl auch die Menschen von Bodenfreiheit. Aber anstatt den Kopf in den Sand zu stecken oder am Stammtisch zu jammern, machen Sie was – gemeinsam, lustvoll, offen und unorthodox. „Ich möchte auch in Zukunft, wenn ich Erwachsen bin, dass es dann noch freie Flächen gibt. Aber momentan sehe ich, dass Wiesen, wo ich noch vor ein paar Jahren gespielt habe, einfach verbaut werden! Für Bodenfreiheit gebe ich daher gerne ein Teil meines Taschengeldes.“, schreibt Helena Büchel, Schülerin aus Bregenz. Mit 10 € pro Monat ist man Mitglied – sind genügend beisammen, wird das erste Grundstück gekauft. Schon rund 300 Menschen haben sich der Idee angeschlossen, die auch die Jury des Hypo Umweltförderpreises überzeugt hat – für den 1.Preis gab es 10.000 Euro.

Ein Expertenbeirat bewertet die zum Kauf vorgeschlagenen Grundstücke, die Generalversammlung entscheidet, welches gekauft wird. Gemeinsam mit Anrainern werden Nutzungen gefunden: Gemeinschaftsgarten, Obstgarten, „Tschutterplatz“, Bienenweide, Park usw. Wichtig ist: es bleibt auf ewig unbebaut und öffentlich zugänglich. Mit noch etwas mehr Mitgliedern kann es Ende 2014 soweit sein.

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