Only God Forgives

Julians (Ryan Gosling) Bruder wird getötet, nachdem dieser ein Mädchen vergewaltigt und ermordet hat. Auf den Wunsch seiner Mutter hin soll Julian Rache an dem gnadenlosen Cop Chang nehmen, der für den Tod seines Bruders mitverantwortlich war.

Wieder arbeitet Drive-Regisseur Nicholas Winding Refn mit Ryan Gosling zusammen. Nach dem eindrucksvollen Trailer hatte ich einen großartigen Film erwartet. Kurz nach dem Filmstart kamen aber bereits die ersten negativen Kritiken, in denen sogar vom „schlechtesten Film aller Zeiten“ gesprochen wurde. Nun habe ich mir endlich selbst ein Bild machen können und ich kann mit Sicherheit sagen, dass dieser Film von den meisten Zusehern missverstanden wird, denn das Besondere an ihm ist, dass er aus der Sicht der Bösen gezeigt wird: Auch Mörder haben eine Familie.

Der Trailer ließ auf ähnlich eine dichte Atmosphäre mit passender Musik wie bei Drive hoffen. Zu diesem Thema kommt aber auch schon der erste Kritikpunkt: Musik wird leider nur sehr spärlich eingesetzt. In manchen Szene auf Musik zu verzichten kann sehr effektiv sein – in diesem Fall führt es jedoch dazu, dass Szenen langatmig werden. Wenn dann doch ein Song kommt, wird er meist nicht gut eingesetzt. Der hauptsächlich thailändische Soundtrack passt leider nicht immer.

In Drive ist Goslings Charakter eine sehr stille Person, was cool war. In Only God Forgives wird das Ganze noch auf die Spitze getrieben, in dem der Hauptdarsteller fast gar nicht spricht. Leider wirkt dies zu erzwungen.
Der Streifen hat eine sehr schöne Optik. Es werden hauptsächlich drei Farben verwendet: Rot, Blau und Weiß – was dem Film eine außergewöhnliche Atmosphäre verleiht. Die Farben haben jedoch einen tieferen Sinn, so soll „Rot“ beispielsweise die Hölle andeuten. Leider ist der Rest des Films nicht auf diesem Niveau. Die besten Szenen des Films bekommt nicht Gosling, sondern sein Gegenspieler Chang. Er richtet seine Opfer äußerst brutal hin, was schön gemacht ist und zum Farbton des Films passt.

Über das aktuelle Werk von Nicholas Winding Refn gibt es einigen Diskussionsstoff: Wer ist nun Gott und wer vergibt wem? Ich will hier nicht spoilern, möchte aber für die Negativ-Kritiker den künstlerischen Gedanken des Arthouse-Movies hervorheben. Denn das ist meiner Meinung nach die Hauptbedeutung, die die Meisten nicht bemerken werden.
Generell ist der Film eine gefühlte halbe Stunde zu lange – er hätte vermutlich einen guten Kurzfilm abgegeben. Zu lang sind auch Szenen wie die, als Gosling an einem Tisch sitzt, gefolgt von einer Nahaufnahme wie er seine Hände zu Fäusten ballt, bis dann irgendwann endlich doch noch etwas passiert. Oder als der Cop Chang mehrmals Karaoke vor Publikum singt – mehr passiert in der Szene nicht. Sie soll zwar einen Ausgleich zur Gewalt in der vorhergegangen Szene darstellen, eine Montage aus beiden Szenen wäre jedoch besser gewesen. Die Beziehung zur thailändischen Prostituierten hätte man auch kürzen können. Natürlich steht sie im Zusammenhang mit dem Verhältnis, das die beiden Brüder zu ihrer Mutter hatten, aber weniger hätte auch gereicht.

Genauso wie das, was es mit Julians Händen auf sich hat (was, wird nicht verraten): Ich schätze den künstlerischen Aspekt, er verfehlt aber im Gesamten seine Wirkung. Hinter Only God Forgives steckt mehr, als man auf den ersten Blick meint, trotzdem muss ein Film unterhalten und das tut dieser zu wenig.

Mit dem „Gott und Teufel“-Thema hätte man so viel machen können – hier liegt es an der Regie, dass dies nicht besser umgesetzt wurde.

http://www.youtube.com/watch?v=bVvpreSkR4U

Fazit

Für mich eine der großen Enttäuschungen des Jahres, die zwar im Gesamten nicht so schlecht ist wie viele behaupten, aber auf den Streifen kann man gut und gerne verzichten. Die Optik des Films, der künstlerische Ansatz und die paar wenigen guten Szenen retten ihn vor einer schlechteren Bewertung. Only Goat Forgives.

Unsere Bewertung

4 Gesamt

Herbe Enttäuschung

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