Casper beendet das poolbar-Festival

poolbar: Casper
poolbar: Casper

Der letzte Abend

Den letzten Konzertabend in der poolbar eröffnet das Hamburger Trio Trümmer. Über die drei Jungs, die nicht einmal verraten wollen wie alt oder jung sie sind, gibt es nicht viel im Internet zu finden. Auch über ihre Musik geben sie im Web nicht viel preis. Lediglich ein Song ist online zu finden. „Wenn man alles offen legt, kann man kaum noch Interesse wecken.“

Trümmer erinnert uns zu Anfang etwas an Ton Steine Scherben, eine deutsche Rockgruppe aus den 1970er Jahren. Die Texte unterscheiden sich allerdings grundlegend. Während Ton Steine Scherben hauptsächlich sozialkritische Texte schrieb, singt Paul Pötsch, Sänger der Band, von der Jugend: Liebe, Wünsche, Wut, Sehnsucht… Auch wenn es das Publikum nicht vom Hocker reißt, das Gesamtpaket passt. Drei coole, süße Jungs mit überlegten Texten und gutem Sound.

Casper

Casper, der mit bürgerlichem Namen Benjamin Griffey heißt, wurde 1982 in Deutschland geboren. Aufgewachsen in Amerika, findet Casper früh Gefallen an HipHop. Als er mit 11 Jahren zurück nach Deutschland kommt, verarbeitet Casper seine Erlebnisse in Texten, die ihm auch helfen, der deutschen Sprache mächtig zu werden. Seine oft autobiographischen Texte sind sehr emotional, wofür er in der deutschen Rap-Szene oft kritisiert und als Emo-Rapper bezeichnet wird. Casper ist allerdings alles andere als ein Kind von Traurigkeit.

Das überwiegend junge Publikum hat er fest im Griff. Bei kaum einem poolbar-Konzert wurden so viele Bandshirts getragen wie an diesem Abend. Und auch die Texte sind fest im Gedächtnis der Fans verankert.

Ein Casper-Konzert ist, vor allem für ihn selbst, ein echtes Fitnessprogramm. Er rennt auf der Bühne hin und her, hüpft herum und fordert auch das Publikum auf mitzumachen: „Und jetzt springt gottverdammt jeder in diesem Laden…die Eltern da hinten machen auch mit!“ Die Menge „tanzt“ für ihn den „bekannten HipHop-Tanz“ (Hand heben und im Rhythmus mitwippen) und lässt sich auch bei Liedern wie „Mittelfinger hoch“ nicht zweimal bitten.

Casper verwendet mehrere bekannte Melodien wie „Homecoming“ von Kanye West bei „Guten Morgen Herzinfarkt“ oder „Ms. Jackson“ von Outcast bei „Die letzte Gang der Stadt„.

Zwischendurch erzählt Casper immer wieder kleine Geschichten. So war die Band am Nachmittag in Feldkirch in einer American Bar, die zwar offen war, allerdings niemand da zu sein schien. „In Feldkirch vertrauen sich alle…oder warum lässt man sonst seine Bar einfach unabgeschlossen?!“
Als er verlautbart, dass sein Keyboarder Konrad heute Geburtstag hat, gibt es ein Ständchen vom Publikum und Gratulationen von den Bandmitgliedern.
Dann lässt er das Publikum noch ein paar „Eh-oh’s“ nachsingen: „Das hab‘ ich bei den Toten Hosen gesehen. Wollt mal schauen, ob es funktioniert.“

Bei einem seiner Lieblingssong „Unzerbrechlich“ wird die Stimmung etwas ruhiger, der Text wird aber trotzdem lauthals mitgesungen. Auch bei dem langsameren Lied „Michael X“ lauschen alle gebannt und einige holen sogar ihre Feuerzeuge heraus. Texte wie dieser verbreiten echtes Gänsehaut-Feeling.

Bei der Zugabe spielt Casper „Der Druck steigt“ und der „so perfekte“ Abend wird mit dem gleichnamigen Song noch zelebriert. Zum Schluss betritt Casper’s gesamtes Team und die Vorband Trümmer die Bühne und alle singen gemeinsam „Don’t look back in Anger“ von Oasis.

Casper’s unverwechselbare Stimme, die er seiner Zeit in Hardcore-Metal-Bands zu „verdanken“ hat, und sein gesamtes Auftreten berühren das Publikum. Die Menge ist bei nahezu all seinen Liedern extrem textsicher und mit vollem Körpereinsatz dabei. Sein drittes Album „Hinterland“, welches Ende September erscheint, ist auf jeden Fall ein Muss für alles Fans. Und auch wir sind schon gespannt.

 

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