Ich frage nicht immer nach dem »Warum«

Am 24. und 25. August findet die 6. Internationale Tattoo Convention im Bregenzer Festspielhaus statt. Wir haben mit Andy Haller (39), Geschäftsführer des Tattoostudios »Fat Foogo« und Organisator der Convention gesprochen. Er erzählt im Interview von seinen Leidenschaften, dem Tätowieren, der Tattoo Convention und was er sonst so gerne macht.

Hi Andy, ihr seid vor kurzem umgezogen. Wie läuft’s im neuen Studio?
Super! Alle sind von den neuen Räumlichkeiten sehr begeistert! Und unsere Kunden finden es cool, dass sie keinen Parkplatz mehr suchen müssen, sondern direkt vor dem Studio parken können.

Klingt super! Du tätowierst nun schon seit wie vielen Jahren?
Seit 1993, also sind es schon 20 Jahre.

Und noch immer mit Freude dabei?
Ja, sicher, und das wird auch noch ’ne Weile so bleiben (lacht). Ich kann mir keinen besseren Beruf vorstellen und freue mich auf jeden Tag, an dem ich meine Freunde und Kunden tätowieren darf. Und sie kommen immer wieder, das ist für mich der Beweis, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Aber nicht nur wenn’s ums Tätowieren selbst geht, hast du dir einen Namen gemacht, du organisierst die Internationale Tattoo Convention, die jährlich im Festspielhaus stattfindet, heuer schon zum sechsten Mal. Hättest du das geglaubt, als du die Erste organisiert hast?
Ja, eigentlich schon (lacht). Die meisten Conventions sind in irgendwelchen Turn- oder Messehallen und da dachte ich mir, ich mach sie im Bregenzer Festspielhaus. Erstens, weil ich auch das Studio in Bregenz habe und zweitens, weil es eines der besten Häuser auf der Welt ist. Sauber, hell und professionell! Genau das Richtige für meine Tattoo Convention. Jetzt kommen die Artisten aus der ganzen Welt und alle sind begeistert und wollen wieder kommen.

Auf welche Probleme bist du bei deiner ersten Convention gestoßen?
Ich musste am Anfang die Artisten und Händler dazu überreden, nach Bregenz zu kommen, weil es etwas ganz Besonderes ist. Die meisten sagten: »Ne, lieber dann bei der Zweiten oder so!« Damals hatte ich 40 Artisten. Heute sind es über 100! Und natürlich die Sponsorensuche!

Das muss eine enorme organisatorische Leistung sein – wirfst du da nicht mal die Nerven weg?
Nein, zum Glück bin sehr geduldig und habe auch seit Anfang an ein super Convention-Team im Rücken. Die unterstützen mich, wo es geht und jede/r weiß was zu tun ist. Bei der ersten Convention sind noch alle zu mir gekommen und ich hatte an dem Wochenende ca. 400 Anrufe auf dem Handy und ja, da bin ich fast verzweifelt. Ich wusste ja selber nicht wo, wie und was – wir brachten dann aber doch alles gut über die Runden.

Du hast immer auch internationale Künstler bei der Convention. Nach welchen Kriterien wählst du die Tätowierer aus?
Mir ist die Qualität sehr wichtig. Es gibt leider genug Conventions, ca. 90 Prozent, bei denen es egal ist, was ein Tätowierer kann. Da kann man sich online anmelden und schon ist man dabei. Das geht bei mir nicht! Ich will wissen, was der Artist kann. Das ist auch ein Grund warum die Bregenzer Convention so einen guten Ruf in der Szene hat.

Dann sind wir mal gespannt, wie es heuer sein wird. Kommen wir zurück zum Tätowieren. Gibt es ein großes Konkurrenzdenken unter den Studios in Vorarlberg?
Ja, leider – ich denke schon. Früher haben sich alle gekannt und man ist ab und zu mal auf ein Bierchen zusammen gegangen, hat ein bisschen gefachsimpelt und einen netten Abend verbracht. Jetzt meint jeder er sei besser als der andere und ist sich gegenseitig jede Kundschaft neidig. Schade, wäre cool, man würde einmal im Monat gemütlich zusammen sitzen, sich gegenseitig helfen und Erfahrungen austauschen. Nur so kommt man weiter und wird besser.

Seit einiger Zeit sind Tattoo-Serien im TV sehr beliebt. Wie hat sich das auf dein Geschäft ausgewirkt?
Ich finde es super. Jetzt machen sich die Leute zu Hause schon Gedanken und kommen mit einer gewissen Vorstellung ins Studio, die wir dann natürlich versuchen umzusetzen. Früher hatte man ein paar Kataloge rumliegen und suchte sich irgendwas aus und ließ es dann machen. Was halt gerade »in« war.

Kann man sagen, dass Tattoos heutzutage immer eine persönliche Bedeutung haben? Wenn ja, kennst du diese immer?
Ich finde es sogar wichtig, dass es was Persönliches ist. Das hat man ja auf seiner Haut und verbindet es mit seinem Leben. Ich frage nicht immer nach dem »Warum«.

Hinter vielen Motiven steckt aber eine zutiefst emotionale Geschichte. Ist der Tätowierer auch irgendwie Seelen-klemptner?
Ab und zu schon. Ich finde es aber cool, wenn ich so die verschiedenen Geschichten höre.

Ich habe den Eindruck, dass man sich heute zuerst an Stellen tätowieren lässt, die für alle sichtbar sind, wie zum Beispiel am Hals, und erst dann Bereiche, die man verdecken kann. Stimmt das?
Ja, das hätten viele gerne (lacht), bei uns gibt’s das aber nicht. Wir sagen immer, zuerst wird mal dort tätowiert, wo man es auch verstecken kann. Auf Job- und bei Wohnungssuche könnte das ein Hindernis sein und es wäre ja schade, wenn es am Tattoo scheitern würde.

Welche Körperstellen tätowierst du nicht?
Gesicht, Finger, Handflächen und Fußsohlen.

Abgesehen von verbotenen Motiven, hast du schon Tattoos abgelehnt, weil sie zu hässlich waren?
Yes, schon einige, aber die meisten lassen sich dann beraten und vertrauen mir.

Von wem lässt du dich eigentlich tätowieren?
Von meinen Gasttätowierern aus der ganzen Welt z.B. Robert Hernandez, Tommy Lee, Labo-O-Cult, Chris Pack, Tattoo Alien, Marc D. Und das Nächste macht mir der Woalle (arbeitet ebenfalls bei Fat Foogo, Anm. d. Red.)

Was bereitet dir abseits vom Tätowieren Freude?
Natürlich meine Frau und meine zwei Töchter – so ’ne kleine Familie ist der Hammer. Ab und zu auch ein bisschen anstrengend, aber wir waren doch alle gleich – immer schauen, wie weit man gehen darf (lacht)! Ich bin auch schon seit fast 20 Jahren bei den Leiblachtaler Schalmeien – das ist ein cooler Haufen Jungs! Und sonst fahre ich gerne Moped und Auto.

 

Fotos: Ländle Magazin (Andy Haller Portrait), © Patrica Keckeis (patice.at)

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