Anonyme Großzügigkeit: Ein schöner Trend aus Amerika

Anonyme Großzügigkeit

Was ginge in deinem Kopf vor, wenn du an den Drive-In-Schalter kämst und es hieße: „Für Ihren Burger wurde bereits bezahlt.“

Mit Sicherheit Verwunderung, aber wahrscheinlich auch ziemlich große Freude über diese nette Geste. Und vor allem Neugierde über die Person, die es getan hat. Die New York Times-Journalistin Kate Murphy berichtete unlängst von diesem neuen Trend: Anonyme Großzügigkeit im Drive-In. Warum diese kleine Aufmerksamkeit in unserem so stressigen Alltag nicht einfach weitergeben?

Drive-In-Großzügigkeit ist in Amerika und in Teilen Kanadas bereits weit verbreitet. Nicht selten resultiert dieses Phänomen in einer langen Kette von Autos, die jeweils für das Auto hinter ihnen bezahlen. Der wahrscheinlich größte bekannte Fall von Drive-In-Großzügigkeit trat im letzten Dezember in einem Tim Hortons in Winnipeg (Kanada) auf. 228 aufeinanderfolgende Autos zahlten jeweils für die Bestellung der Person hinter ihnen.

Weiter verbreitet sind allerdings „Einzeltäter“, die manchmal sogar regelmäßig für ihren Hintermann bezahlen. Eine Frau in Tulsa, Oklahoma (USA) soll beispielsweise jeden Tag für zwei bezahlen: für sich und für ihren unbekannten Nachfolger.

„Pay it forward“ nennt man das: Sich nicht bei jemandem, der nett zu einem war, zu revanchieren, sondern die Großzügigkeit an einen anderen weitergeben. Die Anonymität der Drive-Ins macht es leicht, einen Unbekannten einzuladen. Es gibt keine peinlichen Erklärungen oder suspekte Blicke über die Motive. Der unbekannte Gönner ist bereits wieder auf seiner Weiterfahrt, bevor der Nachfolgende überhaupt merkt, was passiert ist. Und es ist unmöglich dieses kleine Geschenk abzulehnen.

Doch was bewegt einen Menschen dazu, für die unbekannte Person im Auto hinter ihm zu bezahlen? In Zeiten wie diesen, in denen die Welt manchmal so unendlich böse und entmutigend wirkt, machen solche kleine Nettigkeiten das Leben eines Einzelnen für einen kleinen Moment fröhlicher. Egal, wer diese Person ist. Ich bin mir sicher, dass sich JEDER über eine solche Tat freuen würde. Warum also nicht auch dem nächsten und dem nächsten und dem nächsten eine kleine Freude machen?

Wie toll wäre es, wenn sich dieser Trend auch bei uns verbreiten würde … Auch wenn bei uns die Drive-In-Kultur eine etwas andere ist und fast niemand jemals nur einen Kaffee aus einem Drive-In mitnimmt, wäre es einen Versuch wert. Ich werde es bei meinem nächsten Drive-In-Besuch ausprobieren und hoffen, dass es sich nicht um einen Vater handelt, der auf dem Weg zu seiner hungrigen Familie ist …

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