»Als Kinder der Achtziger wurden wir mit englischer Musik sozialisiert.«

Francis International Airport

Die fünf jungen Männer von Francis International Airport präsentieren am 19. Oktober im Spielboden Dornbirn ihr im Mai diesen Jahres erschienenes Album Cache. Ein ausgezeichneter Grund, uns Rede und Antwort zu stehen.

Wer hatte eigentlich die Idee, die Band nach einem Flughafen in GTA zu benennen?
Das war ein kollektives Brainstorming (vor fast zehn Jahren!), bei dem irgendwann der Flughafen aus GTA ins Spiel kam. Uns reizte dabei aber weniger, dass der Name aus einem bestimmten Spiel ist, als die Tatsache, eine Band nach einem Ort zu benennen der nicht real ist, sondern nur auf virtueller Ebene existiert.

Habt ihr schon GTA 5 gezockt?
Nein. Zu wenig Geld, zu hohe Hardwareanforderungen.

Als ich 2010 erfuhr, dass der Song »Monsters« aus dem Albums »In the Woods« von einer österreichischen Band stammt, war ich baff. Passiert es euch oft, dass Österreicher von solch musikalischer Qualität »Made in Austria« überrascht sind?
Ja, dies ist aber nicht nur die Reaktion von ÖsterreicherInnen, auch im Ausland sind Publikum und MusikerkollegInnen oft überrascht, dass in Österreich auch Popmusik gemacht wird. Wir würden uns wünschen, dass sich diese Wahrnehmung in und außerhalb Österreichs ändert und Österreich auch für mehr als nur Klassik stehen kann.

Stand es je zur Debatte, auf Deutsch zu singen?
Nein. Wir haben ehrlich gesagt keinen Bezug zu deutschsprachiger Musik. Als Kinder der Achtziger wurden wir mit englischer Musik sozialisiert.

Ihr habt auf eurem aktuellen Album »Cache« die für das letzte Album »In the Woods« noch stilgebenden Gitarren gegen Synthesizer ausgetauscht. War das eine bewusste Entscheidung oder ein Zufall?
Wenn wir an neuem Material arbeiten ist es uns stets wichtig, uns nicht zu wiederholen, sondern uns auch auf unbekanntes Terrain vorzuwagen. Für die Soundästhetik, die uns für Cache vorschwebte, boten Gitarren nicht die richtige Klangfarbe. Um den gewünschten kühlen, industriellen Sound zu erzielen, den wir dem Vorgänger In the Woods entgegensetzen wollten, war der Verzicht von Gitarren und somit der Einsatz von Synthesizern unumgänglich.

Die Songs auf »Cache« habt ihr voneinander getrennt aufgenommen – hat das eure Kreativität beflügelt und werdet ihr das beim nächsten Album wieder tun?
Dies stimmt nur bedingt. Wir haben uns für Cache gegen eine Arbeit im Proberaum und für eine autonome Arbeitsweise in unseren Homestudios entschieden. Wir wollten vorerst jede Limitation, die eine herkömmliche Arbeit im Proberaum mit sich bringt, aushebeln. Daheim haben wir aber durchaus auch in Gruppen gearbeitet, uns stets per Mail gegenseitig mit Ideen versorgt und so haben sich langsam Snippets, Einzelspuren und Tracks zu Songs verdichtet. 

Wer hat euren neuen Achtziger-Synthies-Pop-Rock-Sound besonders beeinflusst? »Cache« ist ja doch sehr 80ies-lastig. Welche Bands haben euch inspieriert?
Wir haben uns in der Zeit, in der Cache entstand, mit Musik der Achtziger beschäftigt. Und zwar mit vielen unterschiedlichen Facetten dieser Ära. Die 80ies zeichnen sich ja durch eine ungemeine Vielfalt aus. So hat es uns z.B. die deutsche Krautrock-Bewegung sehr angetan. Wichtig war uns jedoch nicht plakativ retro zu klingen. Wir wollten keine Kopie eines Acts dieser Zeit werden. Vielmehr haben wir die musikalische Sprache sehr verschiedener Künstler wild miteinander vermengt – von Phil Collins bis Kraftwerk.

Auf Facebook habt ihr kürzlich »indoor season is our favourite season!« gepostet. Warum spielt ihr lieber drinnen als draußen?
Wir schätzen die Atmosphäre eines gepflegten Club-Gigs. Das Publikum ist normalerweise aufmerksamer und der Sound sowie die Lichtverhältnisse besser.

Gibt es einen Unterschied zwischen einem Vorarlberger und einem Wiener Publikum? Ihr seid Sommer ja schon beim poolbar festival in Feldkirch aufgetreten.
Wir können einen Unterschied zwischen einem Spanischen und einem Österreichischen Publikum erkennen, aber zwischen Wien und Vorarlberg gibt’s, bis auf die sprachliche Barriere, kaum Unterschiede (lacht).

Ihr kennt euch schon seit Ewigkeiten, seid alle aus Niederösterreich, erreicht aber mittlerweile Fans in ganz Europa. Warum seid ihr nach Wien und nicht nach … Berlin gezogen?
Weil nach Berlin ohnehin jeder geht.

Ihr habt in Wien lange nach einem Proberaum mit Ausblick gesucht und ihn in einem Stadtbahnbogen gefunden. Warum war es euch so wichtig, nicht in einem typischen Probekeller zu arbeiten?
Das Umfeld, in dem Mensch arbeitet, sollte schon so sein, dass Mensch sich irgendwie wohl fühlen kann. In den feuchten Kellerräumen ohne Tageslicht mit tropischen Klimaverhältnissen ist eine produktive und kreative Arbeit imho (Anm. d. Red.: in my humble opinion – meiner bescheidenen Meinung nach) nicht machbar.

Weshalb wurde das Video zur Singleauskoppelung »The Right Ones« in England gedreht? Sollte man international auftreten, um international wahrgenommen zu werden?
Nein, dass in England gedreht wurde, war purer Zufall. Wir haben uns mit Regisseur Thomas Woschitz im Vorfeld über Stimmung und Ästhetik des Videos unterhalten, danach hatte er völlig freie Hand. Internationales Auftreten geht über das Vorkommen ausländischer Autokennzeichen und Locations in Musikvideos hinaus.

Vielen Dank. Wir freuen uns schon auf’s Konzert am Donnerstag!
Sehr gerne. Wir freuen uns auch! Bis dann!

Francis International Airport

Fotos: Hombauer, Gebhart de Koekkoek

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