Farewell Dear Ghost: »Ich wollte weg von der Intimität meines Namens.«

Morgen erscheint das Debütalbum We Colour The Night von Farewell Dear Ghost. Philipp Szalay, der Kopf des Projekts, nahm sich Zeit für ein Interview und sprach mit uns über die Kunst des Coolseins und Charterfolge.

Wir haben deine Band »Farewell Dear Ghost« im Spielboden in Dornbirn live erleben dürfen. Wie hat es euch gefallen?Dornbirn war gut zu uns, die lange Anreise hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wir haben uns von Anfang sehr wohl hier gefühlt und auch riesigen Spaß auf der Bühne gehabt. Wir kommen auf jeden Fall gerne wieder, wenn sich die Möglichkeit bietet.

Auf dem Konzert hast du »Farewell Dear Ghost« zuerst als »ich« und später als »wir« bezeichnet, auch auf Soundcloud trittst du als Einzelperson auf. Was ist nun richtiger?
Farewell Dear Ghost ist im Grunde mein Soloprojekt, welches jedoch mit Band umgesetzt wird. Ich stehe hinter der ganzen kreativen Arbeit, die ja passiert ist, bevor ich mir meine Band mit ins Boot geholt habe. Auf der Bühne sind wir aber ein Kollektiv und ich als Frontman ein Teil davon.

Herzlichen Glückwunsch zu deinem morgen erscheinenden Debüt-Album »We Colour the Night«! Warum hast du es lieber unter dem Namen »Farewell Dear Ghost« und nicht als Solokünstler veröffentlichen wollen?
Danke! Es ist großartig den Leuten endlich die Arbeit der letzten zwei Jahre zeigen zu können. Ich wollte weg von der Intimität meines Namens. Der eigene Name limitiert einen irgendwie, es ist alles gleich so unglaublich persönlich. Es geht mit einem Pseudonym mehr um die Musik und nicht die Personen dahinter und das wollte ich damit erreichen – dass es egal ist, ob ich allein auf der Bühne stehe, oder als Band.

Das Album beginnt und endet mit Demons I und II. Was hat es damit auf sich?
Die kleine Demons-Serie ist einfach von alleine entstanden. Beide Songs waren am Ende die einzigen Downtempo-Nummern am Album und inhaltlich ähnlich, da hat es dann einfach am meisten Sinn gemacht sie sozusagen als Klammer zu positionieren.

Mit wem hast du für »We Colour the Night« zusammengearbeitet?
Ich habe das Glück gehabt, mit wahnsinnig guten Leute und Freunden am Album zu arbeiten. Die meiste Arbeit ist jedoch mit Christofer Frank in seinem Studio in Graz entstanden. Er war von Anfang dabei, hat die Platte produziert und auf jeden Fall einen großen Einfluss darauf gehabt, wohin der Sound des Albums geht. Co-produziert hat Georg Hartwig (The Quiet Now!).

Wir haben gelesen, dass dein Album auch in den USA und Kanada veröffentlicht wird. Wow, wie kam es denn dazu?
Das ist über das Netzwerk meines Labels „Schoenwetter Schallplatten“ hier in Österreich gelaufen. Man schaut sich ja nach Partnern, mit denen man zusammenarbeiten möchte/könnte und dann hat das amerikanische Label „Minty Fresh“ sich gleich die Lizenzrechte für den Release in den USA und Kanada gesichert. Das wird im Frühjahr 2014 passieren.

Wolltest du eigentlich immer schon Musiker werden?
Nein, ich habe erst sehr spät angefangen Gitarre zu spielen. Ich wollte in der Oberstufe dann irgendwann einfach zu den coolen Kids gehören. Die Musik hat mich dann aber nicht mehr losgelassen und ich hab begonnen Songs zu schreiben und meine Stimme auszuprobieren und hab mich so immer weiterentwickelt. Es war also keine Entscheidung, sondern eher ein Prozess.

Du tourst momentan durch Österreich. Beim Konzert in Dornbirn hatte ich das Gefühl, es macht die besonders viel Spaß auf der Bühne zu stehen. Du hast sehr persönlich und ehrlich gewirkt. Stimmt das oder bist du lieber im Studio?
Auf jeden Fall, es macht unheimlich viel Spaß auf der Bühne zu stehen. Ich finde aber, man kann Studio und Bühne kaum miteinander vergleichen. Da geht’s um grundverschiedene Dinge. Spannender finde ich es dann aber doch auf der Bühne. Da entsteht ein ganz eigene Dynamik und Energie, die einen nicht mehr loslässt.

Wie fühlt es sich an, in den Charts vertreten zu sein? (Anm. d. Red.: Der Song »Fire« befand sich damals auf Platz 2 der FM4-Charts.) 
Sehr gut. Es ist schön zu sehen, dass der Start des Projekts so gut funktioniert und es den Leuten so gut gefällt. Es ist eine schöne Bestätigung für die jahrelange Arbeit, die in das Projekt geflossen ist.

Wir vom Ländle Magazin versuchen mit der Aktion »Rettet das Gsi« den Vorarlberger Dialekt zu fördern. Weißt du was ein »Gegagogabölla« ist?
Ich habe keine Ahnung, was das heißen könnte, aber ich find’s schön, wenn man mit Dialektwörtern konfrontiert wird.

Hin und wieder bezeichnen wir Vorarlberger damit die Anti-Babypille. Wärst du bitte so lieb, das Wort auch in der Steiermark und auf Tour zu etablieren?
Da ich das Wort selbst kaum aussprechen kann, wird’s wohl etwas schwierig bei den Konzerten – aber ich werd’s üben. (grinst)

Lieber Philipp, vielen Dank für das Interview, viel Erfolg und ganz viel Spaß auf Tournee!
Sehr gerne! Danke!

Foto: Handout

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