Scott Matthew verzaubert das Spielboden-Publikum

Am vergangenen Donnerstag beehrte Scott Matthew die Spielboden-Besucher mit seiner Anwesenheit. Sieht man den sympathischen Australier auf Fotos, wirkt er sehr selbstbewusst und ernst. Betritt er allerdings die Bühne hat er ein schelmisches Grinsen auf dem Gesicht und wirkt nervös und fast schon verlegen.

Auf seinem aktuellen Album „Unlearned“ interpretiert Matthew 14 Songs, die bereits von anderen Künstlern gesungen wurden, auf seine ganz eigene Art und Weise. „You have to make an effort to forget your usual way of doing and considering something, so that you can learn a new way.“ , so Matthews. Bekannte und gewohnte Gedanken und Verhaltensweisen ablegen, um Neues zu erlernen.

Mit „To love somebody„, im Original von den Bee Gees (eine weitere bekannte Version auch von Jimmy Somerville), beginnt Matthew sein Konzert. Und sofort wird klar, er covert die Lieder, die aus einer fremden Feder stammen, nicht, er macht sie zu seinen ganz eigenen. Das Gefühl und die Leidenschaft, die er in jedes einzelne Wort legt, sind unbeschreiblich und man glaubt ihm jeden gesungenen Satz.

„I had a punk band in my early twenties.“

Schwer zu glauben, aber wahr. Er meinte, er habe es damals geliebt, sei aber älter und weiser geworden. Trotzdem gibt er seine eigene Version von „Anarchy in the UK“ von den Sex Pistols zum Besten und meint dies nicht ironisch, sondern absolut ernst. „But you may have a giggle, if you like“, lacht er.

Bei „I wanna dance with somebody“ wird er, sehr zu seiner Freude, tatkräftig vom Dornbirner Publikum unterstützt. Dies wäre einer der wenigen fröhlicheren Songs, die Matthews spielt. Generell fühlt er sich mit langsamer, trauriger, fast depressiver Musik viel wohler. Er meinte, viele Komiker wären manisch-depressiv und während ihrer Arbeit immer lustig. Er wäre genau das Gegenteil. Seine Lieder sind meist sehr schwer und traurig, er selbst wäre aber ein sehr fröhlicher Mensch. Passend dazu das nächste Lied: „Smile“, im Original von Charlie Chaplin. „This is the sadest song about happiness I know.“

Während des gesamten Konzerts ist es im gesamten Raum sehr still. Als er jedoch seinen eigenen Song „In the end“ vorträgt, hört man Geflüster im Publikum und das hört auch er. Er bricht den Song ab und bittet die beiden Turteltauben hinaus zu gehen, wenn sie ihm nicht zuhören möchten. Die gesamte Band sei seit 2 Monaten auf Tour und sehr müde. Alles was sie möchten, ist, ihre Lieder zu präsentieren. „Its extremely rude!“
Gleich darauf entschuldigt er sich allerdings und kann darüber lachen: „I know you’re in love. It’s wonderful. I had my Diva-Moment and I’m sorry.“

Bei seinem nächsten Lied bat er das Publikum zu singen, zu tanzen und alle könnten so viel reden wie sie möchten. „L is for the way you look at me, O is for the only one I see, V is very, very extraordinary, E is even more than anyone that you adore and….“ – L.O.V.E. von Nat King Cole.

Das schönste Liebeslied, das je geschrieben wurde

Bei „Annie’s Song“ sind die Gefühle am Höhepunkt. Scott Matthew ist wieder der schüchtern wirkende Schuljunge, der nicht weiß, was er mit seinen Händen machen soll. Er klammert sich an sein übergroßes T-Shirt und lebt jeden Ton des Liedes.  Als „the most beautiful song ever written“, beschreibt Matthew das Lied von John Denver und transportiert den Inhalt dieses Liedes auf eine unglaublich berührende Weise. Ein Liebeslied, dessen Text einen fast zu Tränen rührt.

Scott Matthew ist den ganzen Abend extrem sympathisch und vor allem authentisch. Der bärtige Australier überzeugt mit einer kräftigen und gefühlvollen Stimme den Zuhörer komplett. Zumindest mir bescherte er einen Abend zum träumen und genießen.

Fotos: Matthias Rhomberg

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