Garish: »Musik ist ein guter Anlass, um zu schreiben.«

Garish »Trumpf«, , Foto: Julia Grandegger

Am 7. Februar erscheint »Trumpf«, das sechste Album der österreichischen Band Garish. Es ist das dichteste und intensivste, das sie je gezaubert haben. Wir sprachen mit Sänger Thomas Jarmer über Poesie, Musiktrends und seine Beziehung zu Vorarlberg.

Seit 1997 gibt es »Garish«, aber ihr kennt euch alle seit der Schulzeit. Da geht man sich doch bestimmt das eine oder andere Mal auf die Nerven?
Ja, mitunter auch mehr als das. Man wird berechenbarer, wenn man so lange Zeit etwas derart Persönliches miteinander teilt – andererseits sind es auf Grund dessen auch belastbare Beziehungen, die man zueinander hat, da muss man sich nichts schenken. Zärtlichkeit bekommt da ihre eigene Form.

Bereits zwei Jahre nach eurer Gründung habt ihr auf dem Forest Glade Festival als Support für die Red Hot Chili Peppers gespielt. Was war das für ein Gefühl?
Das war schon aufregend – und eine völlig neue Dimension für uns. Wir haben uns damals über die gesamte Bühne verteilt. Umso befremdlicher, wenn man zum ersten Mal auf einer Festival-Bühne – und da vier Meter voneinander entfernt – steht.

Das letzte Album »Wenn dir das meine Liebe nicht beweist« kann getrost als Meisterwerk bezeichnet werden. Habt ihr bewusst eine längere Pause bis zur nächsten Platte eingelegt?  
Wir wollten – aufgeputscht von der letzten Tour und voll im Saft – möglichst rasch an neuem Material arbeiten, mussten jedoch feststellen, dass es dafür keinen Anlass gab, da es mehr eine Idee als ein Bedürfnis war. Offenbar muss man erst den Faden verlieren, um wieder den Anschluss zu finden.

Ihr habt bereits beim poolbar-Konzert im August in Vorarlberg einen kleinen Ausblick auf euer am 7. Februar erscheinendes Album »Trumpf« gewährt. Was kannst du uns über euer neuestes Werk erzählen?
Sie ist erkenntlich als Garish-Platte, aber wiederum sehr anders. Unverblümter und unvorsichtiger als ihr Vorgänger. Und da wir viel von dem Live-Sound auf dem Album haben wollten, auch eine richtige Band-Platte ohne viel Schnick-Schnack.

Ihr habt euch also dem Elektro- und Synthesizertrend widersetzt?
Die Diskussion führen wir immer wieder – zu jeder neuen Platte. Wir haben damals mit deutschen Texten begonnen, als es hierzulande noch als kauzig und schlagerhaft galt. Als die Plattenfirmen nur mehr Deutschsprachiges durch den Äther blasen wollten, hatte das nichts damit zu tun, wie wir das verstehen.
Man kann sich im Grunde auch nicht aussuchen, wie die eigene Musik klingt – zumindest dann nicht, wenn man Musik als Diktat handhabt. Das sollen andere machen, es gibt ja auch genug Gute davon.

Habt ihr nie darüber nachgedacht, englisch zu singen?
Damit haben wir begonnen – aber es hat sich nie richtig angefühlt. Die Übersetzung in eine Fremdsprache hat für mich zu viele Abstriche bedeutet – damit geht viel persönlicher Ausdruck verloren, auch mit dem Fluchen ist es nicht dasselbe.

Deine Texte sind sehr poetisch. Tatsächlich verwendest du bei den Liedansagen während der Konzerte eine ebenso gewählte Ausdrucksweise. Wärst du Dichter geworden, hättest du keine so tolle Stimme?
Wohl eher Hungerleider … ich schreibe nur zu Musik. Das ist ein guter Anlass, um zu schreiben. Abseits davon fehlt mir der Reiz. Musik ist eine Macht – und ich brauche Rhythmus und Melodie, um schreiben zu können. Aber ich bewundere Menschen, die ein Repertoire an Gedichten intus haben.

Ich wurde kürzlich gefragt, ob ich glaube, dass sich Musiker privat ihre eigenen Songs anhören. Also, Hand aufs Herz, hat jemand von euch ein »Garish«-Album im Auto?
Hab nur ein Kassetten-Deck (grinst).

Wie gefällt es euch in Vorarlberg? Ward ihr schon mal auf Urlaub hier oder immer nur, um andere mit eurer Musik den Alltag vergessen zu lassen?  
Wir haben den Großteil unseres vierten Albums (»Parade«, Anm. d. Red.) im Walsertal aufgenommen, sehr konzentrierte 14 Tage Regenwetter. Ich hab in Vorarlberg immer die Vorstellung, dass die Leute eher gelassen sind, das mag ich gern, wie überhaupt auch die Nähe zu den Alpen.

Was darf das Spielboden-Publikum am 28. März in Dornbirn erwarten?
Diese Platte hat Unmengen von Energie verzehrt – dementsprechend setzten die neuen Stücke auf der Bühne umso mehr davon frei. Ich erwarte mir jeden Abend einen ordentlichen Kraftakt. Bis dahin wird womöglich auch Sport ein Thema werden …

Wir versuchen mit der Aktion »Rettet das Gsi« den Vorarlberger Dialekt zu fördern. Ihr kommt vom ganz anderen Ende Österreichs. Kannst du dir trotzdem unter dem Begriff »Scholtafelrutschar« etwas vorstellen? Einen Tipp bekommst du: Es hat mit Wintersport zu tun.
Eine Schultafel statt einem Wok beim Wok-Rennen?

Fast! Es ist ein etwas herablassender Begriff für Snowboarder. Herzlichen Dank für das Interview.

 Foto: Julia Grandegger

 

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