Adam Green: Ein sympathischer Tollpatsch

Adam Green, Foto: Pete Ionian

Im Vorfeld zum Adam Green-Konzert wurde ich einige Male überrascht gefragt, ob er denn überhaupt noch lebe. Beim Lebenswandel des amerikanischen Sängers eine nachvollziehbare Reaktion: Der 32jährige Singer/Songwriter ist  für seine Musik, aber vor allem auch durch seinen Drogen- und Alkoholkonsum bekannt.

Adam Green ist Mitglied der Band The Moldy Peaches, mit der er auch erste Erfolge feierte. 2002 startete er seine Solokarriere und erreichte mit seinem ungewöhnlichen Stil vor allem in Europa eine immer größer werdende Fangemeinde. Der New Yorker ist in Amerika kaum bekannt, in Deutschland und Österreich sind seine Touren meist ausverkauft.

Der Einheizer

Als Vorband gastierte ein aufstrebender Singer/Songwriter aus Wien im Conrad Sohm: Jules Attic – ein Gitarrenvirtuose mit sanfter wie einprägsamer Stimme. Slur, Monofreaks, Conquered Soldiers, The Radioactive oder The Veit Club waren Stationen auf dem Weg zu seinem Soloprojekt. 2012 ist seine erste EP „I Am Lost“ und 2013 das Album „As long as I am not dead“ erschienen. Sein erstes Musikvideo kann man sich auf YouTube ansehen.

Julian Veit, so Jules bürgerlicher Name, wird von einem Freund am Keyboard unterstützt und zieht mit seinen ruhigen Songs das Publikum in seinen Bann. Ein etwas schmissigerer Song zwischendurch hätte jedoch auch ganz gut getan.
Jules Attic, Foto: Pete Ionian

Der Traumtänzer

Adam Green betritt gemeinsam mit seinem Bandkollegen von den Moldy Peaches, Toby Goodshank, die Bühne. Er wirkt anfangs etwas schüchtern, als er den Tontechniker darum bittet, die Gitarre lauter zu schalten. Es ist nicht leicht auszumachen, ob der amerikanische Künstler völlig zugedröhnt auf der Bühne steht, oder ob er einfach weiß, sein Publikum zu unterhalten. So erzählt er zum Beispiel von seinem Aufenthalt auf dem Flughafen in Amsterdam (das Publikum lacht und applaudiert), bei dem er eine neue Nationalhymne für die Niederlande geschrieben hat. Als er sie vorspielt, tobt die Menge.
Adam wird zunehmend lockerer und tanzt ausgelassen auf der Bühne. Er wirkt ein bisschen wie eine tollpatschige Fee. Auch hier bleibt die Frage offen, ob er in seinem Drogenrausch meint, dass er wirklich gut tanzt oder ob er es einfach genießt, auf der Bühne zu stehen und keine Angst vor Peinlichkeiten hat. Zwischendurch legt er das Mikrofon unsachte auf den Boden und tänzelt vor sich hin. Dieser Mann steht keine Sekunde still. Er plaudert mit dem Publikum und nimmt sogar Songwünsche entgegen.
Der New Yorker fragt seine Fans, ob sie seinen ersten Film in Spielfilmlänge, The Wrong Ferarri, kennen: »Really, one person? Is it not popular in Austria?« Dann erzählt er von Requisiten aus Pappmasche und von seinem aktuellen Filmprojekt »Aladdin«, das jeder auf Kickstarter unterstützen kann.
Adam Green, Foto: Pete Ionian
Fast wie zwischendurch spielt Adam Green seine Songs, beim Refrain von »Gemstones« tanzt zum ersten Mal auch das Publikum mit. Als auf sein Wurlizer-Angebot hauptsächlich bekannte Songs gewünscht werden, ruft er seine Fans auf, etwas kreativere Songs auszuwählen, in diese Kategorie fallen »Computerlove« und »What a Waster«. Zwei seiner Songs singt Adam sogar unplugged – doch auch hier entsteht im ersten Moment der Eindruck, dass er, bedingt durch seinen Zustand, einfach nur vergessen hat ins Mikrofon zu singen. Dieser Gedanke verfliegt aber schnell. Die Unplugged-Stücke sind es auch, in denen das Talent des Tausendsassa etwas an die Oberfläche gelangt: Ja, er kann wirklich singen und ja, er interpretiert seine Songs auch selbst gerne mal neu.
Nach »Jessica Simpson« gibt er schnell noch einmal seine neue Holland-Hymne zum Besten. Während des gesamten Abends hört man immer wieder ein Kichern im Publikum. Es gibt wohl keinen Mann, der charmanter von »Sex, Dicks and Drugs« singen kann. Adam Green wirkt dabei nie anstößig, sondern eher wie ein Kind gebliebener Mann. Doch wer tiefer gräbt, entdeckt in seinen Texten hie und da auch einen Fingerzeig auf unsere Kultur – er hält uns ungeniert den Spiegel vor.
Adam Green, Foto: Pete Ionian
Manchmal besteigt den Zuhörer das Gefühl, dass Adam die ersten Töne von Toby Goodshank braucht, um zu wissen, welches Lied als nächstes kommt. Auch wird ihm einmal von einem textsicheren Fan auf die Sprünge geholfen. Kurz vor dem Ende der Show erzählt er (wie wohl jeder, der zum ersten Mal im Sohm auftritt), dass er bei der Anfahrt nicht glauben konnte, hier ein Konzert zu geben: »I thought there will be deers in the audience!« Auch lässt er es sich nicht nehmen, von den Alpen und seiner Vorliebe zum Volkssport »Walken« zu erzählen. Das nimmt man dem sympathischen Entertainer aber nicht ab.
Zwei Mal lässt sich der Sänger von seinen Fans auf Händen tragen. Wer am Ende des Konzerts dennoch nicht nahe genug an ihn rangekommen ist, darf sich auf eine Umarmung freuen: Adam zeigt zum Merchandising-Stand und sagt: »I’ll sign your shirt over there. And give you a hug! I don’t think that I smell very well, but if you need me: I’m there!«
Insgesamt wirkt der Abend fast schon wie ein Kabarett. Ob beabsichtigt oder nicht ist schlussendlich nicht mehr wichtig, denn man ist Zeuge einer gelungenen Show.
Fotos: Pete Ionian

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