Bud Spencer – Multitalent mit Vorzeigebart

Bevor ihr diesen Artikel lest, schließt bitte die Augen und stellt euch Folgendes vor: Ihr riecht leckere Bohnen mit Speck, die wohlduftend in der Pfanne brutzeln. Im Hintergrund ist der Klang einer Mundharmonika zu hören und die Töne eines Banjos gesellen sich dazu. Wenn ihr das erledigt habt, könnt ihr euch in die Lektüre stürzen.

Die Vorstellung in eurem Kopf hat euch bestens auf den Mann vorbereitet, von dem diese Seiten handeln. Würde Brockhaus noch seine Enzyklopädie drucken, wäre neben dem Begriff »Kult« ein Foto von diesem Mann. Er ist der Inbegriff einer lebenden Legende. Viele Generationen kennen ihn, und sie alle lieben ihn.

Seit einem halben Jahrhundert begeistert er Millionen Kino- und TV-Zuschauer als Ritter, Cowboy, Streifenpolizist, Priester, Bananenhändler, Sheriff, Rennfahrer, Geheimagent, Trucker, Missionar, Boxtrainer, Fluglehrer, Flaschengeist und vieles mehr. Und auch im echten Leben steht die Vielfalt seiner Talente dem in nichts nach. Neben der Schauspielerei arbeitete er als Stuntman, Sänger, Komponist, Fabrikant, Drehbuchautor, Modedesigner, Pilot, Musikproduzent und Erfinder. Er war zwei Mal Teilnehmer bei Olympischen Spielen, ist Doktor der Rechtswissenschaften, spricht sechs Sprachen und trägt einen epischeren Bart als Chuck Norris.

Fans wissen natürlich schon lange, vom wem die Rede ist. Wie könnten wir ein Heft mit dem Thema „Bart“ machen ohne ihn, den bärtigsten Helden unserer Kindheit und des faulen Sonntagnachmittags – Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer. Kaum jemandem sind Filme wie »Zwei wie Pech und Schwefel«, »Die rechte und die linke Hand des Teufels«, »Banana Joe«, »Auch die Engel essen Bohnen«, »Zwei außer Rand und Band« oder »Vier Fäuste gegen Rio« unbekannt. In diesen Filmen spielt Bud immer den dickköpfigen, phlegmatischen, gutherzigen aber schlagkräftigen Typen, der besonders mit den Fäusten Gegner das Fürchten lehrt. Oft dabei: sein guter Freund und ewiger Leinwand-Buddy Terence Hill. Gemeinsam haben die beiden unter anderem das Genre des »lustigen Spaghetti-Westerns« erfunden, definiert und für immer geprägt. Doch wie wurde Carlo Pedersoli aus Neapel zu der Kunst- und Kultfigur Bud Spencer?

Starke Faust mit hellem Köpfchen

Nach der Grundschule in Neapel zieht Carlo mit seiner Familie nach Rom, wo er am Gymnasium zwei Klassen überspringt. Im Anschluss an seine Matura besteht er, mit nicht mal 17 Jahren, auch die schwere Aufnahmeprüfung an der römischen Universität und beginnt ein Chemie-Studium. Dieses muss er jedoch abbrechen, da seine Familie nach Südamerika auswandert. Dort arbeitet er als Fließbandarbeiter in Rio de Janeiro, Bibliothekar in Buenos Aires und Sekretär in der italienischen Botschaft in Uruguay. 1948 kehrt Carlo nach Italien zurück und promoviert 1957 zum Doktor der Rechtswissenschaften.

Erste Karriere als Schwimmer

Vor allem in seinem Heimatland erlangt Carlo schon lang vor seiner Schauspielkarriere Berühmtheit, und zwar als Sportler.

Bereits in der Grundschule entdeckt er seine Leidenschaft fürs nasse Element. 1940 wird er Mitglied in einem römischen Schwimmclub und sichert sich mit 19 Jahren den italienischen Meistertitel im Brustschwimmen und 100 Meter Freistil – ein Titel, den er bis zu seinem Karriereende innehaben wird. Bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki tritt er als Schwimmer und als Wasserballer an. Im Freistil erreicht er mit 58,9 Sekunden den fünften Platz.

Mit der Wasserballmannschaft sichert er sich den Europameistertitel. Im Anschluss an die Olympiade erhält Carlo eine Einladung von der Yale-Universität und verbringt einige Monate in den USA. 1956 ist Melbourne Austragungsort der Spiele, bei denen Carlo im Halbfinale auf dem 11. Platz landet.

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Vor dem Film kommt die Musik

Die nächsten Jahre verbringt er wieder in Südamerika, wo er am Bau der Panamericana mitwirkt und im Anschluss bei einer Automobilfirma angestellt ist. Im Jahr 1959 kehrt er erneut zurück nach Rom und heiratet seine Jugendliebe Maria Amato. Ihr Vater Giuseppe ist einer der bekanntesten Filmproduzenten Europas, doch Carlo zeigt nicht das geringste Interesse an der Schauspielerei.

Er widmet sich der Musik und bekommt einen Vertrag bei der Plattenfirma RCA, wo er neben Filmmusik auch Songs für erfolgreiche italienische Schlagersänger komponiert. Doch auch Carlo selbst steht auf der Bühne und tourt mit seinen Songs durch die italienische Nachtclub-Szene.

Bud als Produzent

Mitte der 60er Jahre findet Carlo schließlich den Weg zum Bewegtbild – vorerst als Produzent. Er gründet seine eigene Produktionsfirma und dreht vor allem Tierdokumentationen für das italienische Fernsehen. Erst 1967 bietet ihm der Regisseur Giuseppe Colizzi eine Hauptrolle im Italowestern »Gott vergibt, … Django nie!« an. Die zweite Hauptrolle sollte Peter Martell spielen. In der Nacht vor Drehbeginn bricht sich dieser jedoch ein Bein, und für ihn springt ein Mann namens Mario Girotti ein – damit fällt der Startschuss zum ersten Bud Spencer und Terence Hill Film.

Eine Freundschaft fürs Leben

Mario und Carlo werden später immer wieder sagen, dass ihre Begegnung Schicksal und nicht zu verhindern war. Schon im Schwimmclub trugen sie dasselbe Mannschaftsemblem und auch 1959 waren beide im Film »Hannibal« zu sehen. Doch erst Colizzis Streifen machte die zwei zu Freunden und einem der dynamischsten Leinwand-Duos des 20. Jahrhunderts.

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Spencer und Hill

Aus Gründen der Vermarktung wählen Carlo und Mario englische Künstlernamen. Mario sucht sich aus einer Liste mit 20 Namen den mit den Initialen seiner Mutter aus. Carlo lässt sich von seiner Lieblingsbiermarke (Budweiser) und seinem Lieblingsschauspieler (Spencer Tracy) inspirieren.

Den großen Erfolg ihrer Filme begründen die beiden mit ihrer Inspirationsquelle. Sie ließen sich stark von den Helden des Stummfilms beeinflussen: Chaplin, Laurel & Hardy oder Buster Keaton. So ist auch der von Fans geliebte und Gegnern gefürchtete »Dampfhammer« ein Produkt des damals üblichen Overacting. Insgesamt 17 Filme drehen Bud und Terence zusammen. Erst 1994 stehen sie zum letzten Mal gemeinsam vor der Kinokamera.

Solo

Aber auch solo kann Bud große Erfolge feiern. So bringt es seine »Plattfuß«-Reihe auf insgesamt vier Teile. Auch »Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen« bekommt eine Fortsetzung.

Für die beiden beliebtesten Bud Spencer-Solo-Filme »Sie nannten ihn Mücke« und »Banana Joe« schreibt er sogar eigenhändig die Filmmusik bzw. das Drehbuch.

Bud als Mensch

Heute verbringt Bud die meiste Zeit auf seinem Anwesen in den Hügeln Roms. Wenn man ihn nach dem Geheimnis für ein erfolgreiches Leben fragt, behauptet er, es gebe keines. So schreibt er beispielsweise in seiner Biografie: »Du kannst sehr früh aufstehen, sogar im Morgengrauen, aber dein Schicksal wird immer eine halbe Stunde vor dir auf sein.«

Er war sein Leben lang ein Dilettant – er machte Dinge nur aus Interesse, Freude und Leidenschaft, doch er strengte sich dabei nie an. Schon beim Schwimmen war er unglaublich faul. Training hielt er für unnötig. Bis heute hält sich sogar die Legende, er habe vor seinem Start bei den Olympischen Spielen noch neben dem Beckenrand geraucht.

Laut Bud gibt es nur zwei Dinge in seinem Leben, für die er mehr tun würde als nötig: seine Frau und das Essen.

Bilder: Handout www.budspencermovie.com

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