Garish trumpft im Spielboden auf

Garish
Garish – Foto: Matthias Rhomberg
Am Freitag, dem 28. März, spielte das burgenländische Quintett Garish im Spielboden Dornbirn auf. Wir kamen in den Genuss, eine der großartigsten Bands Österreichs im Spielboden Dornbirn live zu sehen. 
Bernhard Eder
Der Support Act Bernhard Eder steht ganz alleine auf der Bühne. Mut braucht man dazu. Und anscheinend auch einen Hauch von Arroganz. Er würde sich gerne vom Publikum feiern lassen, aber – es liegt wahrscheinlich nicht an ihm – die Vorarlberger brauchen immer ein bisschen, um warm zu werden. Bernhard Eder macht seinen Job dennoch gut. Er spricht das Publikum direkt auf den ungenutzten Platz vor der Bühne an und bittet es, ihn mit Klatschen und kurzen Gesangseinlagen zu unterstützen. Wir haben Mitleid mit ihm und singen so laut wir können mit. Hören deshalb nicht, ob es sonst auch noch jemand macht.
 
Bernhard Eder und Julian Schneeberger

Bernhard Eder und Julian Schneeberger – Foto: Matthias Rhomberg

 
Eder holt für eines seiner eigenen Stücke Verstärkung auf die Bühne, Julian Schneeberger von Garish sei nicht nur auch mit ihm in einer Band, sondern auch der beste Glockenspieler des Landes. Der Höhepunkt seines Auftritts: Eine sehr eigenwillige Interpretation von AC/DCs »Thunderstruck«.
Garish
Als Garish die Bühne betritt ist der Bereich vor der Bühne nicht mehr leer. Die fünf Burgenländer eröffnen ihr Konzert mit »Noch einmal das Echo hören«, einem Stück ihrer aktuellen Platte Trumpf. Anfangs gibt es noch kleine Probleme mit der Akustik, beim zweiten Song »Alte Bekannte« ist davon aber nichts mehr zu hören. Das erste ältere Lied ist »Den Idioten zum Beweis« der Platte Wenn dir das meine Liebe nicht beweist und man merkt, dass dieses Stück einer größeren Anzahl der Zuhörer bekannt ist. Einer der größten musikalischen Leckerbissen des Konzertes ist »Wissen wir allein«. Julian Schneeberger spielt schwere Klänge am Klavier, während Tom das Akkordeon spielt. 
 

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Ein von mir schon heiß ersehntes Stück ist »Unglück trägt den selben Namen«. Das haben sie 2013 in der Poolbar akustisch zum Besten gegeben. Zu meiner Begeisterung auch diesmal wieder. Anschließend sagt Jarmer: »Zurück zum Mikrofon, bevor die Stimmen und die Fersen endgültig brechen.« Die besondere Ausdrucksweise von Garish ist eine ihrer größten Stärken. So klingen selbst die gesungenen Schmipftirarden der ersten Singleauskoppelung »Von den Dächern« bei Thomas Jarmer wie Schmeicheleien. Bevor sie »32 Grad« spielen, erzählt Jarmer von einem Tourerlebnis in Deutschland. Sie spielten in einem Bikerschuppen, eine Frau sei extra für sie vier Stunden mit dem Regionalbus angereist. Und dann war da noch ein Hund namens Adelheid. Es sei der beste Abend dieser Deutschlandtour gewesen.
 
Das Lied »Spuk« leitet der Leadsänger mit den Worten »Ein Appell an das Tanzbein« ein. Das Publikum folgt seiner Aufforderung. Bereits auf Facebook hatte Garish angekündigt, den Song »Ganz Paris« dem Kantine-Koch zu widmen:
 
LM_Garish-FB
 
Anschließend verlässt die Band die Bühne, um nach kurzer Zeit für zwei weitere Songs zurückzukehren. Sie spielen einen ihrer größten Hits: Eisenherz. Nach abermaligem Verlassen und Wiederbetreten der Bühne meint Jarmer: »Ich geb zu, es ist ein bissl kindisch. Aber effektiv!« Diesmal spielen sie »Wenn dir das meine Liebe nicht beweist«. Auf der Setliste des Tontechnikers sehe ich, dass es auch das letzte geplante Lied ist. Da haben sie nicht mit der Hartnäckigkeit ihres Publikums gerechnet. Das zugabefordernde Klatschen lässt nach, doch dann greift sich ein Fan das Mikro und schreit: »Zu-ga-beee! Zu-ga-beee!« Nun ist auch Garish überzeugt, sie kommen für einen letzten Song zurück. Den sparen sie sich für besondere Momente auf, erklärt Jarmer. 
Bitterer Beigeschmack

Was mich wirklich bei vielen Konzerten stört, ist ein sich ununterbrochen unterhaltendes Publikum. Ich habe gar nichts dagegen, wenn man sich kurz austauscht. Aber wenn man ein ganzes Gespräch führen möchte, soll man das doch bitte bei einem Kaffee vor oder nach dem Konzert machen. Ich empfinde es als respektlos dem Künstler und als rücksichtslos dem restlichen Publikum gegenüber. Scott Matthew hat bei seinem Konzert im Dezember zwei Plappermäuler direkt vor allen gebeten, ihre Unterhaltung zu beenden. Bernhard Eder hat auch immer wieder versucht, das Publikum zum Schweigen zu bringen. Leider erfolglos. Irgendwann war ich selbst so genervt von meinen Sitznachbarn, dass ich sie um Ruhe gebeten habe. Gern mache ich so etwas nicht. Aber ich besuche Konzerte der Musik wegen. 

Fotos: Matthias Rhomberg

 

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