Warum werden unsere Schönheitsideale mit Photoshop verfälscht?

Misha Barton

Fast jede Frau hat schon einmal eine Klatsch-Zeitschrift durchgeblättert und sich darüber gefreut, dass selbst die nach außen hin immer perfekt wirkenden Stars unter Zellulitis oder Falten leiden. Wir alle wissen: Magazine zeigen so gut wie nie die ungeschönte Wahrheit – manchmal kommt es sogar vor, dass es die Grafikabteilung mit der Retusche so sehr übertreibt, dass etwas ganz offensichtlich nicht stimmen kann. Doch langsam gibt es Gegenwind.

Magerer Wahnsinn

Ende des letzten Jahres gelangte eine GIF-Animation von Jennifer Lawrence auf dem Flare-Cover ins Netz, die den direkten Vorher-Nachher-Retusche-Vergleich zeigte. Die Korrekturen waren gänzlich unnötig: schlankere Oberarme, eine schmalere Taille, volleres Haar und weitere Photoshop-Veränderungen sind zu erkennen. Da stellt  sich die Frage, warum man bei einer solchen Traumfrau überhaupt auch nur kurz den Wunsch verspüren könnte, etwas zu verbessern?

Jennifer Lawrence auf dem Flare-Cover 2011

Die talentierte Schauspielerin ist für ihre kritische Haltung dem Schönheitsideal in Hollywood gegenüber bekannt. „Wir sehen diese bearbeiteten Modelbilder, aber wir sollten sie ignorieren. Man sieht so aus, wie man aussieht. Was soll man auch tun? Jeden Tag hungern, um andere glücklich zu machen? Das ist einfach nur dumm“, sagte sie in einem Interview mit Yahoo im kalifornischen Sunnyvale. Dass Darstellerinnen mit den Maßen einer Jennifer Lawrence für das Filmbusiness zu dick sind, kann unsereins kaum glauben. Wie fühlen sich dann tatsächlich mollige oder übergewichtige Schauspielerinnen wie Melissa McCarthy? Seit ihrer Rolle in Gilmore Girls sieht man sie vermehrt auf der Kinoleinwand – aber immer in lustigen Rollen, in denen ihr Gewicht ein Thema ist. Auch wenn sie in Brautalarm mit Vorurteilen ordentlich aufgeräumt hat. 

Nachträgliche Weiblichkeit

Schon lange wird über die zumutbaren Maße von Models diskutiert, Heidi Klum schmeißt im Fernsehen sogar zu magere GNTM-Kandidatinnen raus – wenn auch zu PR-Zwecken. In Wahrheit sind Fotomodels oft sogar so dünn, dass ihnen nachträglich weibliche Rundungen hinzugefügt werden. Doch neben den üblichen Körperretuschen werden gerne auch Gesichter „verbessert“. Diese Bearbeitungen werden manchmal so stark übertrieben, dass man die Stars fast nicht mehr erkennen kann, so geschehen auf dem Elle-Cover mit Kylie Minogue. Oder es fehlen gleich ganze Körperteile (siehe linker Fuß).

KylieMinouge_Elle

Um dem Magerwahn entgegenzusteuern, setzt die Modewelt heute vermehrt auf mollige Models – allerdings ist die Bezeichnung sehr zweifelhaft und schwer nachvollziehbar. Würde man sich diese Formulierung zu Herzen nehmen, müsste man sich noch dicker vorkommen als bei eindeutig mageren Models – da kann man sich zumindest noch damit trösten, dass die Models wahrscheinlich alle essgestört sind. In Vorarlberg gibt es auch ein sogenanntes Plus Size-Model: Katrin Spiegel war in ihrer Vergangenheit lange magersüchtig, hat ihr Problem rechtzeitig erkannt, eine Auszeit genommen und ist nun mit normaler Figur zurück in der Modebranche. 

Ungeschminkte Wahrheit

Manche halten es für einen Eingriff in die Privatsphäre von Promis, andere sind der Meinung, dass die Veröffentlichung privater Fotos quasi zu ihrem Beruf gehöre. Bilder, die zeigen, wie Stars ohne Photoshop aussehen, sind selten und genau deshalb tut es gut zu sehen, wie normal unsere Vorbilder aussehen. Gleichzeitig macht sich Mitgefühl breit: Was müssen diese Frauen leiden, um in das Schönheitsideal von Hollywood zu passen? Private Schnappschüsse (oder die von Paparazzis) schockieren den Betrachter teilweise sogar. Warum das so ist? Weil sie überraschen! Man kennt Stars nur perfekt gestylt – doch die sonst so gut kaschierten Falten und Dellen sind im Urlaub nicht zu verbergen. 

Kate Moss natürlich

Mutiger Wandel

Cameron Diaz hat im Jänner diesen Jahres ihr erstes Buch herausgebracht: „The Body Book“ ist ein Ratgeber zu den Themen Ernährung, Sport und Gesundheit. Die Schauspielerin möchte ihre Leser dazu motivieren, sich in der eigenen Haut wohlzufühlen und ein gesundes Körperbewusstsein zu entwickeln. Magerwahn ist übrigens strikt verboten. Cameron versucht mit ihrem Buch deutlich zu machen, dass es nicht wichtig ist, dünn zu sein, sondern es darum geht, gesund und fit zu leben. Die Fotos, die das ehemalige Model zu diesem Zeitpunkt auf Instagram veröffentlichte, zeigen eine wunderschöne, strahlende und natürliche Cameron.

Cameron Diaz natürlich

Der Trend, sich ungeschminkt zu zeigen, breitet sich übrigens unter den Damen in der Traumfabrik aus: Stars wie Cate Blanchet, Eva Herzigovina oder Lady Gaga haben sich bereits so wie Gott sie schuf vor die Linse getraut. Wir hoffen, dass es noch viele mehr werden.

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Fotos: Instagram/camerondiaz, Elle, Madame, Bazaar, Marie Claire, katemossonline.net, strongmindbraveheart.com

 

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