Veganer April: »Vegane Lebensmittel sind auch nicht besser«

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat einige vegane Lebensmittel untersucht und ist zu folgendem Ergebnis gekommen: Viele vegane Lebensmittel sind zu salzig und fettig, außerdem enthalten sie oft zu viele Zusatzstoffe. Viele Online-Zeitungen berichteten heute von der Studie – die meisten Artikel klingen sehr ähnlich, es scheint sich also um eine Pressemeldung zu handeln.

Auszug von Spiegel Online:

Von 20 untersuchten Produkten wiesen allein vier zu viel Fett auf und fünf fielen wegen ihres Salzgehalts durch. Ein Produkt, das als Walnussbrotaufstrich daherkam, enthielt nur 2,5 Prozent Walnussöl, aber jede Menge gesättigter Fettsäuren aus Palm- und Kokosöl. „Manche dieser Produkte sollten besser nicht zu häufig auf dem Speiseplan stehen“, sagt Silke Schwartau von der Hamburger Verbraucherzentrale.

Die Reaktionen überraschen mich ein wenig. Nein, eigentlich nicht. Es gibt unter den Artikeln viele Kommentare von bekennenden Fleischfans: »Ekelhaftes Zeug, kein Wunder das die Veganer alle irgendwie Krank aussehen. Wir sind nunmal Alles- und vor allem Fleischfresser.« Worüber ich mich wirklich wundere, sind die Redakteure, die den PR-Artikel unreflektiert veröffentlicht haben. Sieht man sich das PDF mit den 20 untersuchten Produkten an, wird eines sehr schnell klar: Die ungesündesten Produkte sind Ersatzprodukte für Neo-Veganer oder Menschen, die auf Fleisch- bzw. Käsegeschmack nicht ganz verzichten wollen. Der Wunsch, etwas zu essen, dass man eigentlich immer gemocht hat, ist nicht verwerflich, nur sollte man sich im Klaren darüber sein, dass man hiermit Fastfood-Produkte isst. Begrenzt man den Konsum dieser Fertigprodukte, muss man sich wohl keine Sorgen um den Gesundheitszustand machen.

Womit ich auch schon zu meinem zweiten Kritikpunkt komme: Die meisten Veganer entscheiden sich gegen den Verzehr von tierischen Produkten – sie ernähren sich dadurch aber nicht zwingend gesünder. Neben Chips, Pommes & Co gibt es auch vegane Schokolade, Gummitierchen und Fertigsuppen. Es lässt sich aber dennoch nicht von der Hand weisen, dass eine große Gruppe der Veganer auch ernährungsbewusste Menschen sind. Leider sind auf vielen Produkten die Nährwertangaben nur lückenhaft. Das gilt insbesondere für problematische Inhaltsstoffe wie gesättigte Fettsäuren. Die vollständige Angabe wird erst ab 2016 zur Pflicht.

Was mich als Neo-Veganerin tatsächlich verwirrt, sind die vielen verschiedenen Logos, die auf den Verpackungen zum Einsatz kommen. Leider gibt es keine einheitliche Auszeichnung veganer Produkte, die vielen Siegel stiften Verwirrung am Supermarktregal. Es gibt sogar Produkte mit Doppelkennzeichnung: »vegetarisch« und »vegan«.

Als ich beschlossen habe, den April zum veganen Monat zu ernennen, war für mich klar, dass ich darauf achten muss, keine Mangelerscheinungen zu haben (abgesehen von Schokolade). Und natürlich ist frisch gekocht am Besten. Aber daran sollte man sich immer halten – egal ob man sich vegan, vegetarisch oder herkömmlich ernährt. 

 

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