Veganer April: Woche 1 (Chris)

Seit über einer Woche betreibe ich nun den selbst auferlegten Fleischverzicht. Einiges hat sich in diesen wenigen Tagen bereits verändert: Ich fühle mich gesünder und vor allem moralisch überlegener, denn wegen mir musste in der letzten Woche kein Tier sterben, geschweige denn sich sein entzündetes Euter quetschen lassen, ja nicht mal ein Ei legen.

Aber der Reihe nach – auf einen veganen Monat will man vorbereitet sein, deshalb führte mein erster Weg in den Bio-Laden. Hier ist man auf Neo-Pflanzenfresser wie mich gut eingestellt – es gibt Tofu in allen Variationen. Man kann generell behaupten, dass der erste Eindruck trügt und es reichlich zu essen gibt. Trotzdem ist mein tierfreundliches Speiserepertoire „überschaubar“, somit ließ es sich kaum vermeiden, nicht eines, sondern gleich zwei Kochbücher mit veganen Rezepten inkl. Zutaten zu erstehen.
Das macht sich dann doch in der Kasse bemerkbar – die Rechnungssumme nach einem solchen Einkauf würden manche als „exklusiv“ bezeichnen, ich hingegen als „notwendig“. Wenn man schon verzichtet, soll man sich auch was gönnen. Mit einem vollen Einkaufswagen und den besagten Kochbüchern sind wir nun bestens gerüstet für das kulinarische Abenteuer.

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Gut Ding braucht Weile
Schnell stellt sich heraus, dass eine Ernährungsumstellung viel Zeit erfordert, denn „Fast Food“ könnt ihr vergessen, „Selber kochen“ ist angesagt. Dies hat aber den Vorteil, dass man weiß, was man isst – daher kommt wahrscheinlich auch das Gefühl gesünder zu sein.
Aber auch sonst hat diese Art der Ernährung Einfluss auf den Alltag. Man kann nicht einfach schnell was einkaufen, sondern man muss sich mit seinem Essen beschäftigen und die Inhaltsstoffe analysieren. Da kann sich der kurze Einkauf nach der Arbeit doch etwas ziehen.

Nervensäge
Kennt ihr die Typen, die unendlich lange mit den Angestellten an der Brötchentheke diskutieren? So einer bin ich jetzt auch, aber das hat natürlich seinen guten Grund. Man kann nicht einfach irgendein Brot kaufen, denn es könnte irgendeine tierische Zutat wie Butter drin sein. Also muss nachgebohrt werden. Leider ernte ich dabei meist verdutzte Blicke der Mitarbeiter und ungeduldiges Gehabe der Wartenden hinter mir. Dann nehm‘ ich halt das Vollkornbrot, das geht immer.
Auch im Restaurant bin nicht unbedingt der Lieblingsgast, denn wenn die Bedienung bei jedem zweiten Gericht in der Küche die Zutaten erfragen muss, macht man sich auch keine Freunde und vor allem der Koch sollte dein Freund sein.

Auf den Punkt gebracht
Im Moment ist es mir noch peinlich, andere mit meinen Essgewohnheiten zu nerven, dafür fehlt mir der Fleischgenuss bis dato noch nicht. Ja, ich schreibe noch von „Genuss“, vielleicht wird sich im Laufe des Monats daraus der emotionslose „Konsum“ entwickeln.

 

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