Walk Off The Earth in Hohenems

Walk off the Earth im Tennis Event Center Hohenems
Walk off the Earth im Tennis Event Center Hohenems
CAMERA2

Der Support Act an diesem Abend sind vier Jungs aus New York City, die sich CAMERA2 nennen. Zum Glück steht das auf ihrem Schlagzeug, denn gesagt haben sie es uns nicht.

Bis zum Schluss wissen wir nicht so recht, was wir von ihnen halten sollen. Sie wirken wie wild zusammen gewürfelt und geben irgendwie kein stimmiges Bild ab. Nicht, dass Mitglieder einer Band keinen eigenen Stil haben dürfen, aber die New Yorker wirken irgendwie verkleidet. Ihre Musik eine Mischung aus den Editors, Depeche Mode und den Pet Shop Boys – gewöhnungsbedürftig, wenn auch nicht schlecht. So richtig in Fahrt kommen die New Yorker nicht. „This is not a sad song. This one’s meant to cheer you up.“ heißt es in einem ihrer Lieder. Nur irgendwie verfehlt dieses Lied bei uns leider seine Wirkung. „Freak Show“ dagegen wirkt da schon etwas passender.

Als CAMERA2 von ihrem Nachmittagsausflug auf den Hohenemser Schlossberg erzählen, gewinnen sie beim Publikum zwar ein paar Sympathiepunkte, der Applaus ist aber dennoch verhalten. Was uns am meisten gestört hat, war, dass sie sich oft von Musik aus der Konsole begleiten ließen, dies aber nicht charmant inszeniert, sondern eher plump eingebaut haben. Fast so, als hofften sie, dass es niemandem auffällt.

Am Schluss bedanken sie sich artig und beteuern nochmals, wie schön Österreich doch ist. „Thank you very much for coming earlier and listening to a Band you don’t know!“ Sie haben mit Gewissheit ein paar Fans dazugewonnen, aber dass sie den Vorbandstatus in Europa irgendwann mal upgraden können, bezweifeln wir. „It’s our first time on tour and we’re following Walk Off The Earth all around. They won’t get rid of us.“ Tja.

Walk Off The Earth

Die kanadische Band, die eigentlich aus fünf Mitgliedern besteht, fährt an diesem Abend alles auf, was sie zu bieten hat. Sechs bis acht Musiker sind meistens auf der Bühne zu sehen, bei einigen Liedern auch mehr.  Und diese Besetzung wird ständig gewechselt. Es scheint, als könnte jeder von ihnen jedes Instrument spielen, das sich auf der Bühne befindet … und das sind einige. Ukulelen, Gitarren, Banjos, verschiedenste Trommeln und andere Rhythmusinstrumente, Mundharmonika, Keyboard, Melodica, Trompeten und noch einige mehr. Sogar Wassergläser oder eine elektrische Zahnbürste werden zweckentfremdet und als Soundinstrumente verwendet. Und als wäre dies noch nicht genug, wird ab und an sogar eine Loop Station verwendet um noch mehr Elemente in einem Lied zu verpacken.

R.E.V.O.

Bekannt wurden die Kanadier durch ihr Video zu Gotyes „Somebody That I Used To Know“, in dem sie den Song zu fünft auf einer Gitarre performen. Nach einigen Coversongs folgt nun ihr Debütalbum R.E.V.O. Der Titel ist ein Akronym für ihr Motto „Realize Every Victory Outright“ („Sei dir über jeden Sieg vollkommen bewusst“) und zeigt, dass sie mehr können, als bereits bestehende Songs neu zu interpretieren. Das Album hat neben dem erfolgreichen und weltbekannten Cover zehn Eigenkompositionen zu bieten und kann sich durchaus sehen bzw. hören lassen.

Sie können es wirklich

Nicht nur die Live-Performance von „Somebody That I Used To Know“ begeistert viele Besucher. „Sie können es wirklich!“ ist mehrmals im Publikum zu hören. 
Das gesamte Konzert könnte so manchen Besucher überrascht haben. Die Vollblutmusiker Ryan Marshall, Gianni „Luminati“ Nicassio, Mike Taylor, Joel Cassady und Sarah Blackwood, die allesamt mehr als nur ein Instrument richtig gut beherrschen, verstehen es, das Publikum zu überraschen. Spektakuläre Instrumentenwechsel, bei denen Trompeten oder Gitarren der Crew oder anderen Bandmitgliedern quer über die Bühne zugeworfen werden, sind keine Seltenheit. Auch, dass Mitglieder der Crew, die vor dem Konzert noch die Instrumente gestimmt haben, plötzlich mitten im Geschehen und Teil der Show sind, ist erfrischend anders. Eine Bühne voller Musikbegeisterter, die zusammen offensichtlich sehr viel Spaß haben.

Auch wenn die fünf Kanadier nicht sonderlich gesprächig sind, verstehen sie es durch ihre Lieder mit dem Publikum zu kommunizieren. Sie animieren zum Mitsingen und haben auch einige kleine Specials eingebaut. So explodieren gleich zwei Mal Glitzerkanonen, riesige Luftballons fliegen durch die Menge und sogar das Bühnenbild wird während des Konzerts geändert.

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Summer Vibe

Das Album R.E.V.O. besteht hauptsächlich aus poppigen, leichten Liedern, die oft von einem Reggae-Rhythmus begleitet werden – perfekt für den Sommer. Auch wenn der verspielt-fröhliche Sound nicht jedermanns Sache ist, macht er doch irgendwie gute Laune. Das aktuelle Album präsentiert die Band einmal komplett durch. Ob „REVO“, „Red Hands“, „Speeches“ oder „Sometimes“ – Walk off the Earth hat alle Songs zum Besten gegeben.

Zum Abschluss gibt es dann noch das bekannte „Summer Vibe“, bei dem das Publikum nicht mehr zu halten ist. „Eh oh, eh oh, eh oh, bob bob uh eh oh“ klingt es aus jedem Mund und keiner kann mehr anders als mitzuwippen. Auch auf der Bühne gibt es kein Halten mehr und das gesamte Team der Band begibt sich zu den Musikern um mit ihnen zu feiern. Sogar Sarahs und Giannis 10 Monate alter Sohn darf Bühnenluft schnuppern und ist beim Abschlusssong mit von der Partie (ausgestattet mit dicken, großen Kopfhörern).

Unser Fazit: Ein tolles Konzert, das, auch wenn die Musik nicht jedem gefällt, auf jeden Fall aufgrund der Instrumentenvielfalt und der grandiosen Musiker besuchenswert ist.

 

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