Großartiges Konzert der Wild Beasts in Zürich

Wild Beasts im Plaza Zürich
Hayden Thorpe

Im Jahre 2010 entdeckte ich die britische Band eher zufällig – und verliebte mich sehr schnell unsterblich in ihre Musik. Ich kaufte sofort beide bis dahin veröffentlichten Alben und ging innerhalb eines Monats auf zwei Konzerte. Letzten Samstag war ich auf meinem fünften Wild Beasts-Konzert.

Treuen Lesern sind die vier Jungs aus Kendal bereits bekannt, waren sie doch im ersten Ländle Magazin unser musikalischer Geheimtipp. Außerdem haben wir 2013 das Album »Smother« wiederentdeckt und vor einigen Wochen ihr letztes Album »Present Tense« bewertet. 

Gegründet wurde die Band 2002 von Hayden Thorpe (Gitarre, Gesang) und Ben Little (Gitarre). Der Bassist und Sänger Tom Fleming und der Schlagzeuger Chris Talbot vervollständigen die Band, die sich irgendwo zwischen Indie, Pop und Electro ansiedelt. Die Wild Beasts haben bisher vier Alben herausgebracht und touren momentan durch Europa. 

M O N E Y

Die Vorband der Wild Beasts war musikalisch einwandfrei. Leider hatten MONEY, bestehend aus Jamie Lee (Gesang, Gitarre), Charlie Cocksedge (Gitarre, Keyboard), Scott Beaman (Bass, Keyboard) und Billy Byron (Schlagzeug), mit einer mehr als knapp bemessenen Bühne zu kämpfen, worauf der Frontman Jamie sich den Mikroständer schnappte und den Bereich vor der Bühne eroberte. Dort stand er während des gesamten Konzerts. Wobei »stehen« nicht ganz das richtige Wort ist – er taumelte eher. Es schien, als würde ihm das Schweizer Bier zu gut schmecken. Vielleicht wollte er aber auch einfach nur sein Lampenfieber bekämpfen.

MONEY im Plaza Zürich

Der Support Act spielte leider nur sehr kurz, was – wie sich später herausstellte – wohl eine Entscheidung des Veranstalters gewesen sein muss. Die Songs waren eingängig und facettenreich. Wie die Stimme von Jamie Lee: Manchmal klang er wie Bono von U2, ein ander Mal wie Chris Martin von Coldplay und dann plötzlich wie Anders Olof Wendin von Moneybrother

Wild Beasts

Die Briten verloren nicht viele Worte ehe sie ihren Einstiegssong spielten: Der erste Satz aus »Mecca«, einer meiner Lieblingssongs des neuen Albums, sagt genau das, was ich mir während des gesamten Abends immer wieder dachte: »All we want is to feel that feeling again.« Nach dem zweiten Song, »Sweet Spot«, sagte Hayden Thorpe: »We will now leave the present tense and go back to the past.« Daraufhin spielten sie »The Fun Powder Plot« (Album: Two Dancers) und »The Devil’s Crayon« (Album: Limbo, Panto). 

Zwischendurch plauderten Tom und Hayden trotz des straffen Zeitplans ein wenig mit dem Publikum. So sprach Tom ein Kompliment an die Menge aus: »You look, sound and smell beautiful!« Diese dankte es ihm mit frenetischem Applaus. Wenig später erzählten sie, dass sie nun 17 Shows in 19 Tagen spielten und sich schon etwas nach dem Ende der Tour sehnten. Hayden: »We’ll get drunk after this show!« – Tom: »The booze is good in Switzerland.« – Hayden: »Booze is good across Europe … that’s the problem.«

Insgesamt war es das längste Wild Beasts-Set, dem ich bisher beiwohnte. Sie spielten neben aktuellen Songs auch einige ältere, aber auch ganz alte Stücke: Hooting and Howling, Reach a Bit Further, All the Kings Men, Lion’s Share etc. Ich hatte sehr gehofft, dass sie auch »A Dog’s Life« performen, da ich so neugierig war, wie Chris Talbot das Geräusch macht, dass wie ein Gummiball auf einer Trommel klingt. Sie spielten es tatsächlich und er machte es mit seinem Stick, aber ich bin nach wie vor nicht sicher, ob das im Studio auch so gemacht wurde. Ein weiteres Highlight: Das Outro von »Daughters« war so bombastisch, dass es jeden einzelnen Besucher fesselte.

Am Ende spielten die Jungs aus Kendal das quasi vorgegebene »End Come Too Soon«. Ich als wiederholte Besucherin ihrer Gigs wusste schon, was da auf mich zukam. Deshalb machte es Spaß, dem Publikum dabei zuzusehen, wie es bei dem langen Elektro-Jam unsicher wurde, ob der Song nun fertig war oder nicht. Ein Mann in unmittelbarer Nähe fing immer wieder an zu klatschen und ließ es gleich wieder bleiben, da keiner mitmachte. Nach ein paar Minuten (oder hat es sich nur so angefühlt?) erlösten die Wild Beasts ihre Fans wieder und spielten ein grandioses Finale.

Wenige Momente nach dem Konzert ertönte eine Stimme aus den Lautsprechern, die die Besucher aufforderte, das Plaza zu verlassen, da es für eine andere Veranstaltung geräumt werden musste. Das war ein sehr abruptes und unschönes Ende für einen so gelungenen Abend. Doch für manche fing dieser danach erst richtig an …

Fazit

Seit dem Konzert habe ich wohl eine kleine Ohrwurm-Jukebox im Kopf. Die Songs wechseln sich stündlich ab und wollen nicht mehr weggehen. All I want is to feel that feeling again. And again. And again.

 

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