Everlast im Conrad Sohm

Everlast im Conrad Sohm

Am Freitag beehrte der amerikanische Musiker Everlast Vorarlberg. Als Vorband holte er sich den aus Portland (Oregon) stammenden Musiker Worth, der am selben Abend ursprünglich im Carinisaal in Lustenau gespielt hätte.

Worth

Christopher Worth begleitet Everlast auf seiner gesamten Tournee durch Österreich. Er beschreibt seinen Musikstil selbst treffend als Bohemian Blues Hop – wahrscheinlich hat auch  genau diese Genrevermischung Everlast dazu getrieben, ihn für die Mini-Tour anzuheuern. Auf seiner Facebookseite schreibt er: »Can this be my job forever?« Wer einen Eindruck vom Touralltag bekommen möchte, sollte sich seine Pinnwand unbedingt einmal ansehen, dort postet Worth viele Fotos und Videos.

Worth im Conrad Sohm

Das Publikum ist von Worth, der sichtlich Spaß auf der Bühne hat, spürbar angetan. Die meiste Zeit begleitet er sich selbst auf der Gitarre, doch für »Hard Times« von Ray Charles wechselt er an das Klavier, das bereits für Everlast auf der Bühne steht. Als er eines seiner selbstgeschriebenen Liebeslieder spielt, fordert er das Publikum zum Kuscheln auf: »Grab her bottom!« Ob die Zuseher im wortwörtlich Folge leisten, ist nicht zu sehen, allerdings rücken viele Paare zusammen. Christopher Worth glänzt mit einer stimmlich großen Vielfalt, erinnert ein bisschen an einen »cooleren Michael Bublé« und wirkt sehr sympatisch.

Everlast

Everlast, der mit bürgerlichem Namen Erik Schrody heißt, kennt jeder. Auch wenn es nicht jeder weiß. Zumindest mache ich diese Erfahrung vorab im Büro, als ich vom anstehenden Konzert erzähle. Er hatte als Solokünstler zwei große Hits in Österreich (What It’s Like und Black Jesus) und feierte als Mitglied der HipHop-Formation House of Pain ebenfalls große Erfolge, das bekannteste Stück ist mit Abstand Jump Around.

 

Der Musiker möchte sich selbst nicht als Sänger bezeichnen: »Schau mich an: Ich habe keine schöne Stimme, aber ich singe. Ich singe von Herzen. So, wie ich und Du es hören. Ich habe keine Sängerstimme – wenn ich Songs von anderen Leuten singe, dann klingt es vielleicht nicht so toll wie im Original, aber es klingt zumindest okay. Denn es kommt von Herzen und ich stehe dahinter. Deswegen mag ich diesen Autotune-Beschiss nicht. Aber noch mal: Ich mag Kanye dafür, dass er Risiken eingeht und versucht, anders zu sein.« (laut.de) Trotzdem gibt er ein Live-Acoustic-Konzert. Wer von seinen Anfängen in den 90er-Jahren nicht Bescheid weiß, dürfte überrascht sein, dass er seine Karriere als Rapper begonnen hat.

Der Amerikaner konvertierte 1997 zum Islam: »Mein Dasein als Moslem ist ein privates Ding, über das „Warum“ rede ich an sich nicht viel. […] Ich renne jedenfalls nicht rum und predige den Leuten, sie sollen zum Islam konvertieren. Ich sage: Es gibt viele Wege zu Gott – folge deinem. Und auf meinem Weg empfahl sich mir letzten Endes nun mal dieser Pfad. […] Aber ich lebe dieses Leben bei weitem nicht so streng, wie viele Muslime das tun. […] Ich bin tätowiert und trinke hie und da mal einen Whisky. […] Ich mag Leute nicht, die zu einer anderen Religion wechseln oder einen anderen Glauben annehmen und dann anfangen sich über andere zu stellen. […] Ich bin immer noch der Gleiche. Ich hoffe natürlich, dass ich heute etwas disziplinierter, freundlicher und weiser bin, aber ich bin immer noch die gleiche Person.« (laut.de)

Everlast im Conrad Sohm
Das Konzert

Wie es bei Gästen des Conrad Sohm üblich ist, hat auch Everlast eine Meinung zum abgelegenen Veranstaltungsort und meint, er würde nächstes Mal seine Fischerausrüstung mitbringen: »You all do fly fishing, don’t you?« Ich bin mir nicht sicher, ob er Vorarlberg damit als idyllisch oder hinterwäldlerisch bezeichnen möchte.

Irgendetwas passt ihm an diesem Abend nicht, doch wir bekommen nicht mit, was es ist. Einmal beschwert er sich in Richtung des Backstage-Bereichs und ist sichtlich sauer. Dann blickt er zurück zum Publikum, besinnt sich und lächelt wieder. Rein optisch ist ihm seine HipHop-Herkunft anzumerken, doch kann ich mir vorstellen, er wäre an diesem Abend lieber ein ehemaliger Rocker gewesen, damit er ungeniert oben ohne rumlaufen kann. Die Hitze macht ihm schwer zu schaffen, er greift oft zum Handtuch und tropft regelrecht die Bühne voll: »It looks like I’ve pissed on the stage!« Vielleicht ist es auch tatsächlich nur die Temperatur, die ihn kurz aufbringt, denn als ihm ein Mitarbeiter einen Ventilator zu den Füßen stellt, sagt er etwas süffisant: »Oh yeah, now my ankles are well cooled!«

Everlast gibt eine Vielzahl seiner bekanntesten Songs, unter anderem White Trash beautiful zum Besten. Stolz erzählt er, wie überrascht er war, als Snoop Dogg ihn anrief und fragte, ob er ihm einen Country-Song schreiben könnte. Darauf spielt er selbigen (My Medicine) um anschließend noch einmal kurz Snoop Doggy Dogg zu imitieren. Den Song Long Time läutet er mit den Worten »I really want to go home … I miss my daughters. I never thought I would ever want to go home that much!« ein. Als er Black Jesus ankündigt, bittet er seine Fans, ihn beim Refrain zu unterstützen. Das funktioniert einwandfrei: »Nana nananana«.

Everlast im Conrad Sohm

Seine einzige musikalische Unterstützung an diesem Abend ist ein Herr, der mich optisch stark an Jay Kay (Jamiroquai) erinnert. Außer mit seinem Turtle Power-Shirt beeindruckt er vor allem durch seine Klavierkünste. Für die Zugabe betritt dieser zunächst allein die Bühne, um ein Medley aus bekannten Songs zu spielen, welches am Ende in Lean on me von Bill Withers mündet. Rechtzeitig kommt Everlast dazu und zeigt, dass er neben Blues, Rap, Rock und Country auch noch Soul kann.

In einem Interview sagte Everlast, dessen großes musikalisches Vorbild Johnny Cash ist, einmal, dass er als Solokünstler gerne als Genre-Killer bekannt werden möchte. Diese Bezeichnung muss er sich an diesem Abend mit seinem Publikum teilen, denn darunter finden sich neben jungen HipHop-Fans und House of Pain-Fans von früher auch Rocker, Punks und Neugierige, die den durch ein oder zwei Songs bekannt gewordenen Künstler live erleben wollen.

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