So wirst du niemals n’Rapper!

Es gibt Kinder, denen merkt man schon von klein auf an, dass ihnen die Musik liegt. Ich war leider keines, das hielt mich jedoch nicht davon ab, Gitarre spielen zu wollen. Bereits während der ersten Unterrichtsstunde hab ich mich dermassen gelangweilt, dass klar war: „Den Scheiß lass‘ ich lieber!“ Ich konnte als 10jähriger bereits Folgendes feststellen: „Kein Bock, kein Talent, machst du halt was anderes.“ Diese Art der schonungslosen Selbsterkenntnis kann man von der heimischen Politik nicht erwarten. Wie ihr sicher bereits wisst, die österreichische Musikszene ist wieder um eine Glanzleistung reicher.

Hab‘ ja eigentlich gehofft, dass mir bei dieser Wahl der traditionelle Strache-Rap erspart bleibt. Aber nein, zu meinem Unglückt wird wesentlich mehr aufgetischt als eigentlich bestellt wurde. Ein gewisser Herr Michalitsch von der ÖVP geht in Vorleistung und fordert HC Strache zum „Rap Battle“ auf. Im Video wird aufs heftigste „gedisst“.

 
Nun hat auch der Meisters des schlechten Sprechgesangs (nein, nicht Moneyboy) nachgezogen und wird von der gesamten FPÖ-Prominenz musikalisch unterstützt. Ganz Gallien? Nein, einer darf nicht mitsingen – der Mölzer, der wurde vom Alaba vorzeitig nach Hause geschickt.

 
Das HC-Video wurde vermutlich wieder im ausgebauten Dachboden irgendeines Parteikollegen, der gerade „Sturmfrei“ hatte, gedreht. Auf Make-up wurde verzichtet, braucht sowieso kein Mensch, da glänzt der HC lieber wie ein neuer Euro bzw. Schilling. Wem das noch nicht reicht, um den Zeiger des Fremdschämfaktors in den roten Bereich zu treiben, kann sich die Kommentare der Kampfposter, die das Video bzw. den Song als gelungen verteidigen, durchlesen. Bin gespannt, wer von denen das Lied als Kingelton verwendet.
Von der Produktion her ist das Machwerk der ÖVP deutlich hochwertiger gemacht, was nichts daran ändert, dass genau jene, die sich vor gar nicht allzu langer Zeit über die „Rap-Songs“ von HC-Strache lustig gemacht haben, nun volle Geschützte der Peinlichkeit auffahren. Zwar gibt Herr Michalitsch an, das sie Video auch als Satire zu sehen ist, ich leider gar nichts lustiges dran finden.

facepalm

In den Parteigremien ist man wohl der Meinung, dass Botschaften via Rap den ganz banalen Wahlkampfthemen weit überlegen sind. Ok, liebe Partei-Strategen – derjenige PR-Berater der euch gesagt hat, dass ihr mit solchen Aktionen beim Wähler punkten könnt, hat euch verarscht. Erstens: Wollt ihr wirklich ein Klientel, dass euch wegen solcher Videos wählt? Zweitens: Ihr vergrault damit mehr der potentiellen Wähler, die ohne größere Schwierigkeiten auf „drei“ zählen können. Gratulation an alle Beteiligten.

double-facepalm

Fotos: 9gag.com, Screenshots aus den Videos von HC Strache und Philipp Michalitsch

 

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