Veganer April: Woche 4 (Cornelia)

Die letzte Woche des veganen Monats ist vorbei. Nun stehe ich vor der Frage, wie es weitergehen soll …

Meine Woche in Bildern

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Das für mich Überraschendste an der letzten Woche war, dass auch Essen gehen gar keine so große Herausforderung mehr darstellt – ich war einige Male auswärts essen. Nach einem langen Arbeitstag und einer kurzen Diskussion (Du kochst heute! –  Nein du! – Schon wieder ich? Sicher nicht! Warst du einkaufen? – Nein, du?) beschlossen wir, essen zu gehen. Im Kesselhaus gibt es donnerstags immer ein veganes Mittagsmenü, aber auch abends bieten sie neben Salat und Pommes zumindest eine weitere vegane Speise: Spaghetti mit gebratenem Gemüse und Tofu. Das bestellten wir uns beide und waren zufrieden. Mein Freund aß aufgrund des schummrigen Lichts (oder des großen Hungers, da bin ich mir nicht ganz sicher) sogar die Champignons. Ich sprach ihn absichtlich erst nach dem Essen darauf an und er meinte, es waren keine Champignons drinnen. Die von ihm ebenfalls ratzfatz verputzten Zucchinis erwähnte ich dann gar nicht mehr.

Außerdem war ich zweimal im Per Du in Bregenz essen. Einmal unter der Woche, um das Mittagsangebot zu verkosten und einmal am Samstag, denn am schönsten Tag der Woche wird dort ein Frühstücksbuffet mit vielen veganen Produkten angeboten. Das Mittagessen war ausgezeichnet und mit Nachschlag ist auch der etwas hohe Preis gut zu verkraften. Das Frühstück war hervorragend, es gab die leckersten veganen Aufstriche der Welt, selbst gemachte vegane Brötchen und Kuchen, aber auch viele »normale« Köstlichkeiten wie Käse, Schinken etc. 

Der dritte vegane Essensexkurs fand im Engel in Hard statt, denn dort gab unser Filmechef Maximilian ein kleines Konzert. Eigentlich hatte ich extra zuhause noch eine Kleinigkeit gegessen, damit ein etwaig aufkommendes Bauchknurren niemanden von der Musik ablenken würde, falls es nichts Veganes zu essen gäbe. Da es an diesem speziellen Abend nur eine kleine Karte gab und wir tatsächlich außer Salat nichts Essbares finden konnten, fragten wir vorsichtshalber noch bei der Kellnerin nach – nur nicht zu früh die Flinte ins Vollkorn werfen! Diese wies uns höflich darauf hin, dass es normaler Weise immer etwas gäbe, am besten wäre gewesen, wir hätten vorher angerufen, dann hätte man uns auch etwas Tolles zaubern können. Sie verschwand dann in der Küche, um mit dem Küchenchef eine Alternative zum Salat auszuhandeln. Das Ergebnis wäre auch ausgezeichnet gewesen, würde ich Spargel essen. Die Kellnerin hatte Mitleid mit mir und ließ sich keine Sekunde lang anmerken, ob sie von meinen Extrawünschen genervt war, hielt erneut Rücksprache mit dem Koch und unterbreitete uns eine Alternative, die auch mir das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ: gebratene Reisnudeln mit Gemüse und einem gemischten Salat als Vorspeise. Und es schmeckte genauso gut, wie es klang. Einzig beim Brokkoli hatte ich das Gefühl, dass er in einem mit Butter verfeinerten Wasser gedünstet wurde. 

Nicht jeder reagiert so zuvorkommend wie die Kellnerin im Engel. Ich täusche an der Brottheke mittlerweile lieber irgendeine Lebensmittelunverträglichkeit vor, als mich als Veganerin zu outen. Aber die unangenehmsten Reaktionen auf meinen Veganismus ernte ich in meinem unmittelbaren Umkreis. Ich hab nichts dagegen, jemandem zu erklären, warum ich das mache und ein paar Sticheleien kann ich auch gut wegstecken. Wenn ich dann aber in einer Tour herablassende Sätze wie »Ist das Wasser vegan?« oder »So schlecht schaust du noch gar nicht aus!« höre oder das Gefühl habe, als lästige Ökotante abgestempelt zu werden, kann ich meinen Groll nur mit Mühe runterschlucken. Ich zwinge niemandem meine Ernährungsweise auf, bin keine Missionarin und erzähle keinem Fleischesser irgendwelche Geschichten über schauderhafte Schlachtmethoden. 

Apropos schweißtreibende Situationen: Vor ein paar Wochen sprach ich mit einer Freundin über Aluminium in Deos und sie meinte, sie benütze mittlerweile nur noch selten ein Deo. Das hat mich angeregt, es ihr gleich zu tun und ich habe erstaunt festgestellt, dass ich es eigentlich nicht brauche. Mittlerweile verwende ich ein Deodorant nur noch dann, wenn ich Sport mache oder nach einem anstrengenden Tag noch auf eine Veranstaltung gehen muss. (Beschwerden wegen Geruchsbelästiung bitte per Mail.) Ich kann mir gut vorstellen, dass die vegane Ernährung mit der Geruchlosigkeit des Schweißes eine Rolle spielt. Wie es Cameron Diaz zu sagen pflegt: »You notice on your pee, poo and sweat if your diet is healthy.«

Doch wie geht es jetzt weiter? Mein Freund möchte Veganer bleiben, damit hätte ich nicht gerechnet, aber ich freue mich und bin gerne bereit, mich vorwiegend vegan zu ernähren. Aber wenn ich dann mal Lust auf eine Käsesemmel habe, eine Speckjause essen oder Parmesan über meine Nudeln reiben möchte, dann mache ich das. Da wir ohnehin großen Wert auf Regionalität, Saisonalität und biologische Produkte legen, habe ich auch überhaupt kein schlechtes Gewissen. Und viel wichtiger: Es ist ein befreiendes Gefühl, wenn keiner, der uns einladen muss, extra für uns kochen muss. Ich bin also ab sofort ein Freizeitveganer.

 

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