Das Böhse Onkelz-Comeback: Titten, Staub und heißere Kehlen

Die Böhsen Onkelz feiern auf dem Hockenheimring ein episches Comeback. Nach dem Moto „Größer ist besser“ wurde eine gewaltige Bühne am Hockenheim-Ring aufgebaut. Das war auch notwendig, denn es musste Platz für 100.000 Fans her – pro Konzerttag versteht sich. Denn aufgrund der großen Nachfrage wurde ein zweites Konzert am Samstag dran gehängt, mit nochmals 100.000 Fans.

Wie man sich bettet, so liegt man

Schon bei der Anreise fällt auf, dass alle freundlich grüßen und recht umgänglich sind. Man merkt gleich, Onkelz-Fans sind auf eine besondere Weise mit einander verbunden. Das gemeinsame Buh-Man-Dasein schweißt eben zusammen. Das hindert einen aber noch langen nicht, dem Gegenüber eine aufs Maul zu geben, wenn der die Schuld am verschütteten Bier trägt.
Zurück zur Anreise. Da doch stolze vier Stunden Autobahn hinter uns liegen, wollen wir am Ring übernachten. Natürlich haben wir uns keinen Fixplatz bei den Campern reserviert, dass machen nur Mädchen. Daher fahren wir lieber mit einem mulmigen Gefühl auf das Gelände. Aber kein Problem, mit Idioten wie uns haben die Organisatoren gerechnet und ein Kontingent für „kurzentschlossene“ Camper freigehalten. Bei Großereignissen dieser Art ist leider üblich, dass man richtig ausgenommen wird, bevor das Konzert überhaupt los geht.30 Euro sind pro Mann fürs Parken und Übernachten fällig. Dafür sind die Ordner in Sachen „Glasflaschen“ ziemlich kulant – auf dem Zeltplatz interessiert sich dafür keine Sau. Generell muss man sagen, für ein Event dieser Größenordnung ist alles gut organisiert, man muss nie richtig lange anstehen. Da können andere Festivals, und also solches kann man das BÖ-Comeback durchaus bezeichnen, noch was lernen.
Es gibt leider immer noch die wenigen Typen, die denn Schuss nicht gehört haben und freundlicherweise den umliegenden Zeltplatz mit ihrem Störkraft-Gegröhe beschallen. Man hat hat natürlich das Gefühl, einschreiten zu müssen, der Selbsterhaltungstrieb hindert mich und andere jedoch daran. Das bei einem Event mit zweimal 100.000 Besuchern leider nicht nur die sympathischen Idioten dabei sind, die sich bei 30 Grad im Schatten ein Bananenkostüm überstülpen, sondern auch richtige überrascht allerdings nicht.

Streckenbegehung

Vom Zeltplatz zum Hockenheim-Ring ist es ein ca. 45 minütiger Fussmarsch, der von Bier-Tankstellen in regelmässigen Abständen unterbrochen wird. Einige Müllsammler nutzen die Gunst der Stunde um leere Dosen und Flaschen aufzulesen – in Deutschland gibt es ja fast auf alles einen Pfand – bei diesen Menschenmassen ist das also ein gutes Geschäft. Beim Hockenheimring angekommen müssen wir nur kurz warten bis wir drin sind. Um zur Bühne zu gelangen, muss ein Stück entlang der Rennstrecke gelaufen werden. Während unseres Spaziergangs spielt bereits eine der Vorbands, deren Namen sind uns komplett ist – kennt sowieso keiner. Eine Erwähnung wert, ist lediglich Limp Bizkit, die gerade „Get Nacked“ spielen, als wir die Rennstrecke wieder verlassen. Einige der weiblichen Fans werden diesen Aufruf bald in die Tat umsetzen.
Wir betreten also den Hexenkessel. Mit einem Wort, gigantisch. Die Onkelz haben ein Bühne hin gestellt, die beinahe lächerlich gigantisch ist kommt, aber nur beinahe.

Becker und andere

Schauspieler Ben Becker (u.a. der Salzburger Jederman) hält eine mitreissenden bis skurrile Rede. Wobei er auch gleich anmerkt, dass man ihn für diesen Auftritt wahrscheinlich hassen wird – nicht das Publikum, sondern der Feuilleton. Das Neue Philharmonie Orchester Frankfurt spielt ein langes Intro, danach sehen und hören wir nochmals Ben Becker – dann gehts los. Die Helden des Publikums betreten mit „Hier sind die Onkelz“ die Bühne.
Insgesamt spielen die Onkelz für ca. drei Stunden lang ihre größten Hits, kaum ein Klassiker wird ausgelassen.

Erwähnenswert ist die Ballade „Koma“, hierbei betritt Moses Pelham die Bühne und rappt dazu. Wer? Es ist keine Schande wenn man ihn nicht kennt. Pelham ist deutscher Rapper und Musikproduzent u.a. für Xavier Naidoo (nicht mehr) oder Sabrina Setlur. Wer? Ach, lassen wir das. Vielen ist Pelham bekannt, weil der den Raab geschlagen hat – aber nicht bei der gleichnamigen Sendung, sondern nach der Sendung auf die Fresse.

Das Publikum

Wer hier mit Neonazis rechnet, wird enttäuscht sein, abgesehen, von dem bereits angesprochenen Restrisiko an Idioten ist das Publikum bunt gemischt. Klar, ein Treffen der „jungen Grünen“ ist ein Onkelz-Konzert auch nicht.
Es ist die klassische Wurst-Party, ca. 80 % der Besucher sind männlich – darum ist die Freude unter den Fans riesig also die traditionelle Tittenparade startet … Tittenparade? Irgendwelche Mädels, die das Pech haben grade auf den Schultern von jemand zu sitzen, sehen sich selbst plötzlich auf den riesigen Leinwänden und werden vom Publikum aufgefordert ihre Möpse zu zeigen. Fast alle machen dass dann auch – warum auch immer. Ja, in Zeiten von Youtube eine super Idee:

Da die Onkelz-Fangemeinde beinahe ein Jahrzehnt auf das Comeback warten musste, kann man davon ausgehen, dass die meisten von ihnen über 30 sind. Trotzdem wird Bier verschüttet, gerempelt und vereinzelt auch gepogt. Letztere sind sowieso die größten Arschlöcher, die man auf einen Konzert finden kann. Zielgenau suchen sich die „Poger“ immer die Leute aus, die man „Bier holen“ geschickt hat – danach sind alle Beteiligten und die umstehenden Zuschauer mit selbigem voll geschüttet. Kleiner Tipp, wenn du den hüpfenden Idioten schon nicht ausweichen kannst, positionier dich hinter ihnen, dann siehst du wenigstens, wenn sie auf dich zufliegen.

Geld ist nicht die Welt, oder doch?

„Ich will, dass ihr begreift, dass wir nicht hier sind wegen der Juwelen!“ verkündet Stephan Weidner, Bassist und Sprachrohr der Band. Naja, ein Bisschen schon. Aber ist ja auch kein Problem, das Onkelz Publikum ist nicht so mittellos wie man es gerne hinstellt. Auf dem Weg vom Zeltplatz Richtung Konzert, stehen die Audis, BMWs und andere Nobelcarossen in neuster Generation in Reihe und Glied. Da braucht man kein schlechtes Gewissen wegen der „Juwelen“ zu haben.
Der offizielle Grund für das Comeback ist, man habe sich wieder zusammengerauft und Sänger Kevin Russel nun endgültig clean sei. Letzters will man kaum glauben, denn in Sachen Bühnenpräsenz ist er das deutsche Pendant zu Ozzy Osbourne. Russel einst ein blonder Hüne, sieht jetzt aus wie der Typ an der Tanke der immer das billige Dosenbier trinkt. Darum warnt er zurecht: „Finger weg von den Drogen!“ Und ihm glauben wir’s auch.

Fazit

In den Leitmedien, wird das Comeback der Band durch die Bank belächelt. Es wird so dargestellt, als habe sich die soziale Unterschicht wieder mit ihren Helden von damals vereint. Es ginge eigentlich nur den Zusammenhalt und nicht um die Musik, die sei schließlich unerträglich – schlechte Menschen, schlechte Lieder.
Das ist Quatsch, denn die Onkelz können viele großartige Songs vorweisen und haben natürlich auch einige scheiß Lieder. Aber das ist bei den Hosen oder Ärzten genau das selbe.
Zusammenfassend war das Böhse Onkelz-Comeback, eine gut organisierte Veranstaltung, die optisch und musikalisch beeindruckend hat – das Comeback ist vorerst geglückt.

Foto: onkelz.de © 3sechs.de

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