Maxïmo Park: »Leider ist unser Bier restlos ausverkauft!«

Am 25. Juli spielt die englische Band Maxïmo Park in der poolbar Feldkirch. Der Keyboarder Lukas Wooller plauderte mit uns über seine Lieblingsalben, Bier und Informationsüberfluss.

Euer aktuelles Album »Too Much Information« ist elektronischer als seine Vorgänger. Seid ihr mit der Zeit gegangen oder hattet ihr andere Gründe dafür?
Auf jedem Album probieren wir verschiedene Wege des Songschreibens aus. Bei »The National Health« haben wir gemeinsam viel Zeit in einem Raum verbracht und wir haben uns dieses Mal entschieden, etwas anderes zu machen. Vieles von unserem neuen Material wurde von jedem separat bei sich zu Hause geschrieben, oft auf unseren Laptops mit elektronischen Sounds und Software. Wir haben dieses Album auch selbst produziert und wir wollten unseren Sound in keinster Weise einschränken oder uns Sorgen machen, wenn jeder Song ganz anders als alle anderen klingt. So haben wir dem Album seinen ganz eigenen Charakter gegeben.
Am Ende des Tages ist es aber einfach nur ein Maxïmo Park-Album. Wir haben nie einen fixen Zeitplan bei einem Album. Wir lassen die Kreativität und die Gestaltung bestimmen, wie das Album klingt. Ich glaube, je älter wir werden und je selbstbewusster wir mit uns selbst und unseren Fähigkeiten sind, v.a. jetzt, wo wir unser eigenes Studio haben und tun und lassen können, was wir wollen, hört man mehr Rohheit und Sinn für Spaß in unserer Musik.

Als ich »Leave this Island« zum ersten Mal im Radio hörte, dachte ich, es sei ein neuer Depeche Mode-Song. Er bricht musikalisch auch ein wenig aus dem Album heraus – ist das eure neue Richtung?
Nein. Wie all unsere Alben, enthält »Too Much Information« eine große Vielfalt und kein Song kann einen anderen repräsentieren. »Brain Cells« war einer der ersten Songs, den wir geschrieben haben und er enthielt Leerstellen, die wir zuvor eigentlich nie in einem Maxïmo Park Song hatten. Früher haben wir gemeint, es ist notwendig, dass wir alle immer spielen, was einen speziellen Sound kreiert hat, den wir auch noch immer mögen. Wie auch immer, einen Song mit nur einem Moog (Anm. d. Red.: elektronisches Musikinstrument/Synthesizer) zu schreiben, erlaubt Paul auf eine andere Art und Weise zu singen, was uns den Mut gab mehrere verschiedene Dinge auszuprobieren. Und so fühlte es sich ganz natürlich an, dann einen Song wie »Leave This Island« zu schreiben, der tief in seinem Herzen eine Klavier-Ballade ist. Wir haben dann aber viele Synth-Ideen verwendet um ihm Leben einzuhauchen.

Über welches Thema würdest du am liebsten nicht so viel wissen? Worüber bekommt man deiner Meinung nach too much information?
Ich glaube nicht, dass es möglich ist, zu viel Information zu haben. Das Problem ist, dass wir sie nicht zu verstehen wissen. Ich möchte niemandem sagen, dass er oder sie über etwas nichts wissen darf – ganz egal ob es Trivialitäten des Liebeslebens eines Promis sind oder die Machenschaften der Außenpolitik einer großen Nation. Kinder sollte schon in jungen Jahren lernen, wie sie mit Informationen in unserer heutigen Zeit umzugehen haben. Sie sollten die Fähigkeit erlernen, zu verstehen, was wichtig ist und was nicht; was bloße Fakten im Zusammenhang mit ihrem eigenen Leben bedeuten; wie sie sich durch die Flut an Informationen arbeiten und herausfiltern können, was bedeutende Infos sind und was eigentlich nur Ablenkung ist. Alan Moore spricht schon Jahrzehnte lang von einem Wendepunkt, der laut ihm noch vor 2020 eintreffen wird, wo sich die Menge an menschlicher Information jede Sekunde zu verdoppeln beginnt. Aktuell verdoppelt sie sich jedes Jahr. Das ist die Welt, in die wir unsere Kinder setzen und wir müssen ihnen beibringen, damit umzugehen.

Wieso habt ihr die erste Single vom Album »Too Much Information« kostenlos zum Download zur Verfügung gestellt?
Wir hatten das Gefühl, dass »Brain Cells« ein ganz anderer Maxïmo Park-Song ist, der nicht nur unseren Fans gefällt, sondern auch einem Publikum, das normalerweise nicht daran denken würde, sich unsere Musik anzuhören. Unsere Songs sind für jedermann; die Songtexte bieten viel Raum für Interpretation; die Emotionen mit denen wir uns beschäftigen, sind normale menschliche Emotionen, die jeder irgendwann einmal fühlt. Die Energie der Songs sollte für jeden spürbar sein, egal was für einen Hintergrund er hat. Wir möchten niemals jemanden ausschließen, Maxïmo Park zu hören, egal in welches Genre uns Journalisten einsortieren wollten. Und mit der Veröffentlichung eines jeden neuen Albums möchten wir die erlangte Vorstellung von Maxïmo Park, die in der weiten Welt existiert, verändern.
Bezüglich zukünftigen Veröffentlichungen, ich habe gehört, dass Scott Walker eine Kollaboration mit Sunn veröffentlicht – was sehr interessant zu hören sein wird (grinst).

Die erste Hälfte des Jahres ist schon vorbei. Welches Album ist für euch bisher das beste und auf welche Veröffentlichungen freut ihr euch noch?
Es war bis jetzt ein gutes Jahr! Ein Album, welches mir unglaublich gut gefällt, ist das Todd Terje-Album – mit dem hatte ich so viel Spaß am Musikhören, wie schon lange nicht mehr! Auch meine Freunde lieben es und bei jeder Party legen wir es früher oder später ein – es ist bis jetzt definitiv der Sound des Sommers für mich.
In intimerer Hinsicht, ist das neue Sun Kil Moon-Album unglaublich. Es kommt nicht oft vor, dass ein Album eine ganze Serie von Songs enthält, die sofort wie Klassiker klingen. Das ganze Album beschäftigt sich mit dem Tod, aber auf eine sehr reale, bodenständige Weise, die jeder nachvollziehen kann – ich glaube diese Songs werden noch viele Jahre lang auf Beerdigungen gespielt werden.

Wir haben gelesen, dass ihr ein selbstkreirtes Bier »Maxïmo No. 5« für eure Fans in der UK habt, werdet ihr es auch nach Feldkirch mitbringen? Oder zumindest für uns? ;)
Nein leider, weil wir restlos ausverkauft sind! Wir dachten es wäre lustig, ein Bier mit einer lokalen Brauerei in Newcastle, unserer Heimatstadt und bekannt für ihre Trinkkultur, zu machen. Ale (Anm. d. Red.: dunkles Bier) ist zudem auch sehr Englisch. Wir haben mehrere Biere getestet und ein Bier kreiert, welches wir alle mochten. Und wir haben ihm 5% Alkohol gegeben, weil wir gerade unser fünftes Album gemacht haben.

Maximo Park Bier

Wenn auch leider nicht auf Bier, worauf können sich die poolbar-Festivalgänger sonst noch freuen?
Momentan haben wir sehr viel Spaß, unser neues Album für Menschen auf der ganzen Welt zu spielen. Wir haben aber viele Songs und versuchen etwas von jedem Album zu spielen, wenn wir bei einem Festival wie dem poolbar Festival spielen. Wir möchten niemanden enttäuscht nach Hause gehen lassen!

Das poolbar-Festival ist bekannt für seine intime Atmosphäre. Spielt ihr lieber auf Festivals mit einem kleinen Publikum oder vor tausenden Fans?
Jedes Publikum ist wichtig für uns – für wen wir auch spielen, wir versuchen die Leidenschaft und die Emotionen unserer Songs zu vermitteln und hoffen, dass jeder unser Konzert mit einem neuen Blick auf die Welt oder sein Leben verlässt.

Apropos große Festivals: Was war das für ein Gefühl, 2005 für Rock am Ring gebucht zu werden, obwohl das erste Album noch nicht einmal veröffentlicht wurde?
Es war ein sehr aufregendes Gefühl – es war eine unglaubliche Zeit und wir hätten nie gedacht, dass ein Land wie Deutschland, in dem Englisch nicht die Muttersprache ist, uns so schnell annehmen würde. Es bestätigte uns sehr, Menschen außerhalb unseres Landes zu sehen, die so stark mit unseren Songs verbunden waren.

Ihr habt Sänger Paul einst als »einen Verrückten, der im Anzug herumspringt« bezeichnet. Wieso denn das?
Ich nehme an, wir haben ihn tatsächlich mal so beschrieben. (lacht) Paul war der letzte, der 2001 zu Maxïmo Park kam. Wir vier waren auf der Suche nach jemandem, der die Spitze des Pfeils, unserer Musik, sein konnte. Wir haben Paul gesehen, wie er in seiner Instrumentalband Gitarre spielte und eine unglaubliche körperliche Präsenz ausstrahlte. Wie die Musik buchstäblich durch seinen Körper floss und ihn verrückt machte. Wir mochten die pure Freude, die er an der Musik hatte und obwohl wir nicht wussten, ob er singen konnte, schien er perfekt für unsere Musik zu sein.

Bilder: Universal Music und Cronicle Live

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