MovieFreaks #5: Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein

Aus der Reihe »100 Filme, die du (wahrscheinlich) nicht kennst, aber gesehen haben musst«.

Beim Film Nummer 5 handelt es sich ebenfalls um einen meiner Lieblingsfilme. Aufgrund der hochwertigen Starbesetzung würde man meinen, diesen Film müsste jeder kennen, aber – wie so oft in dieser Rubrik – er ist aus unerfindlichen Gründen untergegangen und hat nie das große Publikum erreicht. Aber dafür bin ich ja hier, um euch ein bisschen über diesen Film zu erzählen.

Inhalt

Die Geschwister David (Tobey Maguire) und Jennifer (Reese Witherspoon) sind das, was man als typische Teenager der 90er Jahre bezeichnen würde. Und wie es bei Geschwistern oft der Fall ist, sind die beiden sehr verschieden. David ist der Ruhige, der immer brav lernt und nie aus sich herausgeht. Er sieht sich mit Vorliebe im Fernsehen Pleasantville an, eine schwarz-weiß Serie aus den 50ern, von der er jede Folge auswendig kann. Jennifer interessiert sich dagegen mehr für das Abenteuer Leben, Partys, Rauchen und Jungs.

Eines Abends, als die Fernbedienung für den Fernseher durch einen Streit der beiden um die Selbige zu Bruch geht, steht seltsamerweise gleich der TV-Mechaniker vor der Tür und bringt ihnen eine neue. David und Jennifer streiten anschließend sofort um die neue Fernbedienung, als sie gleichzeitig auf den roten Knopf drücken. Plötzlich werden sie in die Fernsehserie Pleasantville teleportiert und sind nur noch schwarz-weiß. David wird in die Rolle von Bud Parker und Jennifer in die von Mary-Sue Parker befördert.

David hat nichts dagegen, in Pleasantville zu leben, dem scheinbar perfekten Ort, wo die Menschen freundlich und respektvoll miteinander umgehen, jeden Tag die Sonne scheint und das Feuer in Wirklichkeit gar nicht brennt. Jennifer allerdings langweilt sich sehr und versucht so zu leben, wie sie es aus ihrem echten Leben gewohnt ist. Nach und nach bringt sie dadurch buchstäblich Farbe in das triste und scheinbar vollkommene Leben der Pleasantville Bewohner.

Warum jeder diesen Film sehen sollte

Weil dieser Film nicht nur Spaß macht, sondern auch voller Symbolik steckt. Gary Ross (Regie) verdeutlicht uns formal die inhaltlichen Gegensätze, indem er die Gegenwart farbig und die TV-Welt der 50er Jahre schwarz-weiß gestaltet. Dieses Stilmittel bekommt im Laufe des Films eine enorme Aussagekraft. In diesem sehr statischen Entwurf der „farblosen“ und biederen 50er, inklusive der traditionellen Rollenverteilung und getrennten Betten, werden verbotene Veränderungen durch die ersten Farbtupfer gekennzeichnet. Schließlich verbreitet sich die Farbe in Pleasantville wie eine Epidemie.

Weil Ross es schafft, seine beiden Welten nicht in Gut und Böse aufzuteilen. Er verurteilt das Konservative nicht, sondern lässt uns sehnsüchtig nach dieser vollkommenen Welt schmachten. Gelichzeitig macht er uns klar, dass Perfektion nur ein Traum ist.

Weil die Besetzung perfekt gewählt: Tobey Maguire (Spiderman), wird erst als Bud Parker der selbstbewusste Mensch, der er als David nie war. Reese Witherspoon (Walk the Line) ist als Jennifer für die Farbe im Film verantwortlich. Die eindrucksvollsten Darbietungen geben aber die Veteranen Joan Allen (Nixon), William H. Macy (Fargo, Shameless) und Jeff Daniels (Dumm und Dümmer). In den Nebenrollen keine Geringeren als: Paul Walker (Fast & Furious) und Marley Shelton (Sin City).

Und natürlich, nicht zu vergessen: Der Film liegt mir besonders am Herzen, weil er gleichermaßen lehrreich wie unterhaltsam ist. Was will man mehr?

Wissenswertes

– Der Name Gary Ross kommt euch bekannt vor? Ja, das ist der Typ der „Die Tribute von Panem“ gemacht hat, aber nur den ersten Teil. Außerdem hat Ross, bevor er mit Pleasantville seinen eigenen Film schuf, Drehbücher für die Verwechslungskomödien „Dave“ und „Big“ geschrieben.

– Der Film wurde komplett in Farbe gedreht. Diese wurde erst in der Postproduktion aus den Schwarzweiß-Szenen entfernt.

– In der Gerichtsszene müssen alle Menschen, die Farbe angenommen haben, in den oberen Ebenen sitzen. Das erinnert an die Szene aus dem Film „Wer die Nachtigall stört“ (1963), in der alle Farbigen (Afro-Amerikaner) auch in den obere Ebene sitzen.

– Die beiden Bücher, von denen Bud (David) den Jugendlichen von Pleasantville erzählt, „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ und „Der Fänger im Roggen“, sind die beiden Bücher die in den Vereinigten Staaten am häufigsten verboten wurden.

– In einer Reihe von Szenen kann man das Haus, das in „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“ (1987) verwendet wurde, sehen. Es befindet sich genau gegenüber von Bud und Mary-Sue’s Haus auf der anderen Straßenseite.

Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 1998
Regisseur: Gary Ross
Drehbuch: Gary Ross
Produktion: Bob Degus, Jon Kilik, Gary Ross, Steven Soderbergh
Kamera/Schnitt: John Lindley
Länge: 120 Minuten
Altersfreigabe: FSK 6
Besetzung: Tobey Maguire, Reese Witherspoon, William H. Macy, Joan Allen, Jeff Daniels, Don Knotts, Paul Walker, …

Pleasantville

Kennt ihr den Film schon? Wenn nicht, habe ich es geschafft euch neugierig zu machen? Kennt ihr andere Filme mit ähnlich viel Symbolik, die auf einfache Weise verdeutlicht wird?

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