Wildfang Wallis Bird in der poolbar

Wallis Bird in der Poolbar Feldkirch

Die gebürtige Irin und nun in Berlin lebende Singer/Songwriterin Wallis Bird sprüht vor Energie, das bewies sie zuletzt schon bei ihrem FM4 Überraschungskonzert vor zwei Jahren. Am 8. August konnte man sich beim poolbar festival erneut davon überzeugen. 

The Bianca Story

Die fünf Basler Musiker beehrten den Westen zum ersten Mal. Am Anfang des Konzerts blieb der Bereich direkt vor der Bühne frei – typisch für die Vorarlberger, die müssen immer erst warm werden – der Sänger Elia nannte ihn deshalb »Haifischbecken«. Er forderte die Zuseher dazu auf, ihre Hemmungen fallen zu lassen und ausgelassen mitzufeiern: »Forget about your father, forget about your teacher!« Die durchaus tanzbare Musik von The Bianca Story holte bald jeden Muskel im Publikum zurück aus dem Ruhezustand. Selbst der Keyboarder verließ immer wieder seinen Platz, um in seinen Spielpausen wild auf der Bühne herumzuspringen. Man könnte die Band auch locker buchen, um Kurse im Fitnessstudio zu geben.

poolbar: The Bianca Story

Das anfangs zurückhaltende Publikum verlangte eine Zugabe, die bekam sie auch: »Habt ihr Lust auf einen Rave?« Der Song »Does Money Matter« wird in die Länge gezogen – und das ist gut so! Elia mischt sich unters Volk und springt wieder wild durch die Gegend. Am Ende findet er zum Rest der Band zurück und hält sein Mikro auf den Babybauch von Sängerin Anna. Ich bin mir sicher, das Baby hat mitgesungen.

Wallis Bird

Die Nerven der Konzertbesucher wurden auf die Probe gestellt, denn das für 22.15 Uhr angekündigte Konzert startete wegen Tonproblemen 45 Minuten später. Als die Band dann mit einem Instrumental das Konzert einleitete und Wallis kurz darauf die Bühne betrat und die ersten Töne sang, merkte man, dass die technischen Probleme immer noch nicht ganz behoben waren. Das änderte sich leider bis zum Ende des Auftritts nicht, Wallis war für meinen Geschmack etwas zu laut. Wallis war trotzdem ausgezeichnet gelaunt und energiegeladen – sie zerfetzte bereits beim zweiten Song eine Saite.

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Das bunt gemischte Publikum war trotz langer Pause noch aufgeheizt von der Vorband und machte sofort bei den Background-Gesangsübungen mit, die Wallis anstimmte. Bei »To my Bones« war das halbe Publikum sogar textsicher und sang Zeile für Zeile mit. Die quirlige Irin erzählte zwischendurch auch mal ein paar Witze und immer wieder entkamen ihr das eine oder andere »Fuck«. Doch bei Wallis klingt das nicht vulgär, es lässt sie nur noch sympathischer wirken.

Beim Song »I can be your Man«, einem ihrer neuesten Stücke, tauchte die Sängerin immer wieder ab, um die Loopstation zu bedienen. Dass ihre gewaltige Stimme auch ganz ruhig und fast schon zerbrechlich klingen kann, zeigte sie auch. Leider konnte man dies wegen des zu lauten Publikums nicht immer genießen. Den Song »River of Paper« performte sie zum Teil a cappella mit den beiden Backgroundsängern mitten im Publikum. Endlich war jeder im Pool mucksmäuschenstill.

Man verlor irgendwann den Überblick, wie viele Gitarren sie beim Konzert mithatte, sie wechselte sie sogar mitten in den Liedern. Bei einem Rasenmäherunglück als Kind wurden der Sängerin übrigens alle Finger der linken Hand abgeschnitten. Da nur mehr vier wieder angenäht werden konnten, spielt Wallis ihre Rechtshändergitarren mit verkehrt herum gespannten Saiten.

Bei der Zugabe bedankt sich Wallis für die »geile, geile Nacht«. Das Akustikkonzert von Wallis Bird vor zwei Jahren gefiel mir persönlich besser, doch das lag vor allem am suboptimalen Ton und am plaudernden Publikum.

Bilder: Matthias Rhomberg

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