Beatsteaks: »Mach das Licht an!«

Beatsteaks

Die Beatsteaks gaben im Dornbirner Conrad Sohm ein Gratis-Konzert, organisiert von FM4, und wir waren eingeladen. Da die Musikredaktion aber verplant war, lag es an mir – dem Einzigen im Ländle Magazin-Team, der eine Band lieber im Radio hört als live sieht – darüber zu berichten.

Wie es zu erwarten war, stieß das FM4-Überraschungskonzert auf großen Anklang. Bereits zu Mittag sollen die ersten Fans eingetroffen sein. So viel Zeit habe ich aber nicht, deshalb treffe ich erst gegen halb neun in Dornbirn ein, wo mich ein straffer Fußmarsch von der Karrenbahn bis zum Prachtclub erwartet, denn alle Parkplätze sind besetzt. Doch zu unserer Überraschung sind wir nicht allein. Es gibt viele, die noch hoffen, einen Platz für’s Konzert zu ergattern, obwohl bereits im Vorfeld bekannt geben wurde: Wenn es voll ist, ist es voll.
Es formierte sich eine lustige Wandertruppe von ca. 15 Leuten, die sich Richtung Sohm aufmacht. Aber als uns die ersten entmutigten Wartenden entgegen kommen, ist die Stimmung unserer Weggefährten nicht mehr so ausgelassen. Als wir die leuchtenden Lettern des Conrad Sohm erblicken, zeichnet sich auch die Menschen­masse ab, die nach Einlass verlangt. Ich trenne mich von meinen neuen Freunden, die angesichts des hoffnungslosen Unterfangens ganz schön angepisst sind.

Beatsteaks, FM4 Überraschungskonzert, Conrad Sohm

FM4 sei Dank bin ich auf der Presseliste vermerkt und musste nicht anstehen. Nach einigen „He, wieso kommt der rein?!“-Rufen der empörten Wartenden, bin ich drin. Viele werden mir nicht mehr folgen, denn der Prachtclub platzt aus allen Nähten. Für jemanden wie mich, der überfüllte Einkaufszentren an Samstag Nachmittagen aus Prinzip meidet, sind das die idealen Bedingungen für einen angenehmen Konzertabend – Ironie off.

Die kurze Zeit bis zum Auftritt der Beatsteaks vertreibe ich mir an der Bar. Glücklicherweise bleibt man von einer Vorband verschont – ich hasse Vorbands. Sie sind wie die nervende Werbung, die man sich im Kino immer ansehen muss, bevor die Trailer kommen. Ja, Trailer sind im Gegensatz zu Vorbands super.

Licht aus. Hintergrundmusik aus. Die auf der Veranda wartenden Massen stürmen in die ehrwürdige Halle des Conrad Sohm. Falscher Alarm, es geht noch nicht los, die Band lässt noch auf sich warten. Ich finde mich in einem unerträglichen Gedrängel, Geschubse und Geschimpfe sympathischer Zeitgenossen wieder. Ja, genau deshalb liebe ich Konzerte.

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Nachdem ich mit sanfter Ellbogentechnik einen ganz passablen Platz errungen habe, betreten die fünf Berliner die Bühne. Wenn man nur wenige Schritte vor einer Band steht, die sonst vor deutlich größerem Publikum spielt, bietet der Prachtclub eine ganz besondere Atmosphäre. Die Beatsteaks rocken endlich los.
Bereits beim zweiten Song Milk and Honey beginnt die Menge zu crowdsurfen und zu pogen. Mitmachen oder zusehen? Hier setzt bei mir der Murtaugh-Effekt ein: „Ich bin zu alt für den Scheiß“. Was ich noch nicht weiß: Wie alle anderen werde auch ich später doch noch begeistert rumspringen.

Für einen Beatsteaks-Freund aber nicht Hardcore-Fan gibts zwei erfrischende Neuigkeiten: Die Berliner singen auch auf Deutsch und stimmen gerne mal das ein oder andere Cover an, wie z.B. Pixies mit Where is my Mind. Lustig. Neben Evergreens wie Hello Joe, Hand in Hand oder I Don’t Care As Long As Sing, werden auch neue Songs wie Gentleman Of The Year. Die Band gönnt ihrem Publikum keine Pause. Man merkt dann auch, dass Rumspringen anstrengend ist – es wird heißt, die Leute schwitzen, die klimatischen Bedingungen tendieren in die Richtung einer türkischen Sauna. Zur Abkühlung werfen hilfsbereite Gäste hin und wieder volle Bierbecher in die Menge. Da ich an einer „Durchzugsstraße“ stehen, streifen und reiben sich ständig verschwitzte und mit Bier überschüttete Menschen an mir. Der anfängliche Ekel bleibt bis zum Schluss, flacht aber glücklicher Weise zwischenzeitlich ab.

Frontmann Arnim scheint von der Gesamtsituation sehr angetan zu sein, mehrfach bittet er darum, das Licht anzumachen, damit er das Publikum besser sehen kann. Er wechselt von der Bühne zur Bar, tanzt im Coyote Ugly-Style auf selbiger und geht mit dem Publikum auf Tuchfühlung. Einzelne Crowdsurfer werden auf die Bühne gehoben und dürfen mit der Band tanzen, bis sie wieder zurück ins Publikum springen. Mit dem Versprechen eines baldigen Wiedersehens verabschiedet sich die Band und kommt für eine kurze Zugabe zurück.

Nach ca. eineinhalb Stunden, geht das Licht zum letzten Mal an. Ein fabelhaftes Konzert ist um. Die Beatsteaks verstehen es, das Publikum zu begeistern und liefern ein kurzweiliges und mitreißendes Konzert ab – sogar für einen wie mich. Danke Beatsteaks, danke verschwitzte Menschen, danke FM4.

Bilder: © FM4/Pete Ionian

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