Tattoo Convention Bregenz: Das verflixte 7. Jahr

Bei Bregenz denkt man unweigerlich an drei Dinge: Berge, Bratwurst, Bodensee. Eigentlich eine gute Mischung, doch es geht noch besser. Denn zu Wandersglück und Gaumenfreud, gesellt sich seit 7 Jahren an jedem letzten August Wochenende, eine weitere Attraktion hinzu: Die Tattoo Convention Bregenz!

Ist man es fast schon gewöhnt, dass Tattoo Conventions in mausgrauen Messehallen und dunklen Veranstaltungssälen abgefeiert werden, so stellte die 7. internationale Tattoo Convention in Bregenz eine willkommene Abwechslung dar. Wie bereits in den Jahren zuvor, hatte man sich keinen geringeren Ort als das weltbekannte Bregenzer Festspielhaus ausgesucht. Moderne Architektur, helle Räumlichkeiten, verglaste Fensterfronten in Kombination mit einem wunderschönen Blick auf den Bodensee. Es ist ein Ambiente, das Körperkunst und Tätowierhandwerk in einem zeitgemäßen Umfeld präsentiert. Man traut sich raus, und man bekennt Farbe.

Bereits am Freitag Abend wurde die Convention mit einem großen Buffet für alle angereisten Künstler und Aussteller eingeleitet. Vorzügliches Essen und heimische Braukunst ließen bis spät in die Nacht die Gesichter der Feiernden freudetrunken erstrahlen.

Für einen kleinen Dämpfer sorgte jedoch gleich zu Beginn, die Ansprache von Andy Haller, seines Zeichens Organisator und Hauptverantwortlicher der Messe. Dieser verkündete, die Bregenz Tattoo Convention vorerst ein letztes mal zu veranstalten. Es sei nun die Zeit gekommen, sich seiner Familie, seinen Freunden und seinem Studio „Fat Foogo“ zu widmen, nachdem er „über 7 Jahre unentwegt für die Veranstaltung gelebt“ hätte. Aufgrund der extravaganten Location und dem schönen Ambiente eine äußerst bedauernswerte Entscheidung. Doch wer weiß was die noch Zeit bringen wird.

An den kommenden zwei Tagen lockte die Convention einige Tausend Besucher in das mondäne Festspielhaus am Ufer der Bregenzer Bucht. Auf drei Stockwerken drückten sich regionale wie internationale Künstler die Tätowiermaschinen in die Hand. Das Line-Up konnte sich sehen lassen: Royal Skin Art waren extra aus Taiwan angereist um farbenprächtige Motive unter die Haut zu bringen. Aus den USA war Tony Mancia angereist und auch die nahe Schweiz war unter anderem mit den bekannten Old Century vertreten. Für musikalische Unterstützung sorgten im Foyer des Hauses die Band „Dead Beatz“, die feinsten, staubig-bluesigen Rock´n´Roll -Sound durch die Räumlichkeiten donnerten – der bis weit auf den Vorplatz des Gebäudes schallte. Auch hier hatte man keine Bescheidenheit walten lassen und eine ganze Reihe an Klassikern aus den 50er und 60er Jahren geparkt! Vor Allem ein mattschwarzer Dodge Charger ließ Männeraugen tränen und so manche Frauenstirn runzeln.

„Macht Bregenz bunt!“ hallte an beiden Tagen immer wieder die Stimme des Veranstalters Andy Haller durch die Gänge. Und sowohl Künstler als auch Besucher gaben sich redlich Mühe, dieser Aufforderung gerecht zu werden. Wanna-Dos wurden abgestaubt, Flash-Books durchwühlt, Haut verschönert.  Ein wenig energischer als sonst – vielleicht auch aufgrund des nahes Endes.

Am Sonntag weinte selbst der Himmel und tauchte ganz Bregenz in ein nasskaltes Grau. Ohne Unterbrechung regnete es, bis sich die Convention-Tore ein letztes mal schlossen. Eine Veranstaltung besonderer Art geht zu Ende. Sieben Jahre Tattoo Convention Bregenz, sieben Jahre Tattoo-Kunst und Bodyculture in Voralberg. Sieben Jahre Lifestyle und Farbe am südöstlichsten Strand des Bodensees. Conventions dieses Kalibers gibt es leider wenige. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und vielleicht assoziiert man mit Bregenz schon bald wieder Berge, Bodensee und anstelle kulinarischer Besonderheiten, jede Menge fette Lines, geile Motive und den auffordernden Satz eines idealistischen Veranstalters: „Macht Bregenz bunt!“.

NACHTRAG: Bei der Aufforderung „Macht Bregenz bunt!“ handelte es sich nicht um die Durchsage von Andy Haller, sondern von Moderator Manuel Slappnig. Sorry, Herr Slappnig.

Fotos & Text © Max Marquardt

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