Albumkritik: Blonder Engel – Band ohne Message

Blonder Engel: Band ohne Message

Mit dem Albumtitel Band ohne Message wird etwas tiefgestapelt. Mit dem Namen „Blonder Engel“ gekonnt gespielt. Blonder Engel singt auf seinem neuen Album vom Klimawandel, Kasperl, Teufel und Roli Gratzer. Erscheinen wird das musikalische Kabarett am 10. Oktober.

Blonder Engel

Blonder Engel

Sein Alter Ego „Blonder Engel“ ließ der Linzer Felix Schobesberger 2008 vom Himmel fallen, seit 2011 tritt er mit der Hedwig Haselrieder Kombo auf. Auf der Bühne trägt „Blonder Engel“ nicht viel: eine goldene Leggings, Flügel, Brille und eine Gitarre – und sein engelsgleiches Haar selbstverständlich. Die tiefe Stimme überrascht unvorbereitete Kabarettmusik-Besucher mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens genauso wie sein Bühnenoutfit.

Der FM4 Protestsongcontest hat „Blonder Engel“ 2011 einem breiteren Publikum bekannt gemacht. Im Song namens „What else?“ rechnete er mit der Nespresso-Kultur ab und erreichte damit den vierten Platz – das Lied wurde auf YouTube bereits über 320.000 Mal angesehen. Bei „Die Große Comedy Chance“ musste er sich ein Jahr später den zweiten Platz mit „Ka(rl)barett“ teilen und 2013 gewann „Blonder Engel“ den Münchner Kabarett-Kaktus.

Band ohne Message

Die Schattenseiten des Ruhms besingt „Blonder Engel“ in Kasperl: Dieser fürchtet sich davor, dem ORF irgendwann nicht mehr lustig genug zu sein und gleich wie Konfetti und Rolf Rüdiger abgesetzt zu werden. Dieses Lied machte mich neugierig und ich musste mit Erschütterung feststellen, dass der Held meiner Kindheit offensichtlich dem Wahn der ewigen Jugend verfallen ist und sich so vielen Schönheits-OPs unterzogen hat, dass ich ihn auf der Straße nicht wiedererkannt hätte. Armer Kasperl …

Kasperl

Im Song I was ridin‘ on my Einhorn and Fandango was his Name erklärt uns Felix Schobesberger, dass es die Überbürokratisierung, die uns heutzutage das Leben oft erschwert, schon viel länger gibt als angenommen. Und beweisen kann er das auch: Dinosaurier sind genormte Drachen ohne Flügel und Feuerspei-Fähigkeit.

Das Stück Sommer in Soizkaummerguat sollte auf den Sommer 2014 in ganz Österreich umgeschrieben werden: „Wenn die Regntropfn auns Fenster klopfn, daun is Sommer in Soizkaummerguat …“ (man verzeihe mir den wahrscheinlich falsch geschriebenen Dialekt).

In Sapporo erzählt „Blonder Engel“ von seinem Trivial Pursuit-Spiel gegen seinen Freund Roli Gratzer und beschwert sich, dass der FM4-Moderator nicht einmal im Traum daran denken hätte dürfen, „Blonder Engel“ zu besiegen – das macht man als guter Besuch einfach nicht. Merkt euch das!

Fazit

Möglicherweise ist für mich als Steirerin das Album etwas leichter anzuhören als für Vorarlberger, denn die tun sich aus meiner Erfahrung etwas schwerer mit „innerösterreichischer Dialekt-Kunst“. Ich kenne kaum einen Gsiberger, der meine Begeisterung für Muttertag oder Kaisermühlenblues teilt.

Da die Musik dieses Albums nicht so ganz meinen Geschmack trifft, wird für mich die Kombination aus Bild und Ton besonders wichtig. Nicht, dass die äußerliche Erscheinung eines Kabarettisten etwas mit der Qualität der Message zu tun hat, aber Gestik, Mimik und Aussehen verleihen dem Gehörten oft noch eine Note Extravaganz. Und ich werde mir seine Show gewiss ansehen, sollte er demnächst einmal in unsere Nähe kommen.

Einzig das Stück, dass dem Album seinen Namen gibt, stört mich auf dem Album so richtig. Es ist mir im Vergleich mit dem Rest von „Band ohne Message“ zu laut. Aber, wer keine Botschaft hat, muss sie vielleicht besonders laut in die Welt posaunen.

Meine Anspieltipps
3. Solang da Radio geht
4. I was ridin‘ on my Einhorn and Fandango was his Name
6. Sommer im Soizkaummerguat
7. Sapporo
10. I hob in Teufi lochn gseng

 

Fotos: Fabian Erblehner, okidoki.orf.at, kasperl.co.at

Unsere Bewertung

5

Nette Unterhaltung mit erhobenem Zeigefinger

Kommentar verfassen