Ein Stern der Hoffnung

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Hilfsprojekte für Afrika gibt es viele. Der Bau einer Grundschule, die ihren Fokus auf die wirklich wichtigen Notwendigkeiten der jungen afrikanischen Bevölkerung legt, ist allerdings neu. Die Daystar-Schule in der ugandischen Hauptstadt Kampala ist ein innovatives und mutiges Projekt, das gute Aussichten auf nachhaltigen Bildungserfolg schaffen könnte.

Jens Kessler lächelt zufrieden und blickt durch das hohe Fenster eines Münchner Cafés. Gerade hat er die Nachricht erhalten, dass die harte Arbeit von Monaten erste Früchte trägt. Der Spatenstich für den Bau der Daystar-Schule in Kampala ist vollzogen. Ein freudiger Augenblick, den man Jens sofort anmerkt. Dieser lehnt sich gelassen auf seinem Stuhl zurück und atmet erst mal tief durch. »Empathisch« beschreibt den 29-Jährigen wohl am besten. Wenn Jens erzählt, dann merkt man förmlich den Idealismus, die Hingabe und die Begeisterung, die es wohl auch braucht, um ein Projekt wie das des Baus einer Grundschule in Ost-Afrika zu stemmen.

Jens, der Internationale Entwicklung sowie Englisch und Geografie auf Lehramt studiert hat, weiß natürlich, dass Afrika im Thema Developement Studies ein Musterbeispiel ist. Seine Beweggründe, dennoch etwas für den Schwarzen Kontinent zu tun, sind allerdings andere. Seit seinem ersten längeren Auslandsaufenthalt in den Slums von Mumbai interessiert sich Jens für diese Thematik. So sehr, dass er sogar seine erste Master-Arbeit der Bildung von Slums widmete. »Ich glaube fest daran, etwas in der Welt verändern zu können. Die Eindrücke von Mumbai waren für mich unglaublich schockierend, die gesamte Thematik jedoch äußerst sensibel und spannend. Es macht mir einfach sehr viel Freude, aktiv mit Menschen zusammenzuarbeiten und zu versuchen ihnen ein qualitativ besseres Leben zu gewährleisten. Und in Uganda wollen wir genau das tun.«

Extrem niedriges Bildungsniveau

Ugandas Bevölkerung ist die jüngste der Welt. Über 50 % sind laut dem Human Developement Report unter 14 Jahren. Als eines der ersten Länder Afrikas, die von AIDS betroffen waren, sind heute ca. zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen sogenannte HIV-Waisen. Im Jahr 2009 wurden durch das Virus mehr als 1,2 Millionen Kinder in Uganda elternlos. Dies zieht verheerende Schwierigkeiten nach sich. Hohe Arbeitslosigkeit und die Entstehung von weitläufigen Slum-Gebieten sind die Folge. Auch das Bildungsniveau ist extrem niedrig. Laut einer Studie des Uganda Youth Networks hat das Land die höchste Rate an Schulabbrechern in ganz Ost-Afrika. Von 100 Schulanfängern kommen durchschnittlich nur 25 bis zur siebten Klasse. Schuld hierfür tragen zumeist extrem frühe Schwangerschaften, die auf eine mangelnde Sexualaufklärung zurückzuführen sind. Aber auch Armut ist ein ausschlaggebender Faktor, wie Jens erzählt. »Viele dieser AIDS-Waisen leben bei ihren Großeltern, die kein Geld haben, die Eltern zu versorgen. Die Kinder müssen somit arbeiten gehen. Dieses System aufzubrechen ist unglaublich schwierig. Ich weiß, dass genug Kinder da sind, die gerne zur Schule gehen wollen. Aber wenn auch vom Staat keine weitere Fürsorge kommt, dann erschwert das unsere Arbeit natürlich zusätzlich.«

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In einem Umfeld, in welchem man tagtäglich ums Überleben kämpfen muss, mag es paradox erscheinen, doch selbst in den Slums wissen die Menschen, dass man nur durch Bildung eine Chance auf eine nachhaltige Zukunft und möglicherweise auch auf ein besseres Leben hat. Doch die Kapazitäten von Bildungseinrichtungen, egal ob privat oder öffentlich, können dem Andrang von motivierten und lernbereiten Kindern nicht standhalten.

»Es nutzt niemandem etwas, jede Menge gute Grundschüler zu haben, die dann aber im Anschluss ihre Bildung nicht ausbauen.«

 Was kommt nach der Grundschule?

Analphabetismus ist allerdings noch omnipräsent. Über 30 % der in Uganda lebenden Menschen können weder lesen noch schreiben. Der Bau von Schulen ist ein guter Ansatz, dies zu ändern. Doch welche Aussichten haben die Schüler, nachdem sie eine Schule besucht haben? In Kampala gibt es eine Universität, doch ob die Schüler nach dem Besuch der Grundschule an eine Mittelschule oder gar an ein Gymnasium anknüpfen, um im Anschluss darauf zu studieren, ist fraglich. Auch Jens ist sich dieser Tatsache bewusst. »Nur Primärbildung reicht natürlich nicht aus. Das Ziel der Daystar-Schule ist es, die Kinder dahingehend zu motivieren, ihre schulische Karriere fortzusetzen. Es nützt niemandem etwas, jede Menge gute Grundschüler zu haben, die dann im Anschluss ihre Bildung nicht ausbauen.« Doch ob die akademische Infrastruktur Ugandas auch in der Lage ist, einer erhöhten Nachfrage von Studenten gerecht zu werden, ist nicht sichergestellt. »Es gibt definitiv Übertrittsmöglichkeiten in andere, weiterführende Schulen, es könnte aber wesentlich mehr sein«, sagt Jens und nippt vorsichtig an seinem Tee.

Die Daystar-Schule ist ein Projekt der ARISE-Foundation, einer gemeinnützigen Organisation, die ihren Sitz in den Slumgebieten Ugandas hat, also genau dort, wo die Not am größten ist. Die Organisation wurde 2008 gegründet mit der Intention sogenannte »Life-Skills« zu unterrichten. Das sind neben Integrität und Aufrichtigkeit auch ethische Themen, beruflich wie moralisch. Werte wie Zuverlässigkeit und ein gesellschaftsfähiges Sozialverhalten sind dabei ebenso wichtig, wie die Bereitstellung von Lehrmaterialien und die Sicherung eines guten, sozialpsychologisch starken Umfelds. Ebenso stehen Hygiene, Aufklärung und Menschenrechte auf dem Lehrplan.

»Wenn über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden wird, ist ein Scheitern vorprogrammiert!«

 Westliche Bürokratie

Jens nickt bedächtig und erklärt: »Das Problem ist, dass sich einfach nicht genügend mit den Strukturen vor Ort auseinandergesetzt wird.  Besonders wenn auch noch über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden wird, ist ein Scheitern vorprogrammiert. Es ist auch oft so, dass viele westliche Organisationen dermaßen komplexe Projektanträge fordern, dass sie für die Menschen vor Ort bereits ein unüberwindbarer bürokratischer Aufwand sind. Wenn es bereits so anfängt, wie sollen sich die Menschen dann mit so einer Sache gemein machen?«

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Genau hier hat die ARISE-Foundation mit dem Daystar-Projekt ein Alleinstellungsmerkmal. Planung, Bau, Umsetzung und Initiatoren sind Einheimische, die Organisation ist ebenfalls lokal basiert. Sobald die Schule steht, möchte sich Jens zurückziehen. »Es ist nicht meine Aufgabe, vor Ort zu planen, sondern Gelder zu generieren, damit die Menschen in Uganda ihre Vision erfüllen können. Doch selbstverständlich werde ich auch weiterhin nach Uganda fliegen, um dort den Menschen zu helfen. Auch wenn das Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde.«

Finanzierung

Bisher konnten durch Jens Arbeit mehrere tausend Euro an Spendengeldern akquiriert werden, doch um einen nachhaltigen Erfolg für die Daystar-Schule zu sichern, fehlen noch weitere Spenden. Um nicht nur Spendengelder einzutreiben, sondern selbst mit gutem Beispiel voranzugehen, hat Jens große Teile seines ersparten Geldes an die ARISE-Foundation gespendet. Nicht um andere zu motivieren, sondern aus tiefem, ehrlichem Idealismus.

Doch wem nutzen ein innovatives Lernkonzept und eine tolle Schule, wenn niemand davon weiß? Wie macht ARISE in Uganda auf sich aufmerksam? Jens: »Die Mundpropaganda läuft in Uganda generell sehr gut – besonders in den Slum-Gebieten. Tatsächlich läuft auch vieles über soziale Netzwerke. Die bisherige Nachfrage ist sehr gut. Es besteht auch eine Kooperation mit dem Ministerium für Bildung und Sport. Dieses unterstützt das Projekt allerdings erst, wenn die Schule gebaut ist. Das Paradoxe daran ist nur: Ohne eine feste materielle Struktur gibt es in Uganda auch keine staatliche Unterstützung.«

Der erste Spatenstich ist getan. Der Bau kann beginnen. Und mit jeder weiteren Spende, jedem weiteren Ziegelstein, wird bald unter einem schützenden Dach eine Schule entstehen, deren Fundament Zuversicht und Hoffnung sind.

Spendenkonto
Name: Jens Kessler, IBAN: AT40 2011 1822 5771 1300, BIC: GIBAATWWXXX, Bank: Erste Bank 

Text: Maximilian Marquardt, Fotos: Julian Hartwig (Beitragsfoto: © Keith Carey)
Infolink: Daystar-Schule 

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