#LäuftBeiMir: Better call Saul – Staffel 1

Who you gonna call? Gab es auf diese Frage in den 80ern nur eine richtige Antwort, haben die Jungs rund um Dr. Wankman spätestens Anfang dieser Woche starke Konkurrenz bekommen, denn am Montag startete die Serienhoffnung des Jahres: Better Call Saul.

Das Prequel zum Serienerfolg Breaking Bad wurde von Fans und Kritikern gleichermaßen ungeduldig erwartet. Erzählt wird die Geschichte von Jimmy McGill, der sich sechs Jahre vor den Ereignissen in Breaking Bad noch ohne sein Alias Saul Goodman als Pflichtverteidiger durchschlagen muss.

Deal zwischen amc und Netflix

Bisher hatten Seriengroßereignisse wie dieses für Deutschland, Österreich und die Schweiz immer einen miesen Beigeschmack. War es doch nur über halblegale Umwege möglich, die Meisterwerke ohne monatelange Verzögerung zu sehen. Better Call Saul geht da einen anderen, einen beispielhaften Weg.

Der produzierende US-Sender amc ist eine Partnerschaft mit dem Streaming-Dienst Netflix eingegangen. Während in den USA Better Call Saul erst nach der Ausstrahlung der kompletten ersten Staffel auf Netflix zu sehen sein wird, kann in Ländern ohne amc-Empfang, bereits am Tag nach der Erstausstrahlung die aktuellste Folge gestreamt werden – großartig!

Spoilers ahead

Wer noch nichts über die Handlung, Stimmung oder Besetzung von Better Call Saul wissen möchte, sollte nach diesem Absatz mit dem Lesen aufhören und stattdessen mit diesem Link selbst einen Blick ins Leben von Jimmy McGill werfen. Wer jedoch noch keinen Netflix Account hat, und auch kein Netflix-Abo plant, der sollte vielleicht noch warten, bis die gesamte Staffel online ist. So kann man sich alle Folgen bequem mit dem Netflix Probemonat ansehen und das Abo danach mit nur einen Klick kündigen.

This is Jimmy McGill

Die Produzenten Vince Gilligan und Peter Gould präsentieren die Serie deutlich düsterer, als es viele dem eher lustigen Breaking Bad-Charakter zugetraut hätten. Jimmy trägt billige Anzüge, hat ein winziges Büro im Hinterzimmer eines Nagelstudios und fährt ein Auto, das gravierend an die Schrottkarren aus der MTV-Serie Pimp My Ride erinnert. Während er nach außen versucht den Schein einer großen, erfolgreichen Anwaltskanzlei zu schaffen, kämpft er sich mit lausigen kleinen Pflichtverteidigungsjobs durch. Doch das Geld wird immer knapper und die kalte, blecherne Stimme des Anrufbeantworters prophezeit mit den Worten „You have zero massages“, dass keine Besserung in Sicht ist.

Mit bewusst zähflüssig inszenierten Passagen werden die Zuschauer gekonnt in die Gefühlswelt von Jimmy gezogen. Im Kontrast dazu wird in schnell geschnittenen Montagen gezeigt, wie er bei Gerichtsverhandlungen in spitzzüngige Redefeuerwerke ausbricht oder sich in der Toilette selbst anfeuert. Diese Szenen lassen immer wieder Erinnerungen an den Saul aufkommen, der aus Jimmy noch werden soll.

Wiedersehen macht Freude

Bereits in den ersten zwei Folgen gibt es zwei, von hoffentlich vielen Cameoauftritten schon bekannter Charaktere. Wir begegnen Mike, der auch als Parkplatzwächter seinen Respekt einflößenden Blick nicht eingebüßt hat. Und schließlich ist es am Ende der ersten Folge kein geringerer als Tuco, der eine Waffe in Jimmys Gesicht hält. Mit Tuco wird auch ein neuer vielversprechender Protagonist vorgestellt: Nacho – verkörpert von dem aus Orphan Black bekannten Michael Mando.

Fazit

Nach nur zwei Folgen wirkt der Erzähl-Zauber von Vince Gilligan bereits und Better Call Saul zeigt sein Suchtpotenzial. Die Breaking Bad-Gene sind der Serie jederzeit anzumerken, auch wenn das Mischverhältnis aus Comedy, Drama, Skurrilität und Melancholie ein anderes ist. Es ist die Geschichte eines Mannes, der sich im Gegensatz zu Walter White bewusst selbst neu erfindet, wobei auch hier die Ereignisse deutlich größere Auswirkungen auf den Charakter haben, als der Charakter auf die Ereignisse.

Bild: AMC

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