#LäuftBeiMir: House of Cards – Staffeln 1 & 2

Liebe Freunde der gepflegten Fernsehserienkultur. House of Cards geht am 27.2.2015 in die dritte Runde. Dabei handelt es sich um eine Serie, die mehr kann, als das ewige Kopulieren, Klicken der Handschellen und Verschütten von irgendwelchen US-Amerikanischen Geheimviren, die darin enden, dass Mütter ihre Kinder auffressen. Nein, das Politdrama erhebt den Anspruch kompliziert, verwoben und erbarmungslos spannend zu sein.

Darum geht’s (kein Spoiler)

After all, we are nothing more or less than what we choose to reveal – ja so ist er, der gute alte Francis J. Underwood (Kevin Spacy), kurz Frank. Man weiß nicht, woher er kommt, wo er steht, geschweige denn, wohin er geht. Statt Müsli frühstückt der Demokrat Fleisch in Fredys Imbiss. Hunger, irgendwie das einzig Menschliche an der perfekten Oberfläche, wenn er nicht gerade seine Claire (Robin Wright) vergöttert. Sein Büro hat Frank im Kapitol. Man sieht ihn nicht, hört ihn nicht, fürchtet ihn nicht, bis es zu spät ist. Er ist der House Majority Whip des linken amerikanischen Flügels. Während er auf der einen Seite über Leichen geht, macht er sich auf der anderen Seite mit galanter Ironie über den politischen Alltag her. Ganz offiziell ist er dafür verantwortlich, Abgeordnete zum Wohle des Landes von A nach B zu intrigieren und dort zu integrieren, wo sie am meisten Nutzen für ihn abwerfen.

Und dann ist da noch Claire Underwood. Schön anzusehen, elegant zuzusehen und perfekt arrangiert. Sie ist Vorsitzende einer NGO und agiert in einem Netzwerk aus Händeschütteln und ausgefeilter Lobbyarbeit. Was Frank und Claire verbindet, sind das identische Verständnis von Macht, gelebte Harmonie die gelegentlichen Zigaretten am Fenster sowie das schweigende Einverständnis für das Sein des anderen.

Staffel 1 – Erfrischend unkonventionell (Spoiler)

Als der amtierende Präsident Walker sein Versprechen, Frank zum Außenminister zu machen bricht, ist es mit dessen Loyalität vorbei. Franks und Claires neues Ziel ist „Francis for President.“ Eine wichtige Karte hierfür ist die überehrgeizige Journalistin Zoe Barnes (Kate Mara). Frank ködert sie mit dem Vorwand „Sex gegen Informationen“, füttert sie gezielt, um sie am Ende seine Version eines Skandals platzieren zu lassen. Das Tagesgeschäft lenkt Frank ein wenig ab. Peter Russo, ein enger politischer Gefährte, wird Mittel zum Zweck. Undwerood will ihn als Gouverneur von Pennsylvania positionieren, muss dafür jedoch dessen Vita von Drogen und Alkohol reinwaschen. Zudem müssen Abgeordnete für die Sache gewonnen werden, um später leichteres Spiel auf den Präsidentenstuhl zu haben. Nicht ganz so einfach wie geplant. Claire entwickelt eigene Pläne und ist bereit ihren Mann zu hintergehen. Sie verschuldet Peters und Franks Niederlage. Der betrogene Peter beginnt Frank zu erpressen. Frank lässt seinen Freund als Selbstmörder sterben. Zoes Bauchgefühl schlägt Alarm. Sie fängt an zu graben. Es folgt das Staffelfinale. Auf Messers Schneide stehen Franks Berufung zum Vizepräsidenten, Claires Position als CEO und die Vertuschung des Mordes an Paul.

Staffel 2 – Spaß mit politischem Alltag (Spoiler)

Ja, der liebe Frank ist Vizepräsident. Mit Zoe auf den Fersen. Doch sie gräbt am Ende zu tief und verendet auf den Gleisen der U-Bahn. Franks Machenschaften werden sichtbarer. Es beginnt ein schwieriger Alltag aus Gegnern, Intrigen und direkten Angriffen auf die Underwoods. Er muss sich mit Republikanern, Gerüchten rundum seine Homosexualität sowie mit echten Problemen wie dem chinesischen Wirtschaftsmarkt herumschlagen. Hinzu kommt, dass seine liebste Claire zu straucheln beginnt. Alte und neue Konsequenzen als Folgen politischer Machenschaften kommen auf und vermeintliche Verbündete beginnen Frank ans Bein zu pissen. Indessen „befreunden“ sich die Underwoods mit dem Präsidenten und dessen Frau. Frank fädelt Skandale, Intrigen und Lügen so geschickt ein, dass dem Oberhaupt nichts anderes übrig bleibt, als zurückzutreten und Frank Underwood als 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten mit einem freundlichen Händedruck ins Amt zu erheben.

Fazit und Aussicht

Während die ersten beiden Staffeln nicht nur das üblich süchtige Stammpublikum an seine Stühle fesselt, sind wir gespannt, ob das Niveau des Intellektes gehalten wird. Aktuell teasert Netflix uns nämlich mit Trailern, die zeigen, wie das Kartenhaus rundum Frank Underwood an Fragilität gewinnt. Den Bildern zufolge wird aus einem bestehenden politisch raffinierten Schachspiel ein actionbelagertes „Mensch Ärgere Dich Nicht“ gemacht. Macht auch nix, solange sie uns nicht das brillierende Duo Robin Wright und Kevin Spacy wegnehmen.

Die kleinen gedanklichen Cut Outs ermöglichen es, sich wie ein Verbündeter des mächtigsten Mannes der Welt zu fühlen. Respekt dafür. Alle Übrigen lässt er im Dunkeln tappen. Netflix hingegen plauderte umso mehr aus. „Ganz aus Versehen“ haben die Herrschaften Wochen vor Staffelstart die Beschreibungen zum Millionenprojekt online gestellt. An dieser Stelle müsst ihr in Eigenarbeit recherchieren, einen auf Zoe machen, will mich ja nicht selber spoilern, nicht mal für euch. Egal wie, die Hungerzeiten sind endlich vorbei – es gibt Nachschub.

Foto: Netflix

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