Albumkritik: Madonna – Rebel Heart

Madonna – Rebel Heart

Madonna ist zurück. Leider. Denn das, was hier auf unsere Ohren losgelassen wird, hat nichts mehr mit der Madonna, die ich als junges Mädchen so mochte, zu tun. Oder vielleicht doch?

Madonna und ich

Mitte der Neunziger wurde mein Musikgeschmack noch beherrscht von BravoHits-Compilations. Dann kam FM4 und ich tauschte meinen BSB- gegen einen Blur-Poster aus. Da ich aber zuhause die Einzige war, die FM4 gut fand, wurde ich weiterhin mit kommerzieller Musik konfrontiert. Meistens konnte ich das als Hintergrundmusik abtun, doch manchmal sickerte ein Lied tiefer in meinen Gehörgang und mutierte zum Ohrwurm.

Eines dieser Lieder war “Nothing Fails” von Madonna. Der Gospelchor verursachte bei mir Gänsehaut. Deshalb kaufte ich mir das Album “American Life”. Damals gab es noch kein Spotify oder YouTube – ich kaufte also die Katze im Sack. Die Scheibe gefiel mir – sehr sogar. Das war auch der Grund, warum ich mich auf Rebel Heart freute. Doch irgendetwas hat sich verändert …

Rebel Heart

Wenn jemand vor Miley Cyrus die Bezeichnung “Rebellin” im Popbusiness verdient hat, dann nur eine: Madonna. Sie hat die konservativen Grenzen des Shiny Happy People-Popbusiness schon so oft gesprengt. Somit überrascht es nicht, sie als Bondage-Marilyn Monroe mit Tattoo auf dem Coverfoto zu sehen.

Irgendein findige PR-Berater scheint Madonna gesagt zu haben, dass es unumgänglich sei, hip zu sein und jung zu klingen. Nichts leichter als das! Schritt 1: Baue das Wort “Bitch” so oft wie möglich in deine Titelnamen ein. Wenn das nicht geht (man will ja zeigen, wie Vielseitig man ist), befolge Schritt 2: Verwende das Wort zumindest in den Lyrics.

Bitch I’m Madonna (Titel + mind. 18 x Lyrics) / Unapologetic Bitch (Titel + mind. 12 x Lyrics) / Holy Water (Lyrics)

Wer was auf sich hält, holt sich besser auch noch ein paar topaktuelle Musiker ins Boot, Nicki Minaj unterstützt sie z.B. in Bitch I’m Madonna und ein bisschen HipHop hat sowieso noch nie geschadet: In Veni Vidi Vici rappt Nas gerade in dem Moment los, in dem ich dachte, ich hätte endlich einen Anspieltipp (siehe unten) gefunden.

Man sollte aber nichts dem Zufall überlassen: Madonna singt (natürlich) auch über Sex und Begierde. In S.E.X. wird zur Betonung noch ein bisschen gestönt. Selbstverständlich sind ihre Texte nicht alle wortwörtlich zu nehmen – die Künstlerin betont in Interviews gerne, dass Haters immer etwas Negatives finden und ihren Sarkasmus vielleicht gar nicht verstehen wollen.

Album-Release

Madonnas Album REBEL HEART erschien am 6. März 2015 auf dem Label UMI/Interscope.

Fazit

Ich habe es geschafft, das Album einmal durchzuhören. Das war harte Arbeit, denn währenddessen wollte ich es zweimal von meinem Computer löschen. Ich konnte dieser “Madonna Cyrus” nicht mehr zuhören, kämpfte mich aber durch. Noch schlimmer als die Texte finde ich die Musik. Mein Fremdschämen wird nur von Gelächter unterbrochen. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu alt für diesen Scheiß. Oder zu Indie …

Meine Anspieltipps
19. Rebel Heart

Unsere Bewertung

1 Gesamt

Bloody Ears

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