#LäuftBeiMir: Unbreakable Kimmy Schmidt – Staffel 1

Die Welt soll untergehen? Gut für jene, die damit Geld verdienen, schlecht für jene, die an die Fantasien anderer glauben und ganz schlecht für Kimmy Schmidt und deren Freunde. Dafür ganz gut für mich. Denn aus dieser Seriengrundlage wurde ein kleines lustiges Meisterwerk mit dem Prädikat #LäuftBeiMir.

Für Kimmy Schmidt ist das Glas immer halb voll. Immer. Obwohl sie eingesperrt war, 15 Jahre lang in einem Bunker. Mit drei weiteren Frauen und einem narzisstischen geistlichen Priester, der einfach einmal den Weltuntergang sowie ein komplettes neues religiöses Regelwerk aufstellte – kann man ja mal machen. Als die Bunker-Crew endlich befreit wurde, stürzte sich die blauäugige Kimmy eiskalt mitten in das Manhattener Stadtleben. Mit der Eleganz eines Katzenbabys mit Bambi-Augen tapst sie durch die Welt, als wäre nie etwas passiert, angetan von der schönen neuen Welt, fasziniert von den ganzen neuen Erfindungen wie einem Smartphone („Ist das ein Macintosh?“) und begeistert von den vielen Gerüchen, Farben, den lieben Bösen und den bösen Lieben. Doch wer glaubt, dass das niedliche Rehlein von den garstigen New Yorkern verspeist wird, der irrt gewaltig. Kimmy dreht den Spieß einfach um. Denn wenn die Zeit im Bunker sie etwas gelehrt hat, dann die Einhaltung der eigenen Prinzipien sowie eine ganz eigene Überlebensstrategie bestehend aus Bauernschläue und guter Laune. Schließlich hat das Leben außerhalb des Bunkers so viel zu bieten.

Eigentlich ist so eine Kellergeschichte gerade in Österreich nicht lustig. Eigentlich! Denn Unbreakable Kimmy Schmidt stammt aus der Feder von Tina Fey (kennen wir ja schon aus 30 Rocks und Co.) und ist verdammt guter makaberer Stoff. Die Hauptzutat: Knallharter, schwarzer Humor – nur eben farbig angemalt mit ganz vielen Blümchen und Herzchen und Regenbogen und Glitzer und Zuckerguss. Mittendrin die liebe, süße, naive Kimmy Schmidt (Ellie Kemper). Eine Antiheldin, wie sie im Drehbuch steht. Aber auch irgendwie Vorbild. Und dann gibt es noch ihren neuen schwarzen Mitbewohner, schwul, wie der selbige Humor schwarz ist und auf der Suche nach dem großen Durchbruch als irgendwas Berühmtes. Und dann ist da noch Jaqueline, die Upperclass Chefin von Kimmy, die sich nicht zwischen Freundin und Vorgesetzter entscheiden kann. Und würfelt man das alles zusammen, verspricht die Serie seinen Zuschauern ganz viel Spaß für jeden, der eben über die etwas andere Art von Humor auch lachen kann.

Das neue kleine Meisterwerk von Netflix stellt sich nicht zimperlich an, wenn es darum geht mit beiden Beinen mal ins Fettnäpfchen zu hüpfen. Die 13 Halbstünder der ersten Staffel wären definitiv richtig verstörend, wenn die Figuren, wie der schwule Titus (Titus Burgess) oder die überrreiche Jacqueline (Jane Krakowski), nicht so dargestellt würden, wie sie es werden. Es wird vor keinem noch so sensiblen Thema Halt gemacht.

Aber, meine Damen und Herren leset selbst:

Bunker-Witze

1996 called. It want its clothes back.” – “2090 called. You’re dead and you wasted your time on earth  (Kimmy)

It’s so funny what people who have never been kidnapped think is scary. Talking crows? I would have LOVED to meet a talking crow! (Kimmy)

Rassismus

Delivering Chinese food all day can be depressing. Like when people yell out ‘Food’s here!’ as if they have a family, but I know they are alone. (Dong)

I’ve decided to live as a werewolf, it’s so much easier than being an African-American.  (Titus)

Medienkritik

Ja, auch Karla Kolummna, Clark Kent und wie sie alle heißen, kriegen was vom Fett weg und die fein-flauschigen Fellchen über die Ohren gezogen.

It’s not my fault. People love hearing terrible details of news tragedies. One, it’s titillating like a horror movie. Two, it makes them feel like a good person because they care about a stranger. Three, it makes people feel safe that it did not happen to them. (Titus)

If this is your idea of a joke, you belong in a Woody Allen movie, because I’m not laughing. (Kimmy)

Fazit

Unbreakable Kimmy Schmidt zeigt schlicht und ergreifend, dass man nicht permanent einen auf knallhart machen muss, auch nicht im Fernsehen. Schon gar nicht im Fernsehen. Große Gefühle, Romanzen, Helden, Cops, Leichen und Vorbilder werden einfach einmal weggelassen. Botschaften werden stattdessen in Witze eingepackt. Vielleicht sind die schauspielerischen Leistungen nicht das Gelbe vom Ei, und auch bei der technischen Umsetzung gibt es ein wenig Abzug, da manchmal schon ein Ticken zu viel Sitcom-Charakter aufkommt. Nichtsdestotrotz geben Plot, Satire, Bilder und die vermittelten Werte so wie die vielen Lachmomente Grund genug, der kommenden zweiten Staffel mit freudig feuchten Äuglein entgegenzublicken.

Foto: Netflix

Kommentar verfassen