Markim Pause: Wegen Schlumpfine angespuckt.

Markim Pause im Spielboden Dornbirn

Am Freitag ging im Spielboden Dornbirn die Frühlingsausgabe des großen Poetry Slams über die Bühne. Wir haben die Gelegenheit genutzt und Moderator Markim Pause zum Interview geladen.

Markim, du hast Poesie schon geschlagen bevor es cool war, wie bist du zum Slam gekommen?
Durch Zufall. Ich hab von der Uni Essen nach Düsseldorf gewechselt, um dort Germanistik zu studieren. Ein Kumpel nahm mich damals mit auf eine Veranstaltung die „Poetry Slam“ genannt wurde. Ich fand das superinteressant und hab daraufhin beschlossen gezielt Texte für diese Veranstaltung zu schrieben. Einen Monat später stand ich auf der Bühne und habe direkt gewonnen.

Das Preisgeld betrug damals 100 Mark, wobei man die ersten 50 gleich bekam und die Zweiten, wenn man beim nächsten Slam als Opferlamm, also ohne Wertung auftrat.

Zumindest in Dornbirn sieht man dich häufiger moderieren als Texte vortragen – wie kam’s, dass du vom Slamer zum MC wurdest?
Das wirkt nur für die Leute im Ländle so. Tatsächlich moderiere ich nur bei knapp der Hälfte meiner Auftritte, bei allen anderen lese ich.

Aber zum Moderieren gekommen bin ich auch damals in Düsseldorf. 2001 habe ich mit meiner zauberhaften Kollegin Pamela Granderath den Slam dort übernommen und wir machen ihn bis heute.

Deine Texte handeln gern von den Abstrusitäten und der totalen Eskalation des Alltags – wie viel Wahrheit steckt in deinen Geschichten?
Meist sind es die Texte, die man für erfunden hält, an denen das meiste wahr ist. Man muss sich auch nicht so viel einfallen lassen, nur im Alltag hinsehen. Beispielsweise hatte ich zu Studienzeiten wirklich einen Freund, der tote Tiere vom Straßenrand sammelte, um das Fell in seinen Kunstwerken zu verarbeiten.

Was war das Beste/Verrückteste/WhatEver Erlebnis, das du auf deinen Reisen hattest?
Ich hatte schon ab und an Stress mit dem Publikum oder zumindest mit Teilen davon. Das ist mir sogar zwei Mal mit demselben Text passiert.

Ich hatte die Idee einen Porno zu schreiben, den aber in einen Rahmen zu kleiden, in der er nicht rein gehört. So kam es, dass Schlumpfine eines Morgens aufwachte und ihre erste Menstruation hatte. Als sie das Papa Schlumpf erzählt, meint er, dass sie nun eine Frau sei und dass es da nur eines zu tun gäbe … Für den Text wurde ich zweimal angepöbelt. Mir wurde das Mikro aus der Hand gerissen und ein anderes Mal kam eine Frau auf die Bühne und hat mich angespuckt. Glücklicherweise kann ich in solche Situationen immer ganz gut reagieren.

Mein lustigstes oder sogar schönstes Erlebnis hatte ich in Hamburg. Nachdem ich deutlich zu viel getrunken hatte, musste ich mich auf der Bühne übergeben. Ich trug es mit Fassung, hab auch alles weggeputzt und als ich fertig war erzählte mir der Veranstalter, dass genau an der Stelle Charles Bukowski bei seinem einigen Deutschlandauftritt gekotzt hatte.

Die meisten Slamer meinen, man kann vom Slam nicht leben. Die meisten Autoren meinen, man kann vom Schreiben nicht leben. Kann man den vom Moderieren leben?
Ich glaube je nachdem, wie professionell man es macht, kann man von allem leben. Bei mir ist es die Mischung von allem: Ich organisiere, moderiere und trete auf. Im Schnitt bekommt man ab jedem dritten Slam einen Folgeauftritt. Außerdem gebe ich Workshops und unterrichte an der Uni Düsseldorf am Lehrstuhl für Germanistik.

Was machst du lieber, slamen oder moderieren?
Ich fühle mich bei beidem sehr wohl. Ich bin gerne auf der Bühne. Mir ist es egal, ob ich lese oder moderiere.

Der Slam im Spielboden ist quasi jedes Mal ausverkauft. Habt ihr euch schon überlegt, das Ganze mehr als zwei Mal im Jahr zu machen?
Tatsächlich haben wir gerade heute wieder darüber gesprochen. Es gibt im Spielboden ja noch Jam on Poetry in der Kantine und den Ohrnuschel Slam. Grundsätzlich könnte mir schon vorstellen, im Spielboden vier Slams pro Jahr zu veranstalten, doch zu viele sollten es auch nicht werden.

Jedenfalls denken wir ab und zu darüber nach und derzeit gerade wieder etwas intensiver.

Neben deiner Moderation und den vorgetragen Texten lockt ja auch DJ Shlomo Szejbenszpyler die Gäste nach Dornbirn. Wo habt ihr euch kennengelernt und wie kam es zu eurer Zusammenarbeit?
Wir kennen uns von der Uni. Ich glaube wir haben uns auf einer Party oder in der Cafeteria kennengelernt. Jedenfalls hatten wir nicht dasselbe Studienfach. Ich hatte Germanistik und Philosophie und Shlomo Geschichte und noch was.

Shlomo hat zwei Auslandssemester in Prag gemacht und dort mit Jürgen zusammengewohnt, dessen Freundin wiederum das Poolbarfestival mitgestaltete. Eins führte zum anderen, Shlomo meinte, dass er jemanden kennt, der Slams macht und so landeten wir in der Poolbar. Dadurch kreuzte sich unser Weg mit dem der beiden Spielboden-Kuratoren Jörg und Birgit.

Nach welchen Kriterien suchst du die Slamer aus, die du nach Dornbirn einlädst?
Da denke ich sehr als Veranstalter und achte darauf, dass das Publikum was davon hat. Ich achte auch bewusst auf ein gemischtes Starterfeld: Unterschiedliche Herkunft, unterschiedliche Geschlechter, Künstler mit vorwiegend ernsten und lustigen Texten, Lyrik und Kurzgeschichten, …

Fragen dich die Slamer manchmal vorab nach der Location und wenn ja, was erzählst du ihnen über Dornbirn?
Meistens fragen sie mich, wie es zustande kommt, dass ich in Dornbirn einen Slam veranstalte. Ich erzähle ihnen dann die knappe Geschichte, von Düsseldorf, Prag, Feldkirch und Dornbirn.

Nach der Location werde ich eher selten gefragt. Die Poetry Slam-Szene ist gut vernetzt und die meisten verstehen sich sehr gut miteinander. Da hat der Slam hier mittlerweile seinen eigenen, äußerst positiven Ruf entwickelt.

Ich bekomme auch oft Anfragen von Slamern, die gerne mal nach Dornbirn kommen möchten. Und wenn sie dann hier waren, meinen Sie, dass es besser war, als sie es sich vorgestellt hatten. Ich glaube, das liegt besonders daran, dass die Leute hier echt Bock auf die Veranstaltung haben. Nicht nur die Gäste – auch das ganze Spielboden Team.

Du hörst Texte ja öfter in verschiedenen Städten – reagieren die Zuschauer in unterschiedlich, je nach Location?
Ja. Ein Text kann an drei verschiedenen Tagen, in drei verschiedenen Städten super funktionieren und beim vierten Vortragen kann sich das plötzlich ändern.

Bei Beginn des Slams suchst du jeweils eine Co-Moderatorin. Gibt es einen Grund, warum du lieber Frauen auf die Bühne holst als Männer?
Ja. Ich habe mit männlichen Co-Moderatoren schlechte Erfahrungen gemacht. Hier in Dornbirn hat sich einer mal betrunken und mit dem Publikum angelegt, was mich in eine heikle Lage brachte. Ich musste ihn bremsen, wollte mich aber nicht zwischen ihn und das Publikum stellen. Ich lehne männliche Co-Moderatoren nicht vehement ab, ich glaube nur, dass Frauen sich da besser im Griff haben.

Die Vorarlberger Slamer-Szene ist ja ziemlich überschaubar. Gibt es Vorarlberger Slamer, die dich echt beeindruckt haben und denen du eine „Karriere“ in der Szene zutrauen würdest?
Ich möchte niemandem eine Karriere oder das Gegenteil voraussagen – das steht mir verdammt noch mal auch gar nicht zu. Wer mich jedoch beeindruckt hat, ist Karin Tarabochia, die auch heute Abend wieder dabei ist.

Foto: Spielboden Dornbirn

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