»Rap ist dreckig. Rap nimmt sich kein Blatt vor den Mund.«

Arkan45 gilt als der Geheimtipp der heimischen HipHop-Szene. Wir haben mit dem Rapper mit der Maske gesprochen.

Du gehst einen anderen Weg, als einige deiner Vorarlberger Kollegen. Du rappst auf hochdeutsch. War das für dich von vornherein klar oder hast du auch überlegt im Dialekt zu rappen?
Mit Vorarlberger-Dialekt-Rap kommt man nicht so weit, wie ich kommen will. Ich will mehr als nur ein Bundesland mit meiner Musik erreichen und gehe nicht davon aus, dass Dialekt-Rap auch außerhalb von Vorarlberg gehört wird.

Wie war der Auftritt beim Ländle HipHop Festival? Du warst ja auf der Mainbühne.
War mein erster Auftritt mit Maske und hatte daher ’n bisschen Schwierigkeiten beim Atmen, da die Nase komplett bedeckt ist. Am Ende ging mir die Luft einfach aus. Davon mal abgesehen war der Auftritt gut. Backup war meine Freundin Darah, die zum ersten mal gerappt hat und das dritte Mal in ihrem Leben auf der Bühne stand. Alles in allem bin ich zufrieden!

Wie oft standest du schon auf der Bühne?
Ich stand schon sieben bis acht Mal auf der Bühne, unter anderem auch nur Backup für einen alten Kollegen. Mit ca. 13 Jahren war ich das erste Mal auf der Bühne, damals noch mit Justin Bieber Frisur und Baggy Pants, danach folgten Jugendhaus und Messe-Auftritte. Das Ländle HipHop Festival war mein erster Auftritt ohne Jugendhaus-Unterstützung.

Und dort warst du auf der Mainbühne zu sehen. Was hast du dem Publikum gezeigt?
Gute Musik und die Premiere meines neuen Tracks „HOO!“.

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Das Video zu „HOO!“ wirkt sehr aufwendig – auch das von „Kaputte Welt“. Machst du die selber?
Ich produziere die Videos mit meinem Kumpel Invisuals zusammen. Steckt mehr Arbeit dahinter als man denkt. Alleine bei „HOO!“ sind ca. 50 Arbeitsstunden nötig gewesen.

Weiß Jakob Kasimir aka Candy Ken, dass er in „HOO!“ vorkommt?
Ich hatte schon des öfteren Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen mit Jakob oder wie er sich nennt, „Candy Ken“. Mir ist es ziemlich egal, ob er davon Bescheid weiß. Du wirst mir nicht glauben, wie oft ich mich über diese Szene im Video schlapp gelacht habe! (lacht)

Candy Ken bekommt Post vom „Beef-Träger„. Wie stehst du zu deutschem Gangsta-Rap à la Bushido und Konsorten? Sind das Vorbilder für dich?
Gangsta-Rapper à la Bushido nehme ich mir nicht als Vorbild. Meine Vorbilder sind authentisch.

Und wer wäre das?
Die Musiker, die ich höre und mir als Vorbilder nehme, kennen die meisten nicht wirklich. Für mich ist der beste Musiker überhaupt Cr7z. Die Musik von 187 Straßenbande läuft neben Cr7z in Dauerschleife auf meinem Handy. Sie sind neben der Musik, die sie machen, auch meine Vorbilder.

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Rappst du in „Kaputte Welt“ über einen fiktiven Ort oder auch übers Ländle? 

In meinem Track „Kaputte Welt“ geht es, wie der Titel schon verrät, um die Weltansicht eines 18-Jährigen.

Der trotzdem im Ländle aufgewachsen ist, was ja nicht unbedingt mit einem Problembezirk in einer Großstadt zu vergleichen ist.
Stimmt, aber ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich mit meinen jungen 18 Jahren schon extrem viel erlebt habe – auch im Ländle. Alles was ich in „Kaputte Welt“ sage, habe ich erlebt, oder es sind meine Gedanken. Ich nehme Musik als mein Ventil und verarbeite Erlebtes oder meine Gedanken. Auch wenn das Ländle nicht zu vergleichen ist mit einem Problembezirk in einer Großstadt, gibt es hier, wie in jeder Stadt, Ecken, die nicht unbedingt angenehm sind.

Gewalt, Frauenfeindlichkeit usw. in Rap-Songs wird gerne angeprangert. Deiner Meinung nach zurecht oder ist das übertriebene Korrektheit?
Jedem seins.

Aber du hast doch bestimmt eine Meinung dazu, wenn sich Leute zu deiner Musik äußern, die sie mit großer Wahrscheinlichkeit selbst nicht hören.
Übertriebene Korrektheit. Wenn du nicht mit dem Inhalt klarkommst, dann skip weiter zu nem anderen Genre. Rap ist dreckig. Rap nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Damit muss man klarkommen.

Wie entsteht ein Song bei dir? Schreibst du zuerst einen Text, zu dem dann die passende Melodie gefunden werden muss oder läuft es umgekehrt?
Ich suche mir zuerst den Beat. Anschließend gehe ich, wenn Zeit bleibt, in mich und nehme Stift und Papier zur Hand. Frühestens wenn die Sonne aufgeht, gehe ich schlafen.

Wen bzw. was möchtest du mit deiner Musik erreichen?
Ich möchte mich von Track zu Track steigern. In naher Zukunft möchte ich Musikvideos produzieren und den Leuten, die genauso denken wie ich, eine Stimme geben.

Sido, Marsimoto, Cro tun bzw. taten es, und nun du. Was ist dein Beweggrund eine Maske zu tragen?
Ich stelle eine Figur dar, die von sich und ihrem Leben erzählt. Unter dieser Maske könnte auch der Typ von nebenan stecken.

Keine Angst, dass das Masken-Ding schon etwas ausgelutscht ist?
Wenn ich eine Maske tragen will, dann trag ich eine Maske.

Hast du „Hater“?
Hater gibt es nicht, Neider immer und überall.

Was werfen die dir vor?
Niemand macht mir Vorwürfe. Was andere über mich denken ist mir egal. Unterstütz mich oder lass es.

Welche Projekte hast du in der näheren Zukunft geplant?
Ich will ne EP namens „Randale & Gesocks“ rausbringen. Die Arbeit läuft allerdings schleppend.

An was happerts?
Ich bin sehr selbstkritisch. Ich schreibe einen Song, nehme ihn dann mit meinem Handy auf, höre ihn mir tagelang an und irgendwann lösche ich die Aufnahme und schreibe einen neuen Song. Ich bin sehr pingelig und nie 100%ig zufrieden. Ich seh das allerdings positiv, da so immer eine Steigerung vorhanden ist. So steigere ich mich von Song zu Song. Ich will kein Geld in einen Song stecken, wenn ich weiß, das der nächste Song, den ich schreibe, besser wird. So ist mein Output sehr gering, aber ich überzeuge bei jedem neuen Song.

Wo kann man dich, abgesehen vom HipHop Festival, sonst noch sehen?
Auf Facebook und Youtube findet man mich unter Arkan45. Ansonsten sieht man mich auf Anfrage auch auf manchen anderen Events und wenn man Glück hat, hört man nachts meinen klirrenden Rucksack.

Zum Schluss, doch noch etwas Dialekt. Hast du ein Lieblingsdialektwort?
„Load“. Flowt am meisten. (lacht)

Foto: Handout Arkan45

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